| Der Euroreaktor EPR - eine Gefahr für Mensch und Umwelt
Zehnmal sicherer als 100 % sicher „Der EPR ist zehn mal sicherer, als die herkömmlichen Atomkraftwerke“ sagt die konservative französische Industrieministerin Fontaine. „Das klingt doch recht erstaunlich“, meint BUND-Geschäftsführer Axel Mayer. Wurde uns nicht jahrzehntelang eingetrichtert, die bisherigen AKW`s seien zu hundert Prozent sicher? Während die Umweltbewegung in Deutschland, eingeschläfert vom so genannten Atomausstieg, auf die Abschaltung der Atomanlagen setzt, bereiten im Hintergrund die Atomkonzerne EnBW, RWE, Eon, Vattenfall, EDF, Siemens und Areva die Durchsetzung neuer Atomkraftwerke in Europa vor. Die Planung des Euroreaktors wird von der EDF und der EnBW mit unseren Stromgeldern finanziert, solange wir dort Strom beziehen. Gebaut werden soll er von Siemens und Areva. „Wenn die französische Regierung sich Anfang 2004 für die Neuentwicklung des deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmens Areva entscheidet, könnte der Europäische Druckwasserreaktor EPR 2010 in Betrieb genommen werden“, sagte die französische Industrieministerin Nicole Fontaine am 7.11.2003 in Paris.
Die neuen sanften Durchsetzungsstrategien für den Euroreaktor Ab 2005 muss in Europa ein Großteil der konventionellen Kraftwerke ersetzt werden. Siemens und Areva sind daran interessiert, den Fuß auf dem weltweiten Nuklearmarkt in der Tür zu halten; es geht bei dem EPR nicht nur um einen Reaktor in Frankreich, sondern um ein vorzeigbares Referenzmodell für den Weltmarkt. Die Atomlobby hat aus ihren Niederlagen in Wyhl, Kaiseraugst, Gerstheim, Wackersdorf und Zwentendorf gelernt. Die alten Fehler werden nicht wiederholt. So läuft zur Zeit europaweit eine geschickte Akzeptanzkampagene für den „neuen, sicheren, umweltfreundlichen und nachhaltigen“ Euroreaktor an. Die „nachhaltige, klimafreundliche Kernenergie“ ist das Motto der anlaufenden millionenschweren Werbeaktion. Ausgerechnet die Energiekonzerne, denen die Umweltbewegung in jahrelangen Auseinandersetzungen Entstickungs- und Entschwefelungsanlagen für ihre veralteten Kohlekraftwerke aufzwingen musste, versuchen nun vorgeschobene Klimaargumente für die Atomenergie zu nutzen. Auch der Versuch, über den Konflikt um die Windenergienutzung, die Umweltbewegung zu spalten geht in diese Richtung. Die Erinnerungen an die Reaktorunfälle in Tschernobyl (Ukraine), Harrisburg (USA) und Lucens (Schweiz) wurden erfolgreich verdrängt. Standorte für die ersten Euroreaktoren könnten in Finnland und in Penly am französischen Ärmelkanal liegen. Gesucht werden Standorte, an denen mit einem geringen politischen Widerstand gerechnet wird. In einem kleinen Land wie Finnland kommt Geld, Macht und der Einfluß der Atomlobby voll zur Geltung. Es geht darum, an der schwächsten europäischen Stelle den Damm zu brechen, um dann auf den europäischen Neideffekt zu setzen. Lieber ein schlechtes AKW in Deutschland oder Frankreich als ein genau so unsicheres Atomkraftwerk beim europäischen Nachbarn in Finnland... ist das Motto, das geschickt an nationale Egoismen anknüpft. Auch so kann Globalisierung aussehen. Letztendlich sollen aber die altersschwachen französischen AKW`s ersetzt werden und in Deutschland hofft die Atomindustrie auf einen Regierungswechsel und auf die Atomparteien in Wartestellung. Es ist weltweit erstaunlich, dass es auffallend häufig konservative Parteien sind, die gegen Mensch, Natur und Umwelt agieren. Auch Fessenheim (F) könnte Standort für die neuen Reaktoren werden, denn das bestehende Kernkraftwerk ist das älteste in Frankreich, und zwei neue Reaktoren passen in den jetzt schon existierenden „Zaun“. Dies erklärt auch die psychohygienischen Maßnahmen der Fessenheim-Betreiber im Jahr 2003. Dazu zählen die Großanzeigen in den regionalen Zeitungen, der Versuch sich mit einem zweifelhaften Umweltzertifikat (ISO 14001) zu schmücken und die Gründung des atomaren Umweltclubs „Au fil du Rhin“. Gegen den Standort Fessenheim spricht die potentielle Erdbebengefahr und der in dieser Region zu erwartende massive Widerstand der Bevölkerung auf beiden Rheinseiten.
Die Gefahren des Euroreaktors
„Die wesentliche Neuentwicklung des Europäischen Druckwasser-Reaktors ist ein Auffangbecken, in das - im Falle einer Kernschmelze - diese abfließen und gekühlt werden soll. Die IPPNW hält auch dieses zentrale Sicherheitssystem für nicht überzeugend. Einerseits müsste das Becken absolut trocken sein wenn sich die Schmelze darin ausbreiten soll, weil es sonst zu gefährlichen Dampfexplosionen kommen könnte. Andererseits müsste zur Kühlung der Kernschmelze diese anschließend gezielt mit Wasser bedeckt werden, was aber die gefürchteten Dampfexplosionen geradezu herbeiführen kann.“ (Zitat IPPNW)
„Aus der Vergangenheit, dem Export eines AKW an den Irak, werden keine Lehren gezogen“, meint Jean-Jacques Rettig vom französischen Umweltverband CSFR. „Wer AKW’s betreibt, kann auch Atombomben bauen. So gefährden EDF, EnBW, Siemens und Areva für kurzfristige Gewinne den Weltfrieden“. Die Planungen für den EPR begannen lange vor dem 11. September 2001. Einem jederzeit möglichen Terroranschlag könnten sie nicht standhalten. Ein Terroranschlag oder ein Reaktorunfall könnten große Teile Zentraleuropas dauerhaft unbewohnbar machen.
„Siemens und Areva versuchten auf der Basis des ökonomisch Machbaren eine Lösung gegen die Gefahr eines Super-GAU’s (schwerer Kernschmelzunfall mit massiver Freisetzung von Radioaktivität)zu finden; doch keine der geplanten technischen Vorkehrungen kann als ‘Lösung’ bezeichnet werden: So sind die Sicherheitsvorkehrungen innerhalb des EPR gegen eine unkontrollierte Kernschmelze allesamt auf ‘Niederdruckkernschmelzen’ ausgelegt. Ihre Funktionsfähigkeit ist sehr umstritten“. (Zitat Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz - BBU) Was tun? Engagement ist nötig. Der Kampagne der Betreiber muss Widerstand entgegengesetzt werden. Immer noch kaufen Millionen von umweltbewußten Menschen Produkte bei Siemens. Viele beziehen ihren Strom bei Atomkonzernen wie Eon, EnBW, RWE, Vattenfall, oder deren so genannten, „Umwelttöchtern“. Das könnte sich bei der Einführung des Euroreaktors ändern, denn es gibt häufig günstigere atomstromfreie Alternativen wie zum Beispiel die Elektrizitätswerke Schönau. Gewaltfreier Widerstand heißt aber immer auch Druck an den möglichen Standorten, Widerstand in Gorleben und Druck auf die Atomparteien und die verschlafenen Regierungsparteien in Deutschland. Grenzüberschreitende Aktionen und Zusammenarbeit sind nötiger denn je. Es gilt aber auch, die Alternativen zu den rückwärts gewandten Projekten der Atomindustrie aufzuzeigen. Eine zukunftsfähige, nachhaltige und klimafreundliche Energiepolitik muss auf einer Kombination aus Dezentralität, Kraft-, Wärmekopplung, regenerativen Energiequellen und Energiesparen bestehen. Ohne eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete weltweite Wirtschaftspolitik, werden wir diesen Planeten aber mit und ohne Atomenergie gegen die Wand fahren. Mit den Euroreaktoren geht das dann nur ein wenig schneller.@ Noch mehr ausführliche Informationen zum Thema EPR:
Das Projekt European Pressurized Water Reactor EPR und die heutigen Anforderungen an die Sicherheit von Atomkraftwerken aus dem Buch „Atomkraftwerke - unsicher und grundrechtswidrig“ der Bürgerinitiative Umweltschutz e.V. BIU Hannover Ende |