| Ahaus 2005
Ganz egal wo, wie oder wohin. Worum geht´s? Seit über einem Jahr kündigen die Regierungen von Sachsen und NRW an, Atommüll aus Dresden-Rossendorf nach Ahaus zu transportieren. Da der NRW-Regierung mit der Landtagswahl Ende Mai der letzte Grund abhanden kommt, diese Transporte aufzuschieben, ist in den Monaten danach damit zu rechnen. Ganz klar: Es ist scheißegal, wo der Müll herumliegt! Ob er in Sachsen, in Westfalen, in Gorleben oder Oberammergau in Fässern lagert, sicher ist er nirgends. In der Wellblechhalle in Ahaus genauso wenig, wie an der Autobahn-Rasstätte in Garbsen. Wir glauben auch nicht, dass er in Dresden lagern sollte. Das klingt widersprüchlich, aber die Frage, wo der Müll denn hin soll, kann niemand beantworten. Auch wir wissen es nicht. Was wir wissen ist, dass wir gegen diese Transporte sind! Solange auch nur ein Nanogramm Atommüll erzeugt wird, werden wir jeden noch so kleinen Schritt der Atomindustrie sabotieren. Wir werden jeden Schritt, den die Industrie und ihre begeisterten politischen Unterstützer unternehmen, so teuer wie möglich machen. Ganz egal wo, wie oder wohin.So ist diese Welt, könnten wir sagen. Und es gibt schlimmere Dinge als Castortransporte. Aber wir werden eine Politik bekämpfen, die Atomtechnologie schon immer als Mittel für weltpolitischen Einfluss genutzt hat und die nicht erst seit dem letzten Jahr, sondern täglich über Leichen geht. Wie damals die Atombomben-Träume eines Ministers Strauß ist heute der Ausbau der Urananreicherung ein Mittel zur Verwirklichung der weltpolitischen (Sicherheitsrats-) Träume Deutschlands. Im Iran ein möglicher Kriegsgrund, ist sie hier ein Argument, um in der obersten Liga der Industriestaaten mitzuspielen. Eine Industrie, die verantwortlich ist für die Zerstörung des Lebensraums der Menschen in den Uranabbaugebieten. Die täglich russische Roulette spielt mit den Menschen im Umkreis der Atomkraftwerke. Die von der Kriegsführung mit abgereichertem Uran und der Machtpolitik mit Atomwaffen profitiert. Die täglich an der Produktion neuen Strahlenmülls in Gronau, Lingen oder den laufenden Reaktoren verdient. Gegen diesen Atomtransport zu demonstrieren bringt uns der Antwort auf die Frage, "wohin der Müll denn soll", tatsächlich kein Stück näher. Vielleicht bringt es uns nicht einmal unserem Ziel eines sofortigen Atomausstiegs näher. Aber sich gegen die Nutzung dieser Technologie zu wehren, wo es nur geht, ist ein Zeichen, dass wir die Welt, so wie sie ist, nicht hinnehmen. Dass es funktioniert zeigt sich Jahr für Jahr im Wendland, wenn anlässlich der Castortransporte eine ganze Region in den Ausnahmezustand versetzt wird. Trotz einer Polizei-Armada erleben dort Menschen, dass Widerstand machbar ist. Für kurze Zeit entstehen soziale Orte und Freiräume, in denen es möglich ist, Utopien lebbar zu machen. Die Kraft, die wir daraus gewinnen, bringt uns ein ganzes Stück weiter auf dem Weg zu einer gerechten Welt.
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