| Ziele, Optionen und Instrumente einer effektiven Energieeffizienzpolitik und der Bedarf an Forschung und Entwicklung:
Innovations-Papier von Wolfgang IrrekWuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie Dieses "Innovations-Papier" ist ein Arbeitspapier, das die wesentlichen innovativen Bausteine einer effektiven Energieeffizienzpolitik benennt und kurz erläutert. Es konzentriert sich dabei schwerpunktmäßig auf:
Quantitative Ziele einer effektiven Energieeffizienzpolitik
Lösungsansätze zur Steigerung der Energieeffizienz
Sowohl bei Neuanschaffungen als auch beim Ersatz bestehender Technologien ist der Einsatz marktbester, d. h. besonders energieeffizienter Geräte, Anlagen und Verfahrensweisen oft wirtschaftlich. Technologie orientierte Aktivitäten zur Steigerung der Energieeffizienz sollten - neben der Verbesserung thermischer Prozesse in der Industrie - vor allem bei stärker standardisierten Querschnittstechnologien ansetzen, die bei unterschiedlichen Zielgruppen zum Einsatz kommen und in großer Stückzahl vertrieben werden können. Nur ein Beispiel: Allein die bundesweite Implementierung hocheffizienter Heizungs-Umwälzpumpen kann ein halbes Kernkraftwerk ersetzen. Um den Einsatz energieeffizienter Technologien in einem spezifischen Anwendungszusammenhang zu ermöglichen oder zu erleichtern, bedarf es organisatorischer Konzepte, die den Systemzusammenhang des Einsatzes der jeweiligen Einzeltechnologie oder technischen Verfahrensweise berücksichtigen. Hierzu zählen insbesondere integrale Analyse- und Planungsverfahren im Gebäude- und Industriebereich. Technologien und systemare Lösungsansätze mit einem hohen Qualitäts- und Effizienzstandard, welche die Gesamtstruktur der jeweiligen Anwendung beachten, sind in den meisten Bereichen heute schon verfügbar und rentabel einsetzbar. Dennoch werden die vorhandenen technisch-wirtschaftlichen Potenziale bei weitem nicht ausgenutzt, die genannten Energieeffizienzziele folglich nicht erreicht. Hier bedarf es den Umsetzungsprozess unterstützender Maßnahmen. Hierzu zählen u.a. kommunikative, kooperative und partizipative Prozessinterventionen, aber auch die Darstellung der Arbeitsplatzeffekte im Energieeffizienzbereich als Motivationsinstrument für weitergehende Verstärkungsmaßnahmen. Des weiteren zählen Schritte zur Unterstützung des Wissenstransfers dazu und die adäquate Einbindung technisch-organisatorischer Lösungen in das Wirtschafts- bzw. Akteursgeflecht. Im Rahmen des Umsetzungsprozesses müssen die einzelnen Zielgruppen entsprechend ihrer Bedürfnisse, Fähigkeiten und Möglichkeiten mit einem optimierten, integrierten Maßnahmenbündel spezifisch angesprochen werden. Dabei sollte sich das Augenmerk auf Zielgruppen richten, die aufgrund ihrer Stellung im Akteursgeflecht besonders zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen können. Dies sind insbesondere der Handel als Bindeglied zwischen Herstellern und Nutzern, die Gebäudewirtschaft und deren Dienstleister aufgrund der dort vorhandenen Einsparpotenziale, KMU (vgl. hierzu auch Wuppertal Institut et al. 1998), Bildungsinstitutionen, die Energieeffizienz- Wissen vermitteln sollten, sowie Multiplikatoren wie Medien, Verbandsvertreter und "Pionier"-Unternehmen.
Politikinstrumente zur Förderung der Energieeffizienz und F&E-Förderschwerpunkte Generell positiv für die Energieeffizienz wirken die Internalisierung externer Effekte über die Energiepreise (Energiebesteuerung)(vgl. auch Verbruggen/Couder 2003), der Abbau von Subventionen für fossile, nukleare und Fusions-Energien und das Auslaufen der kommerziellen Nutzung der Kernenergie zur Stromproduktion, das die notwendige Umorientierung der Energiewirtschaft in Richtung eines nachhaltigen Energiesystems erleichtern und beschleunigen kann. Zusätzlich ist ein Policy-Mix notwendig, der die folgenden Politikinstrumente enthält:
F&E-Förderung Da die vorhandenen technisch-wirtschaftlichen Energieeffizienzpotenziale aufgrund verschiedener Hemmnisse und Barrieren bei Weitem nicht ausgeschöpft werden, der volkswirtschaftliche Gewinn einer verstärkten Potenzialausschöpfung aber immens wäre, sollte die Politik ihre Instrumente und Fördermittel im Energiebereich stärker darauf ausrichten, Energieeffizienzsteigerungen zu erleichtern und zu unterstützen. Bisher ist allerdings der Anteil der F&E-Förderung im Bereich der rationellen Energienutzung an der gesamten F&E-Förderung des Bundes im Energiebereich mit grob geschätzt weniger als 10% auch im Vergleich zu Ländern wie den USA oder Japan sehr gering (eigene Abschätzung nach Abgeordnetenbüro Hans-Josef Fell MdB 2003, BMWI 2001, Ramesohl 2003). Daher ist zu fordern, die F&E-Förderung im Bereich der rationellen Energienutzung deutlich zu erhöhen, möglicherweise zu Lasten der Förderung der fossilen Energieträger- sowie der Nuklear- und Fusionsforschung. Die unzureichende Ausschöpfung der Energieeffizienzpotenziale liegt i. d. R. nicht an fehlenden Techniken und technischen Verfahrensweisen. Nur bei wenigen Energieeffizienz-Technologiebereichen (z. B. LED, passive Kühlung und Heizung) erscheint es sinnvoll, die einzeltechnologische Forschung und (Weiter-) Entwicklung zu fördern. Ein wesentlich größeres Problem stellt die technische Integration neuer Energieeffizienz-Techniken in die bestehenden oder in neue Systeme dar, wofür entsprechend Fördermittel vergeben werden sollten (z. B. für integrale Planung). Am weitesten ungeklärt ist jedoch die Frage, wie eine immer stärkere Einbeziehung möglichst vieler Akteure erreicht werden kann, so dass die Energieeffizienz-Idee schließlich von einer breiten Mehrheit getragen und Energieeffizienz selbstverständlicher Bestandteil der Produktions- und Konsummuster wird, wie also eine breite Umsetzung wirklich erreicht werden kann. Folglich sollten die Entwicklung von Umsetzungskonzepten sowie die Umsetzungsforschung und ihrer Verzahnung mit der Umsetzungsförderung besonders unterstützt werden. Die traditionelle Forschungsförderung im Bereich Energieeffizienz konzentriert sich auf die Gewinnung von Erkenntnissen über Umsetzungsdefizite, mögliche Energieeffizienz-Maßnahmen und -Technologien; die Gewinnung praxisrelevanter Erfahrungen über die erfolgreiche Gestaltung und Unterstützung wirkungsvoller Umsetzung tritt dagegen jedoch meist zurück. Beratungsleistungen der Wissenschaft an die Politik beschränken sich deshalb oft auf wenig praxistaugliche Empfehlungen, die vor der Umsetzungsphase abbrechen. Umsetzungsförderung hingegen fragt in der Regel nicht nach den Grundlagen und Begründungen für die vorgeschlagenen Maßnahmen. Forschungsanstrengungen, Politikberatung und Umsetzungsbestrebungen sollten daher stärker miteinander verbunden werden. In Teilbereichen kann es sinnvoll sein, integrierte Förderpakete zu entwickeln, für die Kriterien und Instrumente entwickelt, Anforderungen bestimmt und Notwendigkeiten für organisatorische oder finanzielle Umstrukturierungen in den verschiedenen Ebenen des föderalen Systems identifiziert werden müssen.
Im Fokus:
In Dänemark werden beide Wege beschritten. Die Energieeffizienzverpflichtungen werden dort den Verteilnetzbetreibern auferlegt und berühren alle Kundengruppen entsprechend ihrem Anteil am Gesamtverbrauch. Den Geschäftskunden bieten dänische Netzbetreiber vor allem kostenlose Beratung vor Ort. Hierdurch werden nach den bisherigen Erfahrungen durchschnittlich ca. 5% der dabei untersuchten Energieverbräuche dann auch tatsächlich eingespart. In Zukunft sollen auch Erdgas- und Fernwärmeunternehmen in das Verpflichtungssystem einbezogen werden. Der daneben existierende dänische Stromsparfonds wird durch eine Abgabe in Höhe von 0,08 Cent/kWh finanziert, die von den Netzbetreibern bei privaten Haushalten und im öffentlichen Sektor erhoben wird. Private Unternehmen, Beratungsfirmen und Stromversorger sind aufgefordert, sich an Ausschreibungen des Fonds zur Planung und Umsetzung von Einsparprojekten zu beteiligen. Ein unabhängiger Verwaltungsrat vergibt Mittel an die Projekte mit der höchsten CO2 -Minderung, bezogen auf die eingesetzte Investition, und überwacht die Ausführung. Ein Schwerpunkt lag bisher bei Programmen zum Brennstoffwechsel mit Stromeinsparungen von etwa 248 GWh/a. In Deutschland könnte ein solcher Fonds als unabhängige öffentlichrechtliche Einrichtung mit eigenem Verwaltungsrat konzipiert werden. Eine enge Abstimmung der Fondsaktivitäten mit denjenigen der Deutschen Energie-Agentur ist erforderlich. Das Wuppertal Institut hat auf Basis von Erfahrungen in anderen Ländern hochgerechnet, dass mit Investitionen in Höhe von rund 2 Mrd. Euro/Jahr Energiekosten in Höhe von insgesamt 3,7 Mrd. Euro/Jahr eingespart werden könnten (Barwert der eingesparten Energiekosten). Damit könnte bis zum Jahr 2010 der Energieverbrauch gegenüber dem Trend um rund 40 TWh/Jahr Strom und 50 TWh/Jahr Gas reduziert werden. Mit einem vom Wuppertal Institut detaillierter entwickelten Programmpaket zur rationellen Nutzung von Strom in privaten Haushalten und Nicht-Wohngebäuden könnten durch Investitionen (inklusive Programmkosten und Prämienzahlungen) in Höhe von etwa 900 Mio. Euro/Jahr Stromkosten in Höhe von etwa 1.500 Mio. Euro/Jahr eingespart werden. Die Finanzierung dieser und weiterer Maßnahmen könnte durch eine moderaten Aufschlag auf die Energiepreise oder Netzgebühren erfolgen. Der Vorschlag des Wuppertal Instituts lautet: zunächst 0,15 Cent/kWh Strom und 0,05 bis 0,15 Cent/kWh Gas für Haushalte und Kleinverbraucher und einen ähnlichen Prozentsatz für andere Kundengruppen. Energieunternehmen sollten die Möglichkeit erhalten, einen Teil (z. B. 50%) der Mittel, die sie an den Fonds abführen müssen, für eigene kosteneffiziente Aktivitäten im Sinne der Aufgaben des Fonds zu verausgaben. Die übrigen Mittel sollten im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens an die jeweils besten "Energieeffizienzanbieter" vergeben werden. @ Ende |