Die berechtigte Kritik an der Nutzung von Uranmunition sollte nicht bei den Auswirkungen der Munition stehen bleiben, sondern menschenverachtende Technologie und Krieg generell ablehnen.

Uran - ein tödlicher Stoff von Anfang an
oder doch nur Kohle und Atom?

von Uran AG des antiAtomPlenum Berlin

Während die Diskussion um die ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen der Uranmunition mittlerweile in fast jeder Tageszeitung geführt wird, ist das Interesse an den Auswirkungen des Uranbergbaus in den Abbauländern weiter kaum vorhanden. Wir finden, dass dieses Thema weiter ein zentraler Punkt linker Kritik an der Atomtechnologie sein muss!

In der Diskussion um Uranmunition kommen immer häufiger Kriegsveteranen zu Wort um sich kritisch über die ach so böse Verwendung von Uran in Munitionsgeschossen zu äußern. Auch die Anti-Atombewegung lädt immer wieder zu ihren Veranstaltungen diese "kritischen" Veteranen ein. Wir sehen hier ein großes Problem, da für uns eine generelle Ablehnung von Krieg und menschenverachtender Technologie an erster Stelle steht! Urangeschosse sind für uns nicht aus der Perspektive der Kriegsführenden abzulehnen, damit diese ihre Munition durch ökologisch nachhaltige ersetzen. Sondern es geht uns darum aufzuzeigen, dass die Verwendung von abgereicherten Uran in Waffen nur eine verbrecherische Verwendung von Uran und seinen Produkten ist.

Uran wird meist in Tagebau in den Ländern des Trikonts, wie Niger, Namibia, Südafrika, sowie der Ukraine, Russland, Kasachstan, Usbekistan und Australien, Kanada, China und nicht zuletzt in der tschechischen Republik, gewonnen. Bei diesem "Gewinnungsprozess" wird nicht nur radioaktiver Staub in die Luft freigesetzt, sondern bei der Laugung wird das Grundwasser gefährdet und vor allen Dingen sind die Arbeitsbedingungen in diesen Minen katastrophal. Die übliche Ausbeutung der ArbeiterInnen und die nicht vorhandene Aufklärung sind hier gekoppelt mit dem existenziellen Druck des Geldverdienens. Ein schlüssiges Konzept zum Rückbau und zur Sanierung von Uranminen ist nicht bekannt.

Gut studieren lässt sich das beispielsweise an den Aktivitäten der Wismut-AG, die die Uranminen in Sachsen und Thüringen, in denen bis zur Wende 1989 Uran für die sowjetische Atomwaffenproduktion abgebaut wurde, verwaltet. Für die Sanierung der Anlagen wurden 1991 Kosten von über 10 Milliarden DM veranschlagt, bei einem Sanierungszeitraum von 10-15 Jahren. Wichtig ist klar zustellen, was in diesem Zusammenhang mit Sanierung gemeint ist: Grundsätzlich muss immer beachtet werden, dass angesichts der Langlebigkeit der beim Uranabbau freigesetzten radioaktiven Stoffe eine Sanierung im Sinne der vollständigen Beseitigung der Gefahren nicht möglich ist. Sanierung heißt hier, schädliche Auswirkungen auf ein gesellschaftlich toleriertes Maß zu begrenzen. Schadstoffe müssen von der Umwelt isoliert werden bzw. dürfen nur in bestimmten Mengen freigesetzt werden (z.B. Radonaustritt in die Luft/das Wasser oder Schwermetallmobilisierung). Das bedeutet auf jeden Fall, dass die Bevölkerung in den Betroffenen gebieten noch Jahrzehnte mit einer verstärkten radioaktiven Belastung leben muss. Auch wird die Sanierung nach den veranschlagten 10-15 Jahren nicht wirklich beendet sein, eine regelmäßige Überprüfung und im Zweifel weitere Sicherung der Abraumhalten wird noch in ferner Zukunft nötig sein.

Die Zustände in Ronneburg oder anderen ehemaligen ostdeutschen Uranabbaugebieten geben einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie es wohl in den Hauptabbaugebieten für Uran in Australien, Kanada oder Niger aussieht. Anders als in der ehemaligen DDR ist dort nämlich in keiner Weise die Rede von einem Ende des Uranbergbaus. Für das Land Niger ist der Uranexport weiterhin die wichtigste Devisenquelle eines ansonsten bitter armen Landes. Auch in Australiern wird der Uranbergbau auf den Gebieten der Aberoginies weitergeführt, trotz aller Proteste von BewohnerInnen der Abbaugebiete und von Anti-Atom-AktivistInnen aus der ganzen Welt. Auch an der besonders umstrittenen Mine Jabiluka im Kakadu-Nationalpark wird trotz aller Proteste weiter gebaut. Im Norden des Nigers ist eine der weltweit größten Uranmine in Betrieb. Die Mine liegt in einer einsamen Gegend am Rande der Sahara und hat dem Niger zu einem vermeintlichen wirtschaftlichem Aufschwung verholfen - die "Strukturhilfen" kennen wir ja auch aus dem Wendland und an AKW-Standorten- es wurde z.b. eine geteerte Straße von Nord nach Süd mit Straßenbeleuchtung(!) durch ein ansonsten kaum besiedeltes Gebiet gebaut. Die wahren Profiteure sind in diesem Fall die französischen Unternehmen bzw. die französische Regierung, die ihr technisches Know-how liefern und so den Rohstoff für ihre angeblich zivile Atomenergienutzung gewinnen.

In der Bundesrepublik ist nie großtechnisch Uranbergbau betrieben worden. Größere Uranvorkommen gibt es, zumindest in den alten Bundesländern, nicht. Selbst die Grube Menzenschwand im Schwarzwald ging noch vor ihrer in Betriebnahme Konkurs. Die Umweltauflagen in der BRD hätten einfach dafür gesorgt, dass man auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig gewesen wäre. Also wird das Uran für die Bundesdeutschen AKWs weiter von dort bezogen, wo mensch meint, dass sich die Menschen am schlechtesten wehren können, also aus Trikontländern oder aus Gebieten ohnehin marginalisierter UreinwohnerInnen in Industriestaaten.

Wenn es dann um den weiteren Profit geht, mischt die Bundesregierung gerne wieder mit: In Gronau wird von der Firma Urenco eine Urananreicherungsanlage betrieben. Die derzeit genehmigte Trennkapazität beträgt 1800T/a, zur Zeit läuft der Antrag auf eine Erhöhung der Kapazität auf 4500T/a. Dies ist mehr, als die 16 bundesdeutschen AKWs an Uran verbrauchen. Hier soll also angereichertes Uran für den Export produziert werden, ein guter Beleg dafür, wie ernst der angebliche Atomausstieg gemeint ist. Über die ökologischen Risiken der Urananreicherung und die enge Verquickung von ziviler und militärischer Atomenergienutzung bei diesem Produktionsschritt soll hier nicht näher eingegangen werden.

Die berechtigte Kritik an der Nutzung von Uranmunition sollte also keinesfalls bei den Auswirkungen der Munition in den Kriegsgebieten stehen bleiben, sondern die Nutzung von Uran grundsätzlich ablehnen.

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