| USA will Mini-Atombomben aus Hafnium herstellen
Atom-Bomben im Feld-Gepäck aus Presseberichten vom 28.8.2003Mohamed El Baradei, der Direktor der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA), hat kein Blatt vor den Mund genommen: Die USA verstießen mit den Pentagon-Plänen für immer kleinere Kernwaffen gegen den Atomwaffensperrvertrag. Krieg gegen Irak, Druck auf Iran und Nordkorea - von anderen Staaten verlangten die USA den Verzicht auf Atomwaffen. Selber aber rüste man auf. Der IAEA-Direktor sparte in einem Interview nicht mit Kritik an der Bush-Regierung und prangerte ihren "doppelten Maßstab" an. Obwohl der Atomwaffensperrvertrag auch Washington zur nuklearen Abrüstung verpflichte, passiere mit dem Plazet des US-Senats für die Entwicklung so genannter Mini-Nukes genau das Gegenteil. Auf einer Geheimkonferenz im US-Bundesstaat Nebraska haben gerade 150 Wissenschaftler und Militärs die Weichen für eine neue Runde des Wettrüstens gestellt. Ganz offiziell sind im Washingtoner Rüstungshaushalt für das nächste Fiskaljahr 25 Millionen Dollar für den Ausbau eines Testgeländes für Atomwaffen in der Wüste von Nevada verankert. Diese künftige Generation von Atombomben soll nach dem Willen des Pentagon immer kleiner werden. Die Bush-Regierung habe vor allem Interesse an Nuklearwaffen, "die sie auch benutzen kann", so der Nachrichtendienst "Stratfor". Mit der Entwicklung von Mini-Atomwaffen mit einer Sprengkraft von bis zu einer Kilotonne etwa sollen nukleare Schläge möglich werden, "ohne in eine Konfliktspirale hineingezogen zu werden". Nach dem Ende des Kalten Krieges vor zehn Jahren hatte der USA-Kongress genau diese Entwicklung verboten. Doch der Krieg gegen den Terrorismus und Iraks Massenvernichtungswaffen hat den Pentagon-Generälen alle Trümpfe in die Hand gegeben. Man brauche diese kleinen Atombomben dringend, um sie gegen biologische und chemische Waffenlager oder Kommandobunker tief unter der Erde einsetzen zu können. Die neue Militärdoktrin der Bush-Administration, die im Rahmen ihrer präventiven Angriffskriege auch auf atomare Erstschläge setzt, liefert dafür den politischen Rahmen. Die Allmachtsfantasien von Rumsfeld und Co. scheinen keine Grenzen zu kennen. Nun träumen die Bush-Krieger sogar von der Atombombe in Feldgepäck und Rucksack. Basis dieses möglichen Waffenmaterials der Zukunft ist das Element Hafnium-178, dessen Atome durch Energiebestrahlung etwa über einen Nuklearreaktor oder einen Teilchenbeschleuniger in einen angeregten Zustand versetzt werden und diese Energie in Form tödlicher Gammastrahlung schließlich wieder abgeben, so dass im Detonationsgebiet alles Leben liquidiert wird. Ein Gramm Hafnium könnte so eine Sprengkraft von 50 Kilo TNT entwickeln. Die Neutronenbombe lässt grüßen. Im Air Force Research Laboratory arbeitet man seit längerem an einem entsprechenden "Quantenreaktor". Hier hat man nicht nur den Science-fiction-Sprengkopf im Auge, sondern auch einen neuartigen Antrieb für militärische Drohnen, sicherer als die herkömmlichen Nuklearreaktoren. Hafnium macht den Bau von Miniaturgeschossen möglich, die als Bombletts vom Himmel regnen oder von Panzern und Artillerie verschossen werden können - oder von Einzelkämpfern, die Kleinraketen aus Granatwerfern von der Schulter aus abfeuern. Eine Armee, die über solche Strahlenwaffen verfügt, wäre jedem Gegner an Feuerkraft erheblich überlegen. Den radioaktiven Niederschlag nach einer Hafnium-Explosion müssten die Soldaten nicht fürchten, er ist deutlich geringer als bei konventionellen Atombomben. Physikern der University of Texas gelang es jüngst, diesen Zerfallsprozess gezielt zu beschleunigen: Sie beschossen angeregtes Hafnium mit Röntgenstrahlen. Prompt entluden die Atome ihre Energie synchron in einem Strahlenblitz. Die Explosion setze 60-mal mehr Energie frei als zu ihrer Auslösung benötigt wurde. Die sich abzeichnende ungeheure Energiedichte könnte die gesamte Kriegführung revolutionieren, zitierte das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" Pentagon-Experten. Theoretisch, erklärten die Texaner, könnte die Energieausbeute noch höher sein. Die Entwicklung wird allerdings noch viele Jahre dauern. In die Nuklearpolitik der derzeitigen US-Regierung fügen sich die neuen Strahlenwaffen trefflich, gehört doch der Einsatz von Mini-Atombomben zu ihrer Sicherheitsdoktrin. Zwar verbietet das "Spratt-Furse-Gesetz" von 1994 dem Militär, Kernwaffen von weniger als fünf Kilotonnen TNT Sprengkraft zu entwickeln. Da Hafnium-Waffen aber ohne Kernspaltung detonieren, fallen sie nach Lesart des Pentagon weder unter dieses Gesetz noch unter internationale Verträge, die Entwicklung und Weitergabe von Kernwaffen beschränken. Hafnium-Geschosse seien "konventionellen Waffen ähnlicher als nuklearen", erklärte ein Pentagon-Sprecher vorsorglich. Mit ähnlichen Definitionskrücken versuchen die USA auch die Entwicklung so genannter nichttödlicher chemischer Waffen zu rechtfertigen, obwohl auch sie gegen internationale Verträge verstoßen. Selbst die Definition der USA-Regierung für nukleare Massenvernichtungswaffen würde kurzerhand zu Makulatur erklärt. Dort ist entscheidend, ob eine Waffe "eine bedeutende Zahl von Menschen durch Freisetzung von Strahlung oder Radioaktivität töten oder schwer verletzen kann. Mit der Entwicklung der Hafnium-Waffen, fürchten Kritiker, könnte die US-Regierung ein neues Wettrüsten auslösen. Staaten ohne "Strahlenbombe", warnt André Gsponer vom Independent Scientific Research Institute in Genf, würden sich unterlegen fühlen, was den Bau weiterer Kernwaffen zur Abschreckung nach sich ziehen könnte. Aber auch ein direktes Wettrüsten bei diesen Kernwaffen der vierten Generation ist möglich: Russland und Frankreich wollen sie ebenfalls entwickeln.@ Ende |