Nachhaltig mit Atomenergie Strom erzeugen?

Eine pro-atom-Antwort an das Umweltbundesamt

von framatom anp GmbH
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Das Umweltbundesamt (UBA) behauptet im Jahresbericht 2002 und in einem aktuellen Gutachten zur "Anforderung an die zukünftige Energieversorgung…", dass Kernkraftwerke nicht den "… Ziele(n) einer nachhaltigen Energienutzung im Stromsektor entsprechen".

Ob die friedliche Nutzung der Kernenergie mit dem Konzept einer nachhaltigen Entwicklung vereinbar ist, entspricht der Frage nach der dauerhaften Verantwortbarkeit der Kernenergie. Es lohnt sich daher, die Stichhaltigkeit der Begründungen zu prüfen, die das UBA angibt.


UBA macht den Umweltschutz zum wichtigsten Kriterium der Stromerzeugung

In der Reihenfolge der Wichtigkeit formuliert das UBA folgende drei Ziele, um zu beurteilen, inwieweit eine Technologie zur Stromerzeugung nachhaltig genannt werden kann:

  1. "Der Klimaschutz ist das herausragende Ziel…, denn die durch Treibhausgase verursachte Änderung des Klimasystems ist eines der drängendsten Umweltprobleme."

  2. "Das zweite wichtige Ziel ist die generelle Risikominimierung für die menschliche Gesundheit und die Umweltmedien. Betrachtet man unter diesem Blickwinkel die Kernenergie, so wird deutlich, dass sie nicht den Anforderungen einer nachhaltigen Energienutzung entspricht."

  3. "Das weitere wichtige Ziel ist die Ressourcenschonung…" Das politisch Neue und Konsensfördernde einer auf nachhaltige Entwicklung ausgerichteten Gesellschaft ist die gleichwertige Bedeutung von Umwelt, Wirtschaft und sozialer Gerechtigkeit. Eine Politik der Nachhaltigkeit muss eine Politik des Abwägens sein. Es ist daher erforderlich, alle drei Aspekte in die Güterabwägung mit einzubeziehen. Die allein auf Risikominimierung abgestellte Begründung des UBA gegen die Kernenergie greift zu kurz, da die gleichrangigen ökonomischen und sozialen Aspekte nicht gewürdigt werden und der substantielle Beitrag der Kernenergie für den Klimaschutz weder qualitativ noch quantitativ berücksichtigt wird.

 
 
 


Beitrag der Kernenergie zu den drei vom UBA genannten Zielen
ad 1. Klimaschutz ohne Kernenergie ist unwirtschaftlich und ineffizient

Die 18 deutschen Kernkraftwerke vermeiden jährlich mehr CO2, als durch den gesamten Autoverkehr in Deutschland emittiert wird. Strom aus Kernenergie wird, wie der aus regenerativen Energien, praktisch CO2-frei erzeugt. Die mit der Förderung, der Anreicherung und dem Transport von Uran verbundenen CO2-Emissionen fallen im Vergleich zur erzeugten Menge Strom praktisch nicht ins Gewicht. Studien zeigen, dass die Emissionen bei Windkraft und Kernenergie vergleichbar niedrig, bei 0,3 g CO2/kWh, liegen. Kernenergie erspart in Deutschland ca. 60 bis 190 Mio. t CO2 (je nachdem, ob man mit der Stromerzeugung aus importiertem Erdgas oder aus heimischer Braunkohle vergleicht). Das BMU geht bei Windenergieanlagen (WEA) von 1,2 g CO2- Äquiv/kWh aus. Damit erfüllt die Stromerzeugung aus Kernenergie in besonderer Weise das für das UBA herausragende Klimaschutzziel. Das UBA stellte zu Recht fest, dass in der Gesamtheit aller Treibhausgas-Emissionen pro erzeugter kWh elektrischen Stroms (g CO2-Äquiv/kWh), Deutschland "relativ ungünstig im Vergleich mit dem Strommix anderer europäischer Länder und dem gesamten EU-Mix" abschneidet.

Frankreich liegt bei weniger als einem Sechstel der deutschen Emissionen. Dies ist auf den hohen Anteil der Kernenergie (77%) und Wasserkraft (12%) an seiner Stromerzeugung zurückzuführen. Schweden und die Schweiz nutzen fast nur Kernenergie und Wasserkraft, Norwegen praktisch nur Wasserkraft. Schlechter als Deutschland schneiden in diesem Vergleich nur noch Griechenland, Irland und das Kohle- und Windland Dänemark ab. Selbst das UBA-Stromerzeugungsszenario für 2050 (Erdgas und regenerative Stromerzeugung) würde mit rund 200 g CO2-Äquiv/kWh noch über den Werten der heutigen europäischen Spitzenreiter liegen. Das UBA und die Bundesregierung sehen für das Jahr 2020 eine CO2-freie Stromproduktion von 50 Mrd. kWh aus Windkraft vor (das entspricht knapp einem Drittel des heutigen Kernenergiestroms). 2002: Die 12 000 MW installierte Leistung der Windenergieanlagen produzierten 17 Mrd. kWh Die 21 300 MW installierte Leistung der Kernkraftwerke produzierten 162 Mrd. kWh Eine überschlägige Berechnung ergibt, dass dazu weitere 4700 Windenergieanlagen (WEA) zu je 5 MW gebaut und ca. 33 Mrd. Euro an Investitionen aufgewendet werden müssen. Besser geht es gemeinsam mit Kernenergie: Im Mix von Kernenergie und Windkraft ließe sich das Ziel, 50 Mrd. kWh Strom CO2-frei zu erzeugen, zu einem Bruchteil der Investitionskosten eines reinen Windkraftszenarios erreichen. Eine Modellrechnung mit vereinfachten Annahmen ergibt, dass nur ein Drittel des Kapitals aufgewandt werden muss und zudem der Strom zu etwa den halben Kosten erzeugt wird.

Damit entspricht die Kernenergie sowohl dem Kriterium des Klimaschutzes in hervorragender Weise, als auch den ökonomischen Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung. Gegen eine "Nur-Windenergie-Strategie" spricht auch folgender Sachverhalt: WEA erreichen an Land eine durchschnittliche jährliche Verfügbarkeit von 20% (Istwert 2002: 16%). In der Praxis bedeutet dies, dass ein Windkraftwerks-"Park" mit 1000 MW (Investition 1,4 Mrd. Euro) zusammen mit einem Wärmekraftwerk gleicher Leistung (fossil oder nuklear betrieben; Investition 0,8 bis 1,9 Mrd. Euro) betrieben werden muss, um den Strombedarf jederzeit zu decken. Das Kraftwerk produziert im Jahresmittel rund 80% des benötigten Stroms. Das "Reserve"-Kraftwerk gleicht die Windschwankungen aus. Im Mix von Kernenergie und Windkraft kostet der Strom 4,6 statt 9 Euro-cts/kWh wie bei einer reinen Windenergiestrategie. Die Versorgungsunternehmen beziffern die Zusatzkosten für Reservekraftwerke und Übertragungsleitungen heute schon auf mehrere 100 Mio. Euro jährlich. Ob die höheren Investitionskosten für Offshore-Anlagen mit einer besseren Verfügbarkeit ausgeglichen werden können, ist strittig.
 

ad 2. Technischer Fortschritt führt zu Risikominimierung

Ein Abteilungsleiter aus dem Bundesumweltministerium schrieb 2002 zum Ausstieg aus der Kernenergie: "Die Gründe liegen…in der …Möglichkeit schwerer Unfälle…und der notwendigen Befriedung eines tief greifenden gesellschaftlichen Konfliktes…" [10]. Das Risiko eines schweren Unfalls ist bei den bestehenden Anlagen durch deren kontinuierliche Anpassung an den fortschreitenden Stand von Wissenschaft und Technik immer geringer geworden. Anlagen der 3. Generation, wie der SWR 1000 und der von Finnland in Auftrag gegebene EPR der Framatome ANP, bieten eine neue Sicherheitsqualität und senken das Risiko bei verbesserter Wirtschaftlichkeit weiter ab. Die Argumente der 70er und 80er Jahre für den öffentlichen Protest, den die Regierung als "tief greifenden gesellschaftlichen Konflikt" bezeichnet, haben seit Jahren kontinuierlich an Bedeutung verloren und sind weitgehend ausgeräumt.

Forschung:
Nachhaltige Entwicklung
und Risikominimierung

1987 formulierte die UNO im ‚Brundlandt-Bericht': "Die Menschheit ist einer nachhaltigen Entwicklung fähig - sie kann gewährleisten, dass die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu beeinträchtigen.". Eine Politik der nachhaltigen Entwicklung ist dann zukunftsfähig, wenn die Möglichkeiten und Grenzen der Techniken erforscht werden. Der gesellschaftspolitisch begründete Ausstieg aus der Kernenergie- und Fusionsforschung sind der falsche Weg. Sie kommen einem Denkverbot gleich. Unabhängige und ergebnisoffene Forschungen führen zu Risikominimierung und zu mehr Sicherheit nicht nur in der Kerntechnik.

Unfälle: Was wir daraus lernen

Das BMU stellte 2002 fest, dass die Kernenergienutzung ein nicht vertretbares Risiko sei, dass es aber andere technische bedingte Gefahren und Risiken gebe, die vertretbar seien. Es nennt hier ausdrücklich "relativ häufig vorkommende Unfälle mit jeweils wenigen Betroffenen" in der konventionellen Energietechnik. Die jährlich weltweit Tausenden von Verletzten und Toten beim Abbau von Kohle, Gas und Öl wiegen nach Ansicht der Verfasser im BMU, wegen des Gewöhnungseffektes, weniger schwer als die - in Jahrzehnten wenigen - Opfer der zivilen Kerntechnik in der westlichen Welt.

Die bekanntesten "Unfälle vom Ausmaß technischer Großkatastrophen" mit einer Vielzahl von Toten, Verletzten und großem wirtschaftlichem Schaden waren der in der Chemiefabrik Bhopal (1984) in Indien und der des RBMK-Reaktors Tschernobyl (1986) in der Ukraine (damals Sowjetunion). Das Unglück in Indien ereignete sich in einer Fabrik, bei der billigste Produktionsbedingungen ausschlaggebend waren. Tschernobyl fand in einem Land statt, in dem politische Vorgaben vor Sicherheit standen. Für einen sicheren Betrieb technischer Anlagen ist aber hohes Verantwortungsbewusstsein der Hersteller und Betreiber zusammen mit unabhängigen Gutachtern eine Voraussetzung.

Die Sicherheit der Kraftwerke steigt mit der zunehmenden Betriebserfahrung. Denn die fließt in Verbesserungen der Anlagentechnik und Überwachungskonzepte ein. Sie ist Grundlage für die Entwicklung der Kraftwerke der 3. Generation, zu denen EPR und SWR 1000 gehören, die eine neue Sicherheitsqualität markieren. So verfügte die westliche Welt 1979 (als es im Kernkraftwerk Harrisburg, USA, zur teilweisen Kernschmelze kam) über die Betriebserfahrung aus 400 Reaktorjahren in Großkraftwerken. Heute sind es in den westlichen Staaten über 5000, ohne dass es zu einem ähnlich schweren Unfall gekommen ist. Durch gute Ausbildung und Pflege der Sicherheitskultur des Personals von Betreibern, Behörden und Gutachtern lässt sich das Risiko der Kernenergienutzung auf dem heutigen niedrigen Niveau halten. Durch weitere kerntechnische Forschung und Entwicklung kann es in Zukunft weiter abgesenkt werden.

Proliferation: Der Missbrauch ist
politisch zu bekämpfen

Atombomben werden seit über 60 Jahren entwickelt und gebaut. Über 2.500 Bomben wurden weltweit ober- und unterirdisch gezündet. Es ist eine "alte" Technik. Die jungen Atomwaffenstaaten wie Indien und Pakistan, und Länder, die im Verdacht stehen, das Know-how zum Bombenbau zu besitzen, haben sich dies ohne Rückgriff auf die zivile Nutzung der Kernenergie selbst erarbeitet oder illegal beschafft. Der Bau und der Einsatz der Bomben kann nur mit politischen Mitteln verhindert werden. UNO und IAEA sind die Organisationen, die das durchsetzen können und gestärkt werden müssen. Verzicht auf zivile Nutzung der Kernenergie ist kein Schutz gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen.

Endlager: Die Lagerung der radioaktiven Abfälle ist lösbar

Die Endlagerung der radioaktiven Abfälle ist technisch machbar. Die Biosphäre wird sicher geschützt. Dies hat eine Studie des u.a. mit regierungsnahen kernenergiekritischen Wissenschaftlern besetzten Arbeitskreises "Auswahlverfahren Endlagerstandorte" (AkEnd) 2002 bestätigt. Die Studie wird seither von der Bundesregierung ohne erkennbaren Fortschritt geprüft.

Seit über 30 Jahren wird an den wissenschaftlichen, technischen und praktischen Voraussetzungen zur Endlagerung gearbeitet. Ein betriebsbereites Endlager für schwach- und mittelaktive Abfälle (Konrad) steht technisch zur Verfügung. Der 2001 ergangene Planfeststellungsbeschluss wird jedoch beklagt und ist deshalb noch nicht vollziehbar. Dass es auch anders geht, nämlich pragmatisch, sicherheitsorientiert und kostenbewusst, zeigen in Europa Schweden und Finnland.
 

ad 3. Die Nutzung der Kernenergie ist Ressourcenschonung

Die Ressourcenschonung ist wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Energiepolitik; sie liegt im Interesse besserer Entwicklungsmöglichkeiten der Dritten Welt und kommender Generationen. Sie sollte nicht als Verzicht auf jede Nutzung der vorhandenen Ressourcen missverstanden werden, sondern als Aufforderung zu einem sinnvollen Umgang. Die Nutzung des Urans als Kernbrennstoff verbreitert die Rohstoffbasis und schont die begrenzten Ressourcen der fossilen Energieträger. In den Reaktoren wird aus physikalischen Gründen, nur etwa ein Prozent des Urans tatsächlich verbraucht; 99% bleiben für weitere Nutzungen verfügbar. Zurzeit wird die Hälfte des benötigten Kernbrennstoffs aus militärischen Vorräten entnommen und so ein substantieller Beitrag zur atomaren Abrüstung geleistet. Bereits bekannte Techniken (Brüter) können zur Marktreife entwickelt werden und die Reichweite der Kernbrennstoffe vervielfachen, wenn sich dies eines Tages als notwendig erweist. Kernenergie ermöglicht Klimaschutz und zugleich preiswerte und wettbewerbsfähige Stromproduktion mit einem sehr geringen Ressourcenverbrauch.


Fazit: Die Kernenergie trägt zur nachhaltigen Entwicklung bei

Stromerzeugung ist kein Selbstzweck. Strom aus Wind und Sonne wird erzeugt, wenn es das Wetter zulässt. Andere Energieträger - wie Uran, Kohle, Gas… - erzeugen Strom, wenn Bedarf besteht. Insoweit greift auch die rein energetische Betrachtung des UBA viel zu kurz. Elektrizität ist einer der Grundsteine eines Industriestaates und ein wesentlicher Beitrag zur Lebensqualität seiner Bürger. Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Bezahlbarkeit des Stroms sind unverzichtbar für industriellen Fortschritt, Arbeitsplätze, und damit sozialen Frieden. Die Forderungen des UBA/BMU zur Risikominimierung wird von der Kernenergie ebenso erfüllt wie die Kriterien Klimaschutz und Ressourcenschonung. Die deutsche kerntechnische Industrie hat zusammen mit Wissenschaftlern, Betreibern, Gutachtern und Behörden die Sicherheit der bestehenden Anlagen vorangetrieben. Die Kraftwerke der 3. Generation der Framatome ANP, SWR1000 und EPR, sind ein wichtiger Schritt zu noch sichereren und wirtschaftlicheren Anlagen.

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Kernenergie kann wieder erreicht werden, wenn der politische Wille dazu besteht und die energiepolitische Situation Weichenstellungen erforderlich macht. Die Argumente der 70er und 80er Jahre gegen die Kernenergie haben sich weitgehend überholt. Heute steht mit der Kernenergie eine risikoarme, den Bedürfnissen und Randbedingungen der globalisierten Wirtschaft angemessene und zudem auch noch umweltschonende Stromerzeugung für die Industrieländer zur Verfügung. Dies zeigt nicht zuletzt die aktuelle Entscheidung Finnlands für den Bau eines EPR.@

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