Erklärung zu den abgefackelten Firmenwagen von DB und BEWAG:
wir sind netter als unser Ruf

Jetzt wird’s heiß!

peng-zong-kollektiv
autonome gruppen


Wir haben in den frühen Morgenstunden des 1.2.2005 mehrere Firmenwagen der Deutschen Bahn AG und der BEWAG in Berlin-Friedrichshain und Berlin-Treptow angezündet. Beide Konzerne profitieren von der Atomenergie. Wir sind radikale Linke, die sich (auch) im heterogenen anti-Atom-Widerstand einmischen: Wir sind netter als unser Ruf und wir bleiben in Bewegung.

Diese direkten Aktionen sind für uns ein Teil der Aktionstage gegen das Deutsche Atomforum. Das Deutsche Atomforum (DAF) wurde 1959 gegründet. Seitdem verfolgt es das falsche Ziel, Lobbyarbeit für Atomkraftnutzung zu machen. Die diesjährige Tagung am 1. und 2. Februar im Maritim-Hotel in Berlin ist typisch für diese Arbeit. Wir haben mal im Lexikon nachgeschlagen: Ein Forum ist ein frei zugänglicher Platz, auf dem vernünftige Menschen vernünftige Argumente tauschen. Politiker/innen, Wissenschaftler/innen und andere Experten diskutieren im Maritim-Hotel über einen „vernünftigen Energiemix“ (Ankündigungstext DAF). Welche Rolle die Atomkraft in diesem Mix spielen soll, ist nicht schwer zu erraten. Auch nicht, daß unsere Argumente als unvernünftig gelten würden.

Wir fänden es aber falsch, den Hochglanzbroschuren und Tagungen des DAF eine übergroße Bedeutung beizumessen. Bei der Durchsetzung des Atomprogramms in der BRD Ende der 60er Jahre war es der politische Wille der damaligen Bundesregierungen und speziell die ökonomische Konkurrenz zwischen Energiekonzernen, die der Atomkraft zum Durchbruch verhalf. An einem entscheidenden Wendepunkt, im Jahr 1969, beauftragte RWE die Konzerne Siemens und AEG mit dem Bau des AKW Biblis bei Darmstadt. Für einige Zeit sollte es das weltweit größte AKW sein. Zu diesem symbolischen Schritt wurde RWE veranlaßt, weil der Konkurrent Preußenelektra in Stade und Würgassen AKWs bauen ließ. Im RWE-Vorstand hatte mann mehr und mehr Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit der Braunkohle, d.h, um die Konkurrenzfahigkeit des Konzerns.

  Foto: brennende Firmenwagen

Wir denken nicht, daß sich das BRD-Atomprogramm mit Lobbyarbeit erklären oder bekämpfen läßt. Der anti-Atom-Widerstand hat seit Jahrzehnten gute Argumente gegen AKWs, Uranabbau, Atomtransporte etc. Die Gefahren dieser Technologie sind nicht nur in der anti-Atom-Bewegung bekannt. Uns fehlen nicht die Argumente, uns fehlt Gegenmacht. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen der anti-AtomBewegung ist für uns deshalb interessanter als eine Kritik am Atomforum. Aus dieser Perspektive begrüßen wir die Initiative WiderstandsMix, welche parallel zur Tagung im Maritim-Hotel Diskussionsveranstaltungen und Aktionen organisiert hat, bei denen nicht nur „über die da oben“ gejammert wird. Außerdem bricht die Initiative mit der Routine, nur noch während der alljährlichen Anti-Castor-Proteste im November aktiv zu werden.

Wir haben uns deshalb über die Initiative gefreut und sehen unsere Aktionen als Teil des Mixes. Sie sollen ein bisschen militante Hintergrundmusik (Punkrock) zum Flugblattverteilen und Kundgebungen-Abhalten sein (oft eher Blues, finden wir). Wir finden unsere Aktionen nicht automatisch wichtiger oder besser. Sie bringen aber unseren Hass auf die herrschende Ordnung oft besser zur Geltung.

Wir verabscheuen diese Ordnung auch, weil sie Tote billigend in Kauf nimmt, wenn es sich rechnet oder wenn es der Aufrechterhaltung von Ausbeutung and Herrschaft dient. Billigend in Kauf genommen wurde zum Beispiel der Tod von Sébastien Briat. Er wurde am 7. November 2004 in Frankreich während einer Widerstandsaktion vom Castor-Zug überrollt. Wut und Trauer über diesen sinnlosen Tod waren eine Motivation für unsere Aktionen.

Nach dem Tod von Sébastien forderten Rebecca Harms, Jürgen Trittin und andere Politiker/innen von der anti-Atom-Bewegung, sie solle ihre Aktionsformen auf Demonstrationen und Kundgebungen zusammenkürzen. Den Gefallen werden wir ihnen nicht tun. Wir werden uns weiterhin mit den Mitteln einmischen, die wir für richtig halten. Diese liegen auch weiterhin innerhalb des Konsens der anti-AtomBewegung, keine Menschenleben zu gefährden.

Nach dem „Atomkonsens“ hat der anti-Atom-Widerstand eher an Schärfe verloren. Das Ziel linksradikaler Politik sollte momentan sein, alternative Vorstellungen von gesellschaftlichen Verhältnissen gegenüber dem herrschenden Konsens wieder denkbar zu machen. Auch gegenüber dem Atomkonsens. Das kann nicht nur, aber auch durch militante Aktionen geschehen. Wir würden uns freuen, wenn sich wieder mehr Gruppen an militanten Aktionen beteiligen oder eigenständig aktiv werden.

Wie gesagt, wir für unseren Teil bleiben in Bewegung.

    Für die sofortige Stilllegung
    aller Atomanlagen weltweit.
    Für eine weniger verrückte Welt -
    Kapitalismus abschaffen.
    @

Zum Inhaltsverzeichnis aaa 160 zurück zum Inhaltsverzeichnis aaa 160

Ende