| ILK-Stellungnahme zur Nachhaltigkeit am 23. Juni 04 in München
Ideologie Welche Technologien zur Stromerzeugung dürfen für sich in Anspruch nehmen, zu einer nachhaltigen Energieversorgung beizutragen, und gehört die Kernenergie dazu? Welche wissenschaftlich fundierte Methode ist anzuwenden, um eine tragfähige Antwort auf diese Frage zu erhalten? Wie lässt sich Nachhaltigkeit überhaupt beurteilen? Mit diesen aktuellen und für die Klimaschutz- und Energiepolitik der Zukunft sehr wichtigen Fragen hat sich die Internationale Länderkommission Kerntechnik (ILK) intensiv beschäftigt. Besonderen Wert legten die unabhängigen Experten der ILK aus dem In- und Ausland dabei auf methodische Transparenz sowie die Berücksichtigung aller drei Säulen nachhaltiger Entwicklung, nämlich ökonomischer, ökologischer und gesellschaftlicher Aspekte. Als Ergebnis ihrer Beratungen hat die ILK eine „Stellungnahme zur Bewertung der Nachhaltigkeit der Kernenergie und anderer Technologien zur Stromerzeugung“ verfasst. Diese ILK-Stellungnahme wurde einem interessierten Personenkreis aus Wissenschaft, Politik, Industrie und Medien am 23. Juni 2004 im Deutschen Museum in München vorgestellt. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden der ILK, Dr. Prêtre, ging der Bayerische Staatsminister Dr. Schnappauf auf die politische Brisanz des Themas „Nachhaltigkeit der Energieversorgung“ ein und unterstrich dabei die Notwendigkeit, die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit der Stromversorgung ideologiefrei und wissenschaftlich fundiert zu behandeln. Als nächstes erläuterte Prof. Dr. Kröger, ETH Zürich und Mitglied der ILK, die vorgestellte Methodik, die gleichermaßen die drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und Sozialverträglichkeit – berücksichtigt. Zum Abschluss seiner Ausführungen betonte Prof. Kröger, dass es das Ziel der ILK sei, mit diesem Vorschlag eine breite und sachliche Diskussion über die Bewertung der verschiedenen Energieträger auszulösen. Die anschließende Diskussion lieferte erste Ansätze für die erforderliche weitere fachliche Behandlung dieser Thematik – wie z.B. die Notwendigkeit der Anwendung dieser Methodik auf aktuelle und zukünftige Energiesysteme. @ Wissenschaft oder Propaganda? Heute stellt Bayerns Umweltminister Schnappauf im Deutschen Museum eine von ihm vorgeschlagene Stellungnahme der ILK ( = Internationale Länder Kommission Kerntechnik; Sitz beim LfU in Augsburg: ein Gremium, das von den Ländern Bayern, Baden-Württemberg und Hessen als contrapart zur RSK eingerichtet wurde und finanziert wird) zur Nachhaltigkeit verschiedener Energietechniken vor. Als Vorsitzender der Umweltgruppe, die gegen das in Gundremmingen beantragte größte Atommüll-Lager Deutschlands streitet und für eine atomfreie und klimaunschädliche Energiewirtschaft arbeitet und dabei zur größten Anti-Atom-Initiative Süddeutschlands geworden ist (in zwei Jahren über 500 Mitglieder; darunter sechs Kommunen) nehme ich Stellung: Diese von Bayerns Umweltminister vorgeschlagene und im Internet einsehbare Stellungnahme der ILK hat unfaßbare Qualitätsmängel. So werden beim wirtschaftlichen Vergleich der verschiedenen Energietechniken z.B. sowohl die ca. 40 Milliarden Mark deutschen Staatszuschüsse an die Atomtechnik unberücksichtigt gelassen als auch die Baukosten der überwiegend abgeschriebenen Atomkraftwerke außer Betracht gelassen. Auch die Folgekosten für die Haftung nach großen Unfällen, wurden nicht einkalkuliert. Beim Umweltvergleich werden in der Kategorie Abfall das Gewicht des Mülls miteinander in Beziehung gesetzt. Als wenn eine Tonne abgebrannter Brennelemente, die etwa 1 Million Jahre tödlich strahlen wird, gleich zusetzen wäre mit einer Tonne Asche eines Kohlenkraftwerks. Wer solche Maßstäbe verwendet und dann mit tollen mathematischen Verfahren Äpfel mit Birnen vergleicht, kann für sich nicht die Qualitätsstufe „wissenschaftlich“ reklamieren. Als Grundlage für politische Entscheidungen ist dies völlig untauglich. Und es ist empörend, daß diese Scheinwissenschaft auch noch mit unseren Steuergeldern bezahlt wird. Da ist ein Griff ins Bücherregal sinnvoller. Im Jahre 1997 veröffentlichte das Umweltbundesamt seine Studie „Nachhaltiges Deutschland“. Bundesministerin für Umwelt war damals Frau Dr. Merkel. In dieser Studie heißt es auf Seite 51: „Es ist jedoch festzustellen, daß auch die Kernenergienutzung nicht den Handlungsmaximen einer nachhaltigen Entwicklung entspricht: Uran ist ein endlicher geologischer Energieträger, der grundsätzlich nicht regenerationsfähig ist. (...) Auf allen Stufen des kerntechnischen Brennstoffkreislaufs werden radioaktive Stoffe emittiert, die lange Zeit in der Umwelt verbleiben. ... Vor allem von einem Unfall mit Kernschmelze würden erhebliche Gefahren und Risiken für die menschliche Gesundheit ausgehen. (...) (...) Zur Erreichung des Klimaschutzziels ist die Kernenergie auf Dauer nicht notwendig. Ein Ausbau der Kernenergie dürfte hingegen gerade die angebotsorientierten Strukturen unserer Energiewirtschaft stabilisieren, die ein Haupthemmnis für die zur Erreichung des Klimaschutzzieles unabdingbare Effizienzverbesserung darstellen.“ @
Raimund Kamm (Vorsitzender)
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