Deutsch-französischer Protest in Metz

Von Markus Pflüger

Der Castor-Transport aus fünf deutschen Atomkraftwerken in die Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague (F) und Sellafield (GB) war bereits um mehrere Stunden vorverlegt worden, was unter den DemonstrantInnen aus Frankreich, Deutschland und Belgien Unruhe über mögliche weitere Fahrplanänderungen auslöste. Berichte über kleinere Aktionen von der Fahrtstrecke des Transports hingegen motivierten.

Viele versuchten, früher als geplant in Metz am Hauptbahnhof zu sein. Ab ca. 15h wurden am Haupteingang "Atommüll"-Fässer und ein "Atomklo" aufgestellt, zweisprachige Transparente aufgehängt und Flugblätter an erstaunlich interessierte Passanten verteilt.

Um 16:30 fuhren dann die meisten der inzwischen rund 40 AktivistInnen zum Bahnübergang Metz-Peltre, um den Castor nicht zu verpassen. Einige demonstrierten am Bahnhof und kamen später zur Transportstrecke. Dort wartete schon die französische Polizei auf die Spaziergänger am Bahngleis. Am Bahnübergang komplettierte eine vom Widerstandscamp am geplanten französischen Endlager Bure bekannte französische Strassenband musikalisch die Szenerie.

Ab 18h gesellten sich 100 AtomkraftgegnerInnen sowie schaulustige Vorortbewohner dazu. Die Wartezeit wurde durch Interviews mit Fernsehteams und Radiojournalisten überbrückt. Der Zug fuhr schließlich nicht früher, sondern im Fahrplan und kam erst gegen 19h in Metz-Peltre an. Die Polizei hatte Aufstellung genommen, Tränen- bzw CS-Gas am Revers, ein Hund ohne Maulkorb - viele wurden hinter Bahndamm und Zaun verwiesen, sobald sie dem Gleis zu nahe kamen.

Einige hundert Meter vor der Mahnwache gelang es dann einigen AktivistInnen, den Zug zu stoppen. Rauchfackeln wurden gezündet, konnten aber nicht verhindern, dass nach einigen Minuten der Castorzug mit 13 Behältern an der pfeifenden Demo vorbeifuhr. Einige Zeit, nachdem der Zug den Bahnübergang Metz - Peltre passiert hatte, löste sich die Menge langsam auf. Zuvor war verabredet worden, sich schon bald wieder zu weiteren Aktionen zu treffen.

Die Aktionen haben viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erregt. Schon im Vorfeld wurden die Hintergründe des gemeinsamen Widerstands und auch das grenzüberschreitende Atommüllproblem ins Blickfeld gebracht und auch Euratom, EPR und Atomstromimport thematisiert. Die Präsenz der Polizei war hoch im Vergleich zu früheren Transporten: neben 4 Waggons CRS im Zug, wurden lange Streckenabschnitte in Frankreich von der Polizei bewacht.

Weitere Blockadeaktionen fand in Frankreich statt. 30 Personen blockierten den Zug über ein halbe Stunde bei Hazebrouck um 3Uhr 25 , daraufhin kam es zu Personalienfeststellungen und ein regionaler Abgeordneter der Grünen wurde außerdem wegen der Beschädigung eines Zauns zum Kommissariat mitgenommen, anschließend aber wieder freigelassen. Zuvor gab es in Frankreich nach Metz auch Aktionen bei Somain und Bethune.

Der gemeinsame deutsch-französische Widerstand wird weiter fortgesetzt. Als weiterer Schritt der Kampagne gegen Atomtransporte wird das Augenmerk auf Uranhexafluorid (UF6) gerichtet. UF6 verwendet die Atomindustrie als Zwischenschritt zur Herstellung von Brennelementen. Regelmäßig rollen Transporte zwischen der südfranzösischen Konversionsanlage Pierrelatte und der westfälischen Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau. Die UAA Gronau ist eine von nur 15 Atomanlagen dieser Art weltweit und produziert für den internationalen Markt. Gegen eine geplante Kapazitätserweiterung läuft eine Einwendungskampagne.

"Am Beispiel Gronau zeigt sich die Farce um den deutschen sogenannten Atomausstieg überdeutlich," sind sich die Atomkraftgegner einig. Knapp 20% der Gronauer Produktion sind für deutsche Atommeiler bestimmt, der Rest wird international verkauft. "Die Bundesregierung behauptet den "deutschen Atomausstieg", während in Gronau immer größere Mengen atomaren Brennstoffs produziert werden sollen. Damit verschärft sie verantwortungslos auch die weltweite nukleare Gefahrensituation."@

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