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Der Dannenberger Marktplatz ist zum Platzen voll. Wir sind wirklich unglaublich viele. Ich sehe viele bekannte Gesichter, aber auch viele neue: Junge und alte, schwarze und bunte, ernste und fröhliche. Es tut gut, die kraftvolle Stimmung zu erleben und mit dabei zu sein. Wir sind immer noch da und mit uns ist zu rechnen. Still und heimlich war da doch ein bisschen Angst, die Menschen könnten resignieren und erlahmen in ihrem jahrelangen Widerstand, - fühl ich mich selber doch manchmal ohnmächtig angesichts der geringen Einflussmöglichkeiten nicht nur in der Atompolitik, sondern der Gesellschaft überhaupt.
Zu spüren, dass es viele andere gibt, die nicht einverstanden sind mit der herrschenden Politik, sondern sich zur Wehr setzen, und das mit viel Spaß und Phantasie, gibt Mut und Kraft für den langen Atem. Trommeln, Musik, witzige Sprüche machen deutlich, dass wir der Kälte was entgegenzusetzen haben an Lust und Lebensfreude. Und die Menschen kommen von überall her, auch aus anderen Ländern und Erdteilen. Eine 40köpfige Trommlergruppe aus Frankreich ist extra angereist als „Grußbotschaft“ des französischen Atomwiderstands. Und eine Aborigine Frau erzählt von dem Kampf gegen atomare Verseuchung in Australien.
Das alles zu erleben, gibt ein gutes Gefühl. Aber jetzt will ich auch was tun, denn unsere Demo allein wird den Castor nicht aufhalten.
Eine Rallye Monte Göhrde ist angesagt. Das hört sich doch spaßig an. Mit einem vollen Auto “heizen“ wir rein in die Göhrde . Die Route ist nicht einfach und wir treffen viele, Fahrradfahrer, Biker und Trecker, die auch ihr Ziel erreichen wollen. Polizeifahrzeuge sind im Weg und manchmal gibt es einfach kein Weiterkommen. Hirsche röhren im tiefen Wald, langsam wird es dunkel und unheimlich. Aber wir suchen noch nach rosa Schottersteinen. Da! Am Gleis! Ein Spurt raus aus dem Auto, ran und wieder weg. Jetzt will die Polizei nicht mehr mitspielen! Sie leuchten uns an, umzingeln unser Auto. Na ja, wir haben doch Zeit. Schließlich fahren wir doch weiter zu unserem Ziel. Inzwischen sind auch andere angekommen. Sie erzählen von ihren Abenteuern, ihren Gleisüberquerungen und Platzverweisen und lesen die Begründungen vor. Wir haben einen Riesenspaß bei der Auswertung. Viel gelacht haben wir über das Zitat eines Polizeiobermeisters des BGS auf Platz 1: "wenn Se sich die Uniform ma wegdenkn, is das hier doch eh alles Blödsinn."
Sieger der wunderbaren Rallye wird die Gruppe Tofu aus diversen Brandenburger Städten. Ausschlaggebend für den Sieg sind die 5 schriftlichen Platzverweise bei Leitstade und die vom Einsatzleiter persönlich aus dem Gleisbett entfernten und überreichten Schottersteine.
Fazit: Tolles Spiel, genervte Bullen, gute Laune!
Notizen von Ingrid
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