anti-Atom-Alarm in Ostfriesland

Niederlande erwägen Dollart als AKW-Standort

von Reimar Paul

Die Niederlanden diskutieren Standorte für ein neues Atomkraftwerk –auch nahe der deutschen Grenze.

Bei seinem Amtsantritt im Mai 2003 gab sich Pieter van Geel noch als Gegner der Atomkraft. Jetzt fordert der für Energie zuständige Staatssekretär im niederländischen Umweltministerium nicht nur den Weiterbetrieb des einzigen verbliebenen AKW des Landes in Borssele, er verlangt den Bau eines neuen Meilers. Der müsse innerhalb von fünf bis zehn Jahre erfolgen, um die Energieversorgung sicherzustellen, sagte van Geel vergangenen Woche in einem TV-Interview. Er bezeichnete Atomkraft als die einzige Möglichkeit, den CO2-Ausstoß zu vermindern und die Luftqualität zu verbessern. Der in Leer erscheinenden »Ostfriesen-Zeitung« zufolge hat van Geel auch schon mögliche Standorte für das neue AKW ins Gespräch gebracht. In Frage kommen demnach die Umgebung von Rotterdam, Seeland sowie Eemshaven am Dollart, das in direkter Nachbarschaft zu Ostfriesland liegt.

Von einem AKW am Dollart wäre Deutschland als Anrainer unmittelbar betroffen. »Die Frage, was die Bundesrepublik dann unternimmt, stellt sich derzeit doch noch gar nicht«, versucht Michael Schroeren, der Sprecher des Bundesumweltministeriums, zu beruhigen. Er habe zwar Kenntnis davon genommen, dass in den Niederlanden die »Option Kernenergie« wieder diskutiert werde. Von konkreten Bauvorhaben oder gar Standorten wisse er bislang nichts, erklärte Schroeren auf Anfrage. »Wenn es irgendwann doch in eine konkrete Phase gehen sollte, dann greift das Europäische Recht«, sagte Schroeren weiter. Und dieses schreibe, wie im Falle des tschechischen Meilers Temelin ja auch geschehen, bei Atomkraftwerken eine grenzüberschreitende Öffentlichkeitsbeteiligung ebenso vor wie eine internationale Umweltverträglichkeitsprüfung.

Doch die Worte van Geels abzutun, wäre falsch. Auch Minister wie Laurens Jan Brinkhorst (Wirtschaft) und Bernhard Bot (Äußeres) plädieren dafür , das AKW in Borssele nicht, wie vorgesehen, 2013 zu schließen. Das AKW mit einer Leistung von knapp 500 Megawatt deckt rund vier Prozent des niederländischen Energiebedarfs.

Unklar ist, ob das mögliche neue AKW ein »Europäischer Druckwasserreaktor« (EPR) werden soll. Diese angeblich neuartige Baulinie wird von einem französisch-deutschen Firmenkonsortium entwickelt – mit Siemens Beteiligung. Prototypen sollen im französischen Flamanville und im finnischen Olkiluoto entstehen. In Wahrheit ist die größte Neuerung nur eine Art Keramikwanne unter dem Reaktor. Sie soll bei einem »Super-Gau« das Durchschmelzen des Kerns verhindern.@




Niederlande verlängern Laufzeit des einzigen AKW um 20 Jahre.

20 Jahre länger!

Das einzige Atomkraftwerk der Niederlande soll entgegen früherer Ankündigungen nicht 2013, sondern erst 20 Jahre später stillgelegt werden. Das kündigte der Staatssekretär für Raumordnung und Umwelt, Pieter van Geel, am Dienstag an. Das 1973 erbaute Kernkraftwerk in Borssele im Südwesten des Landes könne bis 2033 „in gutem technischem Zustand“ weiter betrieben werden. Es gehöre zu den sichersten Atomkraftwerken der Welt. Van Geel wies zudem darauf hin, dass der Staat den Betreibern im Falle einer Schließung des Kraftwerks im Jahr 2013 bis zu eine Milliarde Euro Entschädigung hätte zahlen müssen.@




BBU gegen neues Atomkraftwerk in den Niederlanden

Widerstand

PM – BBU Bonn vom 21.2.2006

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e. V. (BBU) mit Sitz in Bonn lehnt den möglichen Neubau eines Atomkraftwerks in den Niederlanden generell ab. Klare Worte fand heute morgen Udo Buchholz vom Geschäftsführenden Vorstand des BBU in der Grenzstadt Gronau (Nordrhein-Westfalen), in der die deutsche Urananreicherungsanlage (UAA) steht: „Der BBU ist froh, dass es in den Niederlanden nur ein kommerziell genutztes Atomkraftwerk gibt, und auch das muss nach unserer Auffassung sofort stillgelegt werden. Auch in den Niederlanden ist das Atommüllproblem ungelöst und ein weiteres Atomkraftwerk darf auf keinen Fall gebaut werden. Sollte der Neubau eines AKW in unserem Nachbarland konkreter werden, wird der BBU selbstverständlich den Widerstand der niederländischen Anti-Atomkraft-Bewegung unterstützen!“@

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