| Bald ist wieder Castor-Alarm. Voraussichtlich um den 7. November 2004
widerSetzen `04 Manchmal kann man darüber staunen, daß kleine Provinznester den Weg in die großen Geschichtsbücher finden. Denken wir an Bethlehem und Mekka, an das Neandertal, an den Teutoburger Wald. Wer hätte damals gedacht, daß man sich in hunderten und tausenden von Jahren noch an sie erinnert? Daß Schulkinder einmal diese Namen lernen müssen? Und was ist mit Gorleben? Woran wird man in 200 Jahren bei dem Namen Gorleben denken? Was werden dann die Geschichtsbücher über uns schreiben? Wird Gorleben ein Name des Untergangs oder ein Name des Aufbruchs sein? Wer heute an Gorleben denkt, dem kommt schon bald das Wort „Müll“ in den Sinn. Noch stehen uns die Müllskulpturen vor Augen, die für über eine Woche die Straße von Gedelitz besetzt hielten. Eine Armee aus Müll, bereit zum Angriff auf unsere Zivilisation. Unsere Kultur wird vom eigenen Müll bedroht. Wie wir mit diesem Müll umgehen, das wird immer mehr zu einer Kernfrage unserer Kultur. Besonders wenn es um eine Sorte von Dreck geht, die auch nach hunderttausenden von Jahren noch tödlich ist. Gegen radioaktiven Müll hilft keine Wasserspülung. Auch Mülltonnen, die auf Hochglanz poliert sind, machen den Dreck nicht harmlos. Die Parole „Aus den Augen – aus dem Sinn!“ schützt nicht vor Radioaktivität. Schon bald wird eine andere Armee von Müllmenschen die Straßen und Wälder unseres Landkreises füllen. Sie bringen zwölf gigantische Mülltonnen, die sie verharmlosend „Castor“ nennen. Bald schon werden Behörden und Minister über die „kriminelle Energie“ im Wendland sprechen – und wir hoffen sehr, daß sie damit das Zeug meinen, das in den Castormülltonnen steckt.
Was setzen wir dieser kriminellen Energie entgegen? Das beste, was wir haben. Uns selbst.
Der Umgang mit Müll ist eine Frage der Kultur. Die Frage lautet: Was will ich denen, die nach mir kommen, überliefern? Welche Spuren will ich in den paar Jahren, die mir vielleicht noch zum Leben bleiben, hinterlassen? Will ich meinen Kindern und Kindeskindern Dreck überliefern, tödlichen Abfall, einen Fluch für die nächsten Millionen Jahre? Oder will ich ihnen ein Beispiel von Mut, von Stolz, von Humor, von Würde geben? Also: Wir sehen uns beim nächsten Castor! Kümmern wir uns drum, daß die Geschichtsbücher etwas Hoffnungsvolles über Gorleben zu sagen haben!@
Wann? Falls der Castor-Zug Dannenberg erreichen sollte, wird es höchste Zeit zum Widersetzen.
WiderSetzen
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