| Energiekolonialismus ...
... am Beispiel: Ist der heutige Umgang mit Energieressourcen global betrachtet mit dem Kolonialismus vergangener Jahrhunderte vergleichbar? Derzeit versuchen einige wenige finanzstarke Energiekonzerne Herrschaft über bestimmte Ressourcen durchzusetzen, ohne dabei Rücksicht auf das Leben und die Gesundheit der Menschen zu nehmen, die in Gebieten leben, in denen die Ressourcen gewonnen werden sollen. Ist der Uranabbau mit dem Kolonialismus vergangener Jahrhunderte vergleichbar? Wie in den vergangenen Jahrhunderten unterdrücken Menschen andere, um an begehrte Rohstoffe zu kommen. Heute sind es jedoch nicht mehr direkt die Regierungen, die den Raubbau an den Menschen betreiben, aber sie unterstützen die Firmen des eigenen Landes dabei. So wurde z.B. von den unterschiedlichen Regierungen sehr viel Geld für das Auffinden der Uranlagerstätten ausgegeben. Und schauen wir, welcher Staat in welcher Region in den vergangenen Jahrhunderten Kolonien hatte, so ist auffallend oft zu beobachten, dass Firmen aus diesem Staat den Uranabbau betreiben, oder der Handel besonders mit Firmen dieses Staates stattfindet. Wobei es gleichzeitig immer stärker darauf hinausläuft, dass sich auf dem Weltmarkt wenige starke Firmen wie z.B. die zum Atomkonzern AREVA gehörende COGEMA behaupten. Ausbeutung geschah auch bei der Kolonisation früherer Jahrhunderte, Heute wird sie jedoch mit besseren technischen Hilfsmitteln vollzogen, die Ausbeuter sind zunehmend global agierende Konzerne. Uran wird hauptsächlich in 9 Regionen der Erde gewonnen: Kanada, Australien, Niger, Usbekistan, Namibia, Kasachstan, Rußland, USA und Südamerika. In fast allen diesen Gebieten ist die COGEMA am Uranabbau mitbeteiligt. Besonders aktiv ist der COGEMA gemeinsam mit der CAMECO derzeit in Kanada. Dort wird derzeit in Nordsaskatchewan von den beiden Konzernen ein neues Uranminenprojekt geplant, die Cigar Lake Mine. Die Betreiber hoffen, noch dieses Jahr die Abbaulizenz zu bekommen, um dann 2007 mit dem Abbau beginnen zu können. Durch den Betrieb dieser Minen sind im Norden Saskatchewans in der Vergangenheit großflächige Umweltzerstörungen entstanden; unter anderem ist 1984 an der Key Lake-Mine ein Damm gebrochen, und radioaktiv belastetes Wasser in den gleichnamigen See gelangt. Schon die Rückstände der bereits in Betrieb befindlichen Uranminen vergiften das Wasser der Seenreichen Landschaft und damit die Nahrungsgrundlagen für die dort lebenden Menschen.
In der Region lebt eine von der kanadischen Regierung wenig berücksichtigte indigene Bevölkerung, wie die Dene und Cree, (die Europäer würden sie "Indianer" nennen, sie selber nennen sich "First Nations") die als erste unter den Folgen der Wasser- und Bodenverseuchungen leiden muss. Schon seit über 15 Jahren sind bei den First Nations, welche um die Uranabbaugebiete Saskatchewans leben, besonders hohe Krebsraten bekannt, sowie eine Vielzahl von Fehlgeburten. Offizielle Studien hierzu jedoch gibt es nicht. Derzeit versuchen Menschen aus dem Widerstand von der ICUC, ehemalige Uranbergwerksarbeiter ausfindig zu machen, dabei handelt es sich insgesamt wohl um eine Zahl von mindestens 50.000, um etwas über deren Gesundheitszustand zu erkunden. Dies erweist sich als extrem schwierig, und die Behörden blocken alles mit Hinweis auf "Datenschutz" ab. Die indigene Bevölkerung verfügt formal über verschiedene Rechte, über die Siedlungen, nicht aber über die Nutzungsgebiete. Die Regierung beansprucht die gesamte Verfügungsgewalt über die Uranressourcen und will den First Nations weder Mitspracherechte noch eine wirtschaftliche Beteiligung an den Gewinnen zugestehen. Unterschiedliche Ansichten gibt es auch über die so genannten "Landrechte".
Nicht zuletzt birgt die Tatsache, dass die Provinz- und Bundesregierung durch Steuer- und Pachteinnahmen am Uranabbau verdient und dabei gleichzeitig die Genehmigungsbehörde darstellt, ein erhebliches Konfliktpotential und das Risiko, dass auch in Zukunft wieder wirtschaftliche Erwägungen der Regierungen höher gestellt werden, als das Schutzrecht der Menschen auf Gesundheit und Leben. Jede weitere Uranmine kann die durch den Uranabbau verursachten Probleme nur verschlimmern. Denn die zusätzliche Wasservergiftung und die Vergiftung von Nahrung wie Fisch, Wild, Früchten und Beeren, entziehen den Menschen weitere natürliche Lebensgrundlagen. So wird die Zerstörung einer eigenen Versorgung beschleunigt. Dies führt auch zu weitreichenden Änderungen des kulturellen und sozialen Zusammenlebens. Die Cigar Lake Mine ist jedoch für die beiden Konzerne COGEMA und CAMECO ein Hoffnungsträger für massive finanzielle Gewinne, denn das Uranerz hat hier einen weltweit sensationell hohen Urangehalt von durchschnittlich 19 Prozent, weswegen die Konzerne alles dransetzen, um möglichst noch dieses Jahr eine Genehmigung zu erhalten. In Kanada geht es jedoch um noch ein gutes dutzend Uranminen mehr, samt Produktionsstätten.
Beteiligung deutscher Firmen am Uranabbau in Kanada Die deutsche Firma Uranerzbergbau GmbH ist direkt am kanadischen Uranabbau beteiligt. Auch Stahlkonzern Thyssen sorgt für die Ausstattung der kanadischen Uranbergwerke mit schwerem Gerät. Über die deutsche in Frankfurt am Main sitzende Tochter der COGEMA, die Urangesellschaft mbH wird viel Uran aus Kanada an die AKW´s in der Bundesrepublik verkauft. Angereichert wird das Uran zum Beispiel bei der Firma Urenco im münsterländischen Gronau und im niederländischen Almelo. In den Urananreicherungsanlagen in Gronau und Almelo traten im Normalbetrieb keine stinkenden Abgase auf. Es fällt jedoch Abfall an, so genanntes "abgereichertes Uran". Diese Abfälle der Urananreicherungsanlagen der Urenco werden als "Wertstoff" deklariert nach Russland transportiert. Ob ein Teil davon auch für Munition aus abgereichertem Uran verwendet wird ist nicht bekannt. Die Folgen des Uranabbaus können wir auch in Deutschland sehen 2007 soll die Bundesgartenschau in Gera und Ronneburg stattfinden, auf Flächen, auf denen bis heute die Strahlenschutzverordnung der DDR gilt, weil die im Rest Deutschlands geltende Strahlenschutzverordnung dort nicht eingehalten werden kann. Die blumige Schau auf den "sanierten" WISMUT Uranabbauhalden soll die Last der Region aus den Köpfen verdrängen; aus dem Gestein weiterhin ausströmendes und für Menschen schädigendes Radongas lässt sich allerdings so leicht nicht beerdigen. Hier in der Bundesrepublik gibt es immer noch sehr viele Menschen, die an den Folgen des Uranabbaus bei der Wismut leiden und meist große Probleme haben, ihre Krebserkrankungen als Berufskrankheit anerkannt zu bekommen. Es gibt bereits mehr als 20.000 anerkannte Opfer des ostdeutschen Uranabbaus, rund 7.000 anerkannte Lungenkrebsfälle und sehr wahrscheinlich noch einmal so viele noch gar nicht erfasste Lungenkrebsfälle, schätzt der Atomopfer e.V., eine Vereinigung strahlenkranker Arbeiter, und fasst zusammen: "Wenn eine Energiegewinnung mit so vielen Opfern und soviel Leid verbunden ist, darf diese Energie mit Geld nicht mehr zu bezahlen sein und von sauber darf erst recht keine Rede sein."
Was kostet Leben? Wenn wir uns auf eine ökonomische Betrachtung einlassen, so sehen wir auf der einen Seite, dass auf die Regionen, in denen Uran abgebaut wird, Kosten in Form von zusätzlichen Krankheitsfällen, Folgekosten der Umweltbelastung und langfristig immer wieder notwendige Ausgaben für die Sanierung der Abbaugebiete zukommen. Uranabbau findet überwiegend in strukturschwachen Gebieten statt, die von ethnischen Minderheiten bewohnt werden. Die Einnahmen und Konzerngewinne, die mit dem Uranabbau erzielt werden können, fallen hingegen in den ohnehin privilegierten Städten oder Ländern an, in denen diese Konzerne angesiedelt sind. In den Bilanzen der Konzerne werden die mit dem Uranabbau verbundenen externen Kosten nicht berücksichtigt. Die Kosten zur Trinkwasserreinhaltung, oder gar die Folgekosten, wenn das Trinkwasser nicht gereinigt wird fallen, in den Abbaugebieten an. Hinzu kommen weitere Ausgaben, die anfallen werden, wenn die strahlenden Abraumhalden in Zukunft gesichert werden sollen. In den vielen Wirtschaftlichkeits- und Ökologiestudien, die sich nachdrücklich für die Atomenergie stark machen, wird der Uranerzabbau daher nicht ohne Grund außen vor gelassen. So entstehen große Teile der Gewinne in den ohnehin privilegierten Ländern, während ein großer Teil der langfristigen Kosten in den strukturschwachen Gebieten bleibt, in denen das Uranerz abgebaut wird. Dieser Effekt wird noch verstärkt werden, wenn beim Handel mit CO2-Zertifikaten jenen Ländern, in denen Uran abgebaut wird, die CO2-Emissionen zugerechnet werden, die beim Uranabbau anfallen, während jene Länder, in denen die Atomkraftwerke (AKW) stehen, CO2-Zertifikate verkaufen können. Auf diesem Weg holen sich die reichen Atomenergie-Länder einen Teil des Geldes, dass sie für ihren Uranhunger ausgeben oder bereits ausgegeben haben, in Zukunft wieder zurück. Nebenbei können sie so ihre CO2-Emissionsbilanzen reinwaschen.
Solidarität und Unterstützung, aber wie? Am Beispiel des Uranabbaus können wir sehr deutlich zeigen, dass die Atomspirale vom Anfang bis zum Ende Menschenleben in Frage stellt. Und es ist möglich, mit dem Thema eine größere Öffentlichkeit für die Probleme der Atomkraftnutzung zu sensibilisieren. Uranabbau findet nur da statt, wo wenige wissen, welche Gefahren vom Uranabbau ausgehen, und wo nur wenige sich gegen den Uranabbau wehren können. Ein wichtiges Mittel gegen Uranabbau ist daher, über die Folgen und Risiken zu informieren. Arbeitsuchende im Norden Saskatchewans, in Kasachstan oder Niger stehen jedoch möglicherweise vor einem Dilemma: sie können ihre Gesundheit ruinieren, um ihren "Lebensunterhalt" zu finanzieren - oder müssten auf dieses Arbeitsangebot verzichten. Möglicherweise ist dieses Dilemma, welches nur die Menschen haben, die in Gebieten leben, die arm und strukturschwach sind, auch ein wesentlicher Grund, warum die Konzerne, die Uran abbauen, ihre Aktivitäten im Wesentlichen in solchen Gebieten ausführen. Und auch umgekehrt, in Gebieten in denen die Menschen nicht wirklich auf jede Arbeit angewiesen sind, können nur jene Teile der Brennstoffspirale betrieben werden, die nicht "stinken" und deren vermeintliche Sicherheit einer reicheren Bevölkerung dann noch verkauft werden kann. Solange sich jedoch Menschen zufrieden geben, wenn der Uranabbau nicht im eigenen Dorf, sondern weit weit weg in einem fernen Land stattfindet, solange trägt lokaler Widerstand auch mit dazu bei, dass die "dreckigen" Teile der Brennstoffspirale eher in "Kolonien" und nicht mehr im Urlaubsparadies Schwarzwald stattfinden. So schön es auch ist, dass das Uran nicht mehr in der Wismut abgebaut wird, die Forderung sollte nicht heißen, stoppt den Uranabbau in der nächstgelegenen Uranmine, sondern stoppt den Uranabbau weltweit. Wir haben es allerdings weltweit mit mehreren hundert Uranminen zu tun, was den Widerstand erschwert, denn der Stillstand einer einzelnen Uranmine kann leicht kompensiert werden. Dagegen gibt es weltweit nur ca. 16 Urananreicherungsanlagen, ohne die kein Brennstoff für Atomkraftwerke produziert werden kann. Wenn es also gelänge, eine dieser Fabriken stillzulegen, dann könnte der Widerstand hier sehr großen Einfluss haben, denn alles Uran muss auf dem Weg zum Atomkraftwerk durch eine von diesen 16 Anlagen hindurch. Und zwei davon, die beiden oben schon erwähnten, Gronau und Almelo haben wir förmlich vor unserer Nase sitzen, und beide werden gerade dazu noch ausgebaut. Urantransportblockaden in diesem Jahr zeigen erfolgreiche Ansätze, dieses Nadelöhr der Atomspirale zu thematisieren. Wenn gleichzeitig an vielen lokalen Atomstandorten die weltweiten Probleme der Nuklearkonzernpolitik mit thematisiert werden, könnte der weitere Versuch der Atomindustrie, eine Renaissance der Atomkraftnutzung einzuläuten, ins Leere laufen. @
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