Zum 20. Mal mit Pferd und Drahtesel für den Frieden unterwegs

Friedensritt 2003 vom Wendland nach Munster

von Schulamith Weil

Auch in diesem Sommer, wie jedes Jahr seit 1984, waren wir unterwegs: Reiter und Reiterinnen für den Frieden. Wir verbinden unser Hobby, das Reiten (und Radeln) mit ihrem politischen Engagement. Vielleicht liegt es an dieser Verbindung des Angenehmen mit dem Nützlichen, dass die Initiative bis heute lebendig bleibt und alljährlich Leute verlockt, zehn Tage lang unterwegs zu sein und sich mit friedenspolitischen Themen zu beschäftigen. Per Flugblatt, in Gesprächen und beim Straßentheater versuchen die FriedensreiterInnen zu überzeugen und zu informieren. Es gilt aber ebensoviel selbst zu lernen.

Das Straßentheater bestand in diesem Jahr aus unterschiedlichen kurzen Szenen und Musikeinlagen. Dazu gehörte eine Zitatensammlung von Politikeraussagen aller Farben, die sich seit dem Krieg und bis heute gewandelt haben von: "Nie wieder Krieg" über "Auslandseinsätze werden von den Grünen nicht mitgetragen" bis zur 'Verteidigung' von Wirtschaftsinteressen in aller Welt mit militärischen Mitteln. Hier und da wirkten einzelne Pferde mit, natürlich auch in der Szene 'Das trojanische Pferd', die zeigte, wie uns der alte hässliche Krieg im neuen Gewand als humanitär, Terrorismusbekämpfung etc. verkauft wird.

In Uelzen informierte Marion Küpker, Koordinatorin der Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen (GAAA), in einer Abendveranstaltung über Uran-Waffen und ihre verheerenden Auswirkungen.

Aus dieser Stimmung heraus war es gut, dass zum Abschluss des Abends noch ein Hoffnungszeichen gesetzt wurde. Die FriedensreiterInnen pflanzten ein Apfelbäumchen. Dies knüpfte zum Einen an das Luther-Wort an: "Und wenn morgen die Welt untergehen sollte, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!" Es hatte aber noch einen Bezug, den Erika Drees erklärte: Im EUKOM, der Europäischen Kommando-Zentrale bei Stuttgart wurde bei einer Aktion zivilen Ungehorsams innerhalb des Zauns auch ein Apfelbaum gepflanzt. Das Bäumchen wächst dort immer noch als Zeichen der Hoffnung. Für ihre Teilnahme an mehreren Aktionen, bei denen AktivistInnen ins EUKOM oder in den Fliegerhorst in Büchel, wo Atomsprengköpfe lagern, eingedrungen sind, um das dort geschehende Unrecht öffentlich zu machen, war Erika kürzlich mehrere Wochen lang im Gefängnis und muss wahrscheinlich noch diesen Monat ein zweites Mal einsitzen, weil sie sich auch von einer zur 'Bewährung' ausgesetzten Strafe nicht hat 'überzeugen' lassen.

Es gab Bedenken, die Abschlußaktion in Munster könnte schwierig werden, da Munster überwiegend ein Militärstandort ist, so dass wenig Zustimmung der Bevölkerung zu erwarten war. Es fand sich eine Aktionsform, die nicht auf spontanen Zuspruch von Publikum angewiesen war, und doch eine wichtige Aussage zum Ausdruck brachte: "Frieden ist Menschenrecht!Die Idee: Frieden müsste eigentlich als das grundlegendste der Menschenrechte gelten, da er die Wahrung aller anderen Rechte, wie die körperliche Unversehrtheit überhaupt erst möglich macht. Aus diesem Grund fordern zu Zeit einige in der Friedensbewegung die ausdrückliche Aufnahme des 'Menschenrechtes auf Frieden' in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, um deutlich zu machen, dass die Wahrung von Menschenrechten mit kriegerischen Mitteln grundsätzlich unvereinbar ist und damit der Forderung nach einer "Kultur des Friedens" neues Gewicht zu verleihen.

Die Aktion sah folgendermaßen aus: Alle Beteiligten waren schwarz gekleidet, wie in einem Trauerzug üblich. Vorne trugen zwei Personen einen Schriftzug: 'Menschenrechte', dahinter vier Personen einen Sarg mit Blumenschmuck. Zwei weitere einen schönen Kranz mit einer Schleife 'Frieden ist Menschenrecht'. Dahinter gingen paarweise die Pferde, dann weitere FußgängerInnen. Die letzte Reiterin trug das Kostüm des Todes (Knochenfrau). Der Zug zog gemessenen Schrittes und konsequent schweigend vom Ortseingangsschild Munster zum Panzermuseum, zum Marktplatz und zurück zum Ortsausgang. Am Rande des Zuges verteilten einige FußgängerInnen Flugblätter, Vor dem Eingang des Panzermuseums blieb der Zug zehn Minuten lang schweigend stehen. Die Reiterin mit dem Knochenkostüm stieg ab und schrieb mit Schlämmkreide die Worte 'Frieden ist Menschenrecht' auf den Asphalt.

Für die FriedensreiterInnen war es eine neue Erfahrung, diese konzentrierte und fast meditative Stimmung zu erleben, die sich schnell auf alle Beteiligten einschließlich der Pferde übertrug. Es gab einzelne spöttische oder ablehnende Zurufe am Marktplatz, die aber schnell verunsichert verstummten. Die Flugblätter wurden gerne genommen, da sich viele PassantInnen fragten, was es mit diesem Zug auf sich habe. Kranz und Schrift auf dem Marktplatz wurden wohl bald entfernt, vor dem Panzermuseum soll die Schrift zumindest bis Dienstag auf dem Pflaster gestanden haben. Wer also ins Museum ging, um sich an der Betrachtung von Tötungsmaschinen zu erfreuen, musste erst den Schriftzug 'Frieden ist Menschenrecht' überqueren.

Rampenplan, das niederländische Kochkollektiv hat uns nicht nur wunderbar bekocht, sondern auch viel Spaß mit uns gehabt.

Ein gelungener Friedensritt, wenn mensch davon absieht, dass der Weltfrieden immer noch nicht eingetreten ist. - Also: Auf dass es in den nächsten zwanzig Jahren doch gelinge!

Wer Fragen zu einem der angesprochenen Themen hat, Vorschläge machen will, wohin es nächstes Jahr gehen könnte, zu welchem Thema, zur Unterstützung welcher Initiative die ReiterInnen für den Frieden einmal reiten sollten, oder selbst dabei sein bzw. erstmal informiert werden möchte, kann sich gerne in Verbindung setzen mit
Schulamith Weil 05841-974880
oder Melanie Boecker 0170-3533945

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