| 12 neue dezentrale Castor-Lager lassen die Atomkonzerne jubeln
Dezentrale Castor-Lager von Raimund KammIm vergangenen Dezember werden in den Zentralen von RWE, EON, EnBW und Vattenfall nicht nur bei den Weihnachtsfeiern die Sektkorken geknallt haben. SPD & GRÜNE hatten den Atomkonzernen geholfen das eigentlich unlösbare Atommüllproblem erneut zu vertagen. Mit den drei am 19.12 ausgesprochenen Genehmigungen für neue Atommüll-Lager in Gundremmingen, Krümmel und Philippsburg sind jetzt alle beantragten zwölf neuen Zwischenlager genehmigt worden. Erfreulicherweise wird jedoch an wenigstens fünf Standorten mit Klagen von Nachbarn versucht, die Unrechtmäßigkeit dieser uns bedrohenden Atomanlagen festzustellen und dabei auch die wirkliche Lösung des Atommüllproblems einzufordern. Atommüllproduktion geht weiter, ohne daß die Entsorgungsfrage gelöst ist Erst mal freuen sich aber die Atomkonzerne riesig, denn in diesen neuen Castor-Lagern können sie den in den nächsten 25 - 40 Jahren von ihnen erzeugten Atommüll parken. Unverantwortlich produzieren sie so den über 1.000.000 Jahre tödlich strahlenden Müll weiter, ohne daß eine sichere Endlagerung auch nur in Sicht ist. Man muß in Erinnerung rufen, daß im September 1977 alle damaligen deutschen Regierungschefs gemeinsam mit Bundeskanzler Schmidt den Grundsatz bekräftigt haben, „daß die sichere Gewährleistung der Entsorgung der Kernkraftwerke eine der unabdingbaren Voraussetzungen für die weitere Nutzung der Kernenergie bildet.“ Entsorgung wurde wenige Jahre später als „sichere Endbeseitigung“ definiert. (Broschüre der deutschen Bundesregierung: Wohin mit dem nuklearen Abfall?“, Seite 76, Oktober 1983) Dieser Skandal, daß seit Jahrzehnten die Lösung der Atommüllfrage zwar versprochen aber nicht verwirklicht wird und RWE & Co dennoch weiter Atommüll produzieren, ist unserer Gesellschaft nicht bewußt. Auch die politisch Verantwortlichen ziehen angesichts des jahrzehntelangen Misserfolgs bei der Lösung des Atommüllproblems nicht die notwendigen Konsequenzen. Längst müßten sie den Atommüll-Offenbarungseid leisten und den Bürgerinnen und Bürgern sagen, daß niemand eine sichere Verwahrung dieses Todesmülls für 1 Million Jahre garantieren kann. Weder in Deutschland noch in irgendeinem anderen Land der Erde. Und dann wäre eine Wende zu einer weniger gefährlichen und weniger die Lebensgrundlagen unserer Nachkommen vergiftenden Energiewirtschaft endlich möglich! Hochrisikoparkplätze für 1440 Castoren Die zwölf neuen dezentralen Zwischenlager bieten Platz für zusätzlich 14.025 Tonnen verstrahlter Brennelemente in 1440 Castoren. Damit wird unter Rot-Grün die Kapazität für die Zwischenlagerung in Castoren verdreifacht. Südlich der Mainlinie sollen die Zwischenlager obendrein nach dem WTI/GNS-Konzept mit nur etwa 80 cm starken Wänden und 55 cm starken Decken gebaut werden. Die Verwahrung des Atommülls ist hier genauso gefährlich, wie in den schon bestehenden und bauähnlichen Zwischenlagern in Ahaus und Gorleben. Allein die Castoren sollen den sicheren Einschluß des Todesmaterials gewährleisten. Gegen die sonst in der Kerntechnik geforderten Sicherheitsprinzipien Redundanz und Diversität wird in beängstigender Weise verstoßen. Zudem sind die Behälter fragwürdig. Für das größte deutsche Zwischenlager, dem Atommüll-Lager Schwaben in Gundremmingen, haben beispielsweise RWE & Eon drei Castoren beantragt: Castor V/52, Castor Vc und CONSTOR X/69. Der erste Behältertyp existiert, ist aber nie getestet worden und von den zwei anderen Atommülleimer gibt es laut GNB (Gesellschaft für Nuklear-Behälter) nicht einmal Zeichnungen, da sie noch in der Entwicklung seien. Trittin als Helfer von RWE & Co Nur ein sich als Linker stilisierender Politiker in einer rot-grünen Bundesregierung wie Umweltminister Trittin, konnte die zwölf neuen Zwischenlager genehmigen. Bei einem CDU-Umweltminister wären die Proteste wohl übermächtig geworden. Bis auf wenige löbliche Ausnahmen sind die SPDler und die GRÜNEN aus dem Anti-AKW-Widerstand verschwunden. So geht die Strategie der vier Atomkonzerne auf: Rot-Grün löst ihnen für 40 Jahre ihr größtes Problem - wohin mit dem Atommüll? - und Schwarz-Blau wird ihnen dann in einigen Jahren den längeren Betrieb der bereits laufenden Akws genehmigen. Zwei dann nützliche PR-Kampagne werden schon in Konzernstäben geplant: 1. Kernkraft oder Klimakatastrophe und 2. Lieber Strom aus sicheren deutschen Kernkraftwerken als aus unsicheren ausländischen. Fazit und Ausblick Erfreulich ist, daß an einigen Standorten die beantragten Zwischenlager sowohl zu neuem aktuellen Protest als auch zu grundsätzlicher Kritik an der gefährlichen Atomwirtschaft geführt haben. Schmerzlich ist der von Schröder, Trittin & Co zu verantwortende Ausstiegsbetrug. Dieser blendet oder lähmt weite Teile der GRÜNEN und der SPD und sogar der diesen Parteien zugeneigten Journalisten; z.B. bei der Süddeutschen Zeitung und beim Spiegel. Derzeit sieht es so aus, daß der Atomausstieg erst nach der nächsten Atomkatastrophe durchgesetzt werden wird. Oder wir finden aufgeschlossene Richter beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig oder dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Richter, die die unvorstellbar weitreichenden Folgen einer Atomkatastrophe sich vorstellen können und dies nicht mehr als extrem unwahrscheinlich und deswegen hinzunehmen bezeichnen.@ Ende |