Schrottreaktor Stade geht nach 31 Jahren Betrieb vom Netz

Schrottreaktor Stade geht nach 31 Jahren Betrieb vom Netz

Am 14. November geht der Uralt-Meiler vom Netz, ein Jahr früher als im „Atom-Konsens“ zwischen Regierung und Stromkonzernen vereinbart. Rot-grün feiert dies als „symbolischen Meilenstein rot- grüner Energiepolitik“ bei einer großen „Ausstiegsparty“ in Berlin.

Der Druckwasserreaktor in Stade ist der zweitälteste Atomreaktor in Deutschland nach Obrigheim (Baden-Württemberg). Er ging im Januar 1972 mit 640 Megawatt ans Netz und kostete umgerechnet 184 Millionen Euro

Technische Daten:

  • Druckwasserreaktor (DWR)
  • Nennleistung: 672 MWe
  • Hersteller: Siemens/KWU
  • Baubeginn: 1967
  • 1. Netzsynchronisation: 29.01.1972
  • Dampfauskopplung für den Betrieb der Saline auf dem benachbarten Gelände
  • Lagerkapazität: 237 Brennelemente
  • Reaktorkernladung: 157 Brennelemente
  • Verträge mit WAA La Hague: 588 Brennelemente
Betreiber über Kernkraftwerk Stade GmbH:
  • E.ON Kernkraft GmbH (66,7%)
  • Vaddenfall Europe AG , früher Hamburgische Elektrizitätswerke AH (HEW) (33,3%)

Als „Schrottreaktor“ ist Stade immer wieder tituliert worden, und tatsächlich liest sich die Liste der Presseveröffentlichungen des Betreibers Eon aus den vergangenen Jahren wie eine Pannenstatistik. Immer wieder musste Stade kurzfristig vom Netz genommen werden: Mal war eine Schweißnaht undicht, mal das Ölversorgungssystem gestört, die Brandschutzklappe defekt oder die Kühlwasserpumpe außer Betrieb. Eon, Nachfolger des ursprünglichen Betreibers Preussen Elektra, macht auch kein Hehl daraus, dass man Stade „rein aus wirtschaftlichen Gründen“ abschaltet. Der Reaktor gilt den Betreibern wegen des Preisverfalls auf dem Strommarkt als nicht mehr rentabel, Investitionen in notwendige Reparaturen als zu aufwändig. Auch unter einer CDU-Bundesregierung hätte man sich von Stade verabschiedet, heißt es bei Eon.

Auch ist das Problem ist mit der Abschaltung von Stade nicht beendet. Der Meiler hinterlässt ein gefährliches Erbe - 550 Tonnen hochradioaktiver Abfälle, die noch Hunderttausende von Jahren strahlen. In der so genannten Nachbetriebsphase bis Mitte 2005 laufen die Arbeiten fast wie gewohnt weiter, nur werden im Kern des Reaktors keine Atomkerne mehr gespalten.

Für den Rückbau des AKWs hat E.ON 500 Millionen Euro zurück gestellt. Das Unternehmen hoffe, mit der Summe auch auszukommen, sagte Sprecherin Uhlmann. Der Rückbau - die Entsorgung von 127000 Tonnen Stahl und Beton - wird mindestens bis 2015 dauern, dann soll das Atomkraftwerk abgerissen werden. Die Reststrommengen, die Stade bis 2004 noch produzieren sollte, wird der Betreiber einfach auf ein anderes Kraftwerk übertragen, das dadurch ein bisschen länger laufen darf als ursprünglich mit der Bundesregierung vereinbart.

Zur „grünen Wiese“ , wie in der Betreiber-Broschüre dargestellt,wird das Kraftwerksgelände aber nicht. Für den beim Abriß anfallenden schwach-und mittelradioaktiven Schutt wird auf dem Kraftwerksgelände eigens ein Zwischenlager gebaut. Es soll rund 40 Jahre in Betrieb bleiben, bis ein Endlager zur Verfügung steht. Die bestrahlten Brennelemente aus dem Reaktor werden zur französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague geschafft.@

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