ein Märchen:

Vom wackeren Kampf im gelben Lichte

Es war einmal ein Männlein, das lebte tief im Westen des Landes, dort wo die Sonne untergeht. Es lebte dort recht glücklich und zufrieden, aß jeden Morgen sein Müsli, ging zur Schule, traf sich mit seinen Freundinnen - es war ein Männlein wie viele andere auch. Eines schönen Tages nun erkannte das Männlein, daß sein Leben eintönig war, ohne Abenteuer.

Es saß wie so oft vorm Fernseher, da sah es im selbigen Bilder aus einem nicht so fernen Land: Er sah Leute die lachten, Fähnchen schwenkten und eine große Wolke von Witz und Phantasie schwebte über ihnen. Und immer wieder kam die gewaltige Übermacht des Bösen, versuchte sie niederzudrücken und zu zerbrechen, aber sie, ihre Fähnchen, ihr Lachen, ihr Witz und ihre Phantasie kamen immer wieder. Und seit nunmehr 10 Wintern verteidigten sie ihr Land gegen CASTOR, den Inbegriff alles Schrecklichen. CASTOR war so furchtbar, dass wann immer nur sein Name fiel, alles wie hypnotisiert war.

Diese Leute aber - die das Männlein dort im Fernsehen sah, das waren wahre Heldinnen. Das Männlein war so von ihnen angetan, dass es sofort beschloß, einer von ihnen zu werden. Gleich am nächsten Tag ging es zu 3 seiner Freundinnen und fragte: "Wollt ihr wahre Heldinnen sein?" Die 3 waren begeistert und so antworteten sie: "Ja, das wollen wir!" Das Männlein fragte weiter: "So wollt ihr mit mir gegen das schrecklichste Übel überhaupt kämpfen?" Da jedoch waren die 3 ratlos: "Was ist das schrecklichste Übel überhaupt?" Da blickte das Männlein in die Runde und sagte: "Das schrecklichste Übel überhaupt wäre, wenn CASTOR einzöge im Lande der Wenden."

Die 3 waren ergriffen von der Ernsthaftigkeit der Lage und sagten: "So wollen wir mit Dir kämpfen!" Und sie machten sich auf, einen Weisen zu finden, der sie beraten sollte. Der Weise zeigte ihnen Filme und Fotos aus dem Land der Wenden. Er beschrieb ihnen, wie sie die Höhle des CASTOR finden konnten: "Nach Osten sollt ihr ziehen, bis dann ihr ein Land erreicht, in dem es wenig Menschen gibt, aber viel Landschaft. Wartet auf die Dunkelheit, ein gelbes Licht am Horizont weist euch den Weg. Fürchtet Euch nicht!" Und der Weise schenkte ihnen ein Bild von der Höhle des CASTOR, damit sie auch die richtige Höhle fanden. Als es nun an der Zeit war aufzubrechen, da luden die 4 Freundinnen Zelt und Schlafsack in ihr Auto - und ein wenig Lachen. Sie wollten noch Werkzeug, Organisation und Phantasie mitnehmen, aber um all das hatten sie sich nicht gekümmert. So kam es, daß sie ohne all dies fahren mussten.

Sie kamen in eine Gegend, da gab es viel Landschaft und wenig Menschen und es begann zu dämmern. Das Männlein erblickte am Horizont hinter Bäumen versteckt ein gelbes Leuchten. "Die Prophezeiung des Weisen ist Wahrheit geworden, wir haben die Höhle des CASTOR gefunden", flüsterte das Männlein. Und sie kamen näher und alles sah aus, wie der Weise es beschrieben hatte. Die 4 waren müde und so beschlossen sie zu lagern und den Kampf gegen CASTOR im Morgengrauen aufzunehmen.

Sie erwachten aber nicht im Morgengrauen, sondern erst, als sie Stimmen hörten. Sie rieben sich die Augen und sahen 50 Menschen mit Fähnchen, die sich in der Nähe ihrer Lagerstätte versammelten. Das Männlein sprach: "Hurtig, ihr Getreuen, der Kampf beginnt!" Rasch kleideten sie sich an und gesellten sich zu der fähnchentragenden Menge. Aber die Menschen hatten graue Gesichter, die nicht lachten, Phantasie, Witz und Mut wehten nur als leiser Lufthauch über ihren Köpfen.

Als die Menschen gewahr wurden, daß die 4 sich zu ihnen begaben, lachten sie und waren glücklich. Als sie aber hören mussten, daß das Männlein und seine Freunde nichts außer einem Quentchen Lachen mitgebracht hatten, waren sie enttäuscht. Das Männlein war verwirrt: "W ir kommen um gegen CASTOR zu kämpfen, welcher der Inbegriff allen Übels ist!" Ein Männlein mit dem Sprachrohr in der Hand sagte: "So seid Ihr überzeugt, der 306. CASTOR sei schlimmer als die 305 vorherigen? Was müsst Ihr nur für komische Gesellen sein!" "Der 306.?" Das Männlein war entsetzt, es wollte doch gegen den einen CASTOR kämpfen, der das Übel schlechthin war, es wollte sich ein wenig von den bösen Mächten verprügeln lassen, als wahrer Held nach Hause fahren und sich und seine blauen Flecken feiern lassen. Und hier sollte es vorbereiten, organisieren und nach wenig aufregenden Unternehmungen von den bösen Machten wegen Nichtigkeiten in den Kerker geworfen werden.

Ein scharfer, kalter Winterwind durchfröstelte das Männlein und es musste erkennen, daß es nicht im Land der Wenden war. Es war an einem Ort, von dem es nie zuvor gehört hatte. Es war in Ahaus.@



 


 

Anmerkung der aaa-Redaktion:
Die Sorge, "Ahaus" könnte hinten runter fallen, weil der Mythos Gorleben so übermächtig wirkt, ist nicht neu. Im Januar 1996 schrieb uns ein Mitstreiter aus dem Münsterland dieses Märchen, das wir in der aaa 66 zum ersten Mal veröffentlicht haben.

Zum Inhaltsverzeichnis aaa 161 zurück zum Inhaltsverzeichnis aaa 161

Ende