| Anreicherung in einer aufgeteilten Welt
Uran - Anreicherung im Iran Seit Ende 2002 ist die Atompolitik des Iran verstärkt in das Blickfeld internationaler Politik gerückt. Die USA werfen dem Regime in Teheran vor, den Bau von Atombomben zu verfolgen, obwohl sich Iran im Nichtverbreitungsvertrag von 1968 dazu verpflichtete, eben dies nicht zu tun. Ist die Besorgnis von USA und Europäern berechtigt oder beabsichtigt der Iran tatsächlich nur eine friedliche Nutzung der Kernenergie, so wie das immer wieder von offizieller Seite in Teheran bekräftigt wird? Das iranische Atomprogramm begann bereits in den siebziger Jahren, als der Schah mit Unterstützung der Firma Siemens mit dem Bau eines Kraftwerks in Bushehr begann. Nach dem Krieg gegen den Irak schloss die iranische Regierung mit Moskau ein Abkommen, um diesen Reaktor fertigzustellen. 1992 vereinbarte Teheran einen ähnlichen Plan für zwei weitere Anlagen in Darkhovin mit der VR China, der jedoch bislang nicht verwirklicht wurde. Der Reaktor in Bushehr wurde mit dem russischen Atomministerium unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) für etwa 800 Millionen Dollar ausgebaut. Wie jeder andere Staat hat auch der Iran ein Recht auf friedliche Nutzung von Kernenergie. Dennoch stellt sich angesichts der reichen Erdgas- und Erdölvorräte des Landes die Frage, warum eine vergleichsweise teure Energiequelle wie die Kernkraft für ein Dritte-Welt-Land interessant sein soll. Immerhin ist der Iran der viertgrößte Rohölförderer der Welt. Die religiösen Führer des Iran, die ansonsten modernen Technologien sehr kritisch gegenüberstehen, verweisen dagegen auf das Bevölkerungswachstum und den Umweltschutz als Motive für den Bau von Kernkraftwerken. Seit der Machtübernahme der geistlichen Revolutionsführer (1978) verfolgt der Westen daher die nuklearen Ambitionen des Landes mit Misstrauen und versucht, die iranische Nuklearpolitik zu kontrollieren. Den USA gelang es auf diplomatischem Wege, eine engere Kooperation Russlands und VR Chinas mit dem Iran zu verhindern. Noch im Jahr 2003 verpflichteten sich alle Unterzeichnerstaaten des Nichtverbreitungsvertrages, zusätzliche Inspektionen zuzulassen. Zusammen mit dem anhaltenden Nuklearembargo des Westens gegen den Iran, gab dies Anlaß zur Hoffnung, eine wirksame Kontrolle ausüben zu können. Ende 2002 entdeckte man jedoch, dass der Iran unbemerkt in Natanz einen Kleinreaktor zur Anreicherung von waffenfähigem Uran betrieb und in Arak kurz vor Vollendung einer Produktionsstätte für schweres Wasser stand. Eine IAEA-Inspektion der Anlage in Natanz ergab, dass diese technisch so ausgereift war, dass es bereits ein kleineres Vorläufermodell gegeben haben mußte. Der Umstand, daß Iran schweres Wasser herstellen wollte, wies darüber hinaus darauf hin, daß es auch über einen Reaktor dafür verfügen müsste oder kurzfristig verfügen würde, denn die von Russland gebaute Anlage in Bushehr braucht kein schweres Wasser zum Betrieb. Die USA warfen daraufhin Teheran vor, den Nichtverbreitungsvertrag bereits verletzt zu haben, in erster Linie durch die Geheimhaltung des Testreaktors in Natanz. Die IAEA sah bislang davon ab, sich dieser Haltung anzuschließen, sondern erklärte hingegen mehrmals, daß nach ihrer Kenntnis keinerlei waffenfähige Nuklearprogramme im Iran vorhanden seien. Dabei wurde jedoch auch betont, daß aufgrund der mangelhaften Kooperation der iranischen Regierung keinesfalls eine lückenlose Erfassung des Atomprogramms möglich gewesen sei.
Tatsache ist, dass der Iran an mindestens zwei Standorten geheime Nuklearforschungen durchgeführt hat und weiterhin trotz internationaler Kritik betreibt. Unklar bleibt die Herkunft der Technologie, doch ist anzunehmen, dass sie aus Nordkorea oder Pakistan stammt. Somit ist nicht nur die Wirksamkeit der IAEA-Inspektionen, sondern auch die der internationalen Exportkontrollen in Frage zu stellen. Der Vorsitzende der IAEA, Mohammed El-Baradei, gestand ein, daß seine Behörde zwar in der Lage sei, Nuklearanlagen industriellen Maßstabes zu entdecken, aber nicht alle geheimen Einrichtungen eines Staates zu kontrollieren. Der Iran unterzeichnete zwar im Dezember 2003 das Zusatzprotokoll zum Nichtverbreitungsvertrag, ratifizierte es bislang nicht und kündigte bereits an, seine nuklearen Aktivitäten fortzusetzen.@
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