Plutonium aus dem Bundesbunker in Hanau
wird in Frankreichs WAA La Hague zu MOX verarbeitet

Agenturmeldungen vom 19. Juni 2004

Berlin/Hanau (AP) Plutonium, das derzeit noch in Hanau lagert, sollen nach dem Willen der Bundesregierung und des Stromkonzerns RWE für die Stromproduktion eingesetzt werden.

In Hanau liegt über eine Tonne Plutonium in staatlicher Verwahrung. Siemens will die Brennelementefabrik abbauen und verkaufen und hat deshalb dem Bund die Mietverträge für dessen Plutoniumbunker auf seinem Gelände bis 2005, spätestens bis 2008 gekündigt. Vor zwei Wochen hatte das Bundesamt für Strahlenschutz mitgeteilt, dass der Stromkonzern RWE und der Bund ihre Kernbrennstoffe in Frankreich zu Mischoxid-Brennelementen mit wesentlich geringerem Plutonium-Anteil umarbeiten lassen, die dann in Atomkraftwerken zur Stromerzeugung verwendet werden.

Dabei geht es einmal um den RWE-eigenen Brennstoff für den nie in Betrieb gegangenen Schnellen Brüter in Kalkar. Dazu kommt unbenutztes Material für einen mittlerweile stillgelegten Forschungsreaktor in Karlsruhe sowie eine geringe Menge Brennstoff, der bei einer illegalen Einfuhr beschlagnahmt worden war. Beides wird in Frankreich mit verarbeitet.

Die Umarbeitung des Kalkar-Materials in La Hague kostet den Angaben zufolge knapp 200 Millionen Euro. Knapp 40 Millionen Euro davon trägt der Bund aus alten Finanzierungszusagen für die Förderung des Schnellen Brüters. Weitere 35 Millionen Euro kostet die Mitnahme des Materials der Karlsruher und des Bundes.

Ohne die Beteiligung an der Verarbeitung des Kalkar-Materials würden bei einer weiteren Verwahrung in Hanau dem Bund für Zwischenlagerung, Konditionierung und Endlagerung Kosten von annähernd 200 Millionen Euro entstehen, erklärte das Umweltministerium: "Wir sparen somit 160 Millionen Euro." Es reagierte damit auf eine Meldung der "Bild"-Zeitung mit der Überschrift "Steuerzahler müssen für Atom-Müll zahlen". Die Verarbeitung des Plutoniums in Kraftwerken sei ohne Alternative und auch wirtschaftlich der günstigste Weg.

Unterdessen warnte der Bundesrechnungshof laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor einer Kostenlawine in Milliardenhöhe, die aus Trittins Konzept zur Entsorgung radioaktiver Abfälle in Endlagern entstehen könnte. So sei mehr als fünf Jahre nach der Umstellung des Entsorgungskonzepts auf die so genannte Ein-Endlager-Lösung nicht einmal ein Untersuchungsauftrag vergeben worden, in dem die Wirtschaftlichkeit mit der früher verfolgten Zweierlösung (Gorleben und Schacht Konrad) verglichen würde, zitiert die Zeitung aus einem Schreiben des Rechnungshofes an die Bundesregierung. Das Umweltministerium wies die Kritik dem Bericht zufolge als "weder sachgerecht noch nachvollziehbar" zurück.

Der Abtransport des Plutoniums mit Hilfe von Speziallastwagen soll am 1. Juli 2005 abgeschlossen sein. Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz lagern in Hanau derzeit 205 Brennelemente sowie 271 einzelne Brennstäbe, die ursprünglich für Kalkar bestimmt waren. Dazu kommen 729 Lagerstäbe mit dem Kernbrennstoff für einen Forschungsreaktor in Karlsruhe.

Der Schnelle Brüter war 1991 aufgegeben, die Karlsruher Anlage im gleichen Jahr abgeschaltet worden. Die Brennelemente für den Brüter enthalten rund 35 Prozent Plutonium. Die Aufarbeitung des Plutoniums sowie die anschließende Verarbeitung zu Mox-Brennelementen übernimmt nach Angaben des BfS der französische Atomkonzern Cogema in seinen Anlagen in La Hague und Marcoule.

RWE begrüßte in Essen die Einigung mit der Bundesregierung und dem Bundesamt für Strahlenschutz. Aus Sicht des Stromkonzerns handele es sich um eine sachgerechte und tragfähige Lösung. Dagegen zeigte sich die Umweltorganisation Greenpeace entsetzt: „Die jetzige Entscheidung zur Wiederaufarbeitung bedeutet, dass dieses Strahlenmaterial wieder in den Plutoniumkreislauf eingeschleust wird.“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sagte, die rot-grüne Bundesregierung habe versprochen, bis Ende 2005 aus der atomaren Wiederaufarbeitung auszusteigen: „Dieser Plan ist ein klarer Bruch bisheriger Zusagen.“ Dagegen begrüßten die hessischen Grünen die Einigung zwischen Bundesregierung und RWE als weiteren Schritt hin zum Atomausstieg.

„Der Plutoniumbunker in Hanau wird endgültig geräumt “, sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) in Berlin und bezeichnete das Vorhaben als einen „weiteren wichtigen Schritt zur endgültigen Beendigung der Atomenergienutzung in Deutschland.“ Es habe keine Alternative zum Einsatz des Plutoniums in Mox-Brennelementen gegeben, sagte Trittin. Eine direkte Endlagerung sei derzeit technisch unmöglich.

"Die Bundesregierung hält Wort. Wir erfüllen die Zusage, dass der Plutoniumbunker abgerissen werden kann", betonte Trittin. Es gebe keine Zusammenhang zwischen dem von Siemens angestrebten Verkauf seiner Hanauer Brennelementfabrik und dem RWE beziehungsweise dem Bund gehörenden Plutonium. Der Lieferantrag liegt seit Monaten auf Eis. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte auch am Mittwoch wieder, es gebe keinen neuen Stand. Die Prüfung dauere an.@

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