Bund will Atommüllzwischenlager bis Jahresende genehmigen

Interimslager-Krümmel genehmigt

Der Bund will möglichst bis Ende dieses Jahres alle atomrechtlichen Genehmigungen für die beantragten Interims- und Zwischenlager an den Standorten der Atomkraftwerke (AKW) erteilen.

Das kündigten Bundesumweltminister Jürgen Trittin und der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, bei der Vorstellung des BfS-Jahresberichtes an. "Unter der Voraussetzung, dass die zuständigen Landesbehörden die erforderlichen Baugenehmigungen zeitnah erteilen, gehen wir davon aus, dass alle Interims- und Zwischenlager im Jahr 2005 in Betrieb genommen werden können" , sagte Trittin.

"Mit dem Konzept der dezentralen Zwischenlagerung werden die Atommülltransporte drastisch reduziert", erklärte der Grüne. Sogenannte innerdeutsche Transporte in die zentralen Zwischenlager Gorleben und Ahaus würden in absehbarer Zeit ganz überflüssig. Ein Ende der Rücktransporte aus der Wiederaufarbeitung ist allerdings noch lange nicht in Sicht. Voraussichtlich im November soll wieder eine Fuhre mit zwölf Castorbehältern aus La Hague nach Gorleben rollen.

Die Errichtung eines Interimslager für abgebrannte Brennelemente am Atomkraftwerk Krümmel bei Geesthacht hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am 20. Juni 2003 genehmigt. Dieses ist ein erster Schritt für den Bau eines atomaren Zwischenlagers auf dem Gelände des AKWs. Mit der Lagerung an Ort und Stelle werden zugleich Castor-Transporte von Brennstäben in - noch nicht existierende - zentrale Zwischenlager oder in die Plutoniumabtrennung (WAA) La Hague (Frankreich) in absehbarer Zeit überflüssig. Interimslager wurden bereits für drei süddeutsche Atommeiler genehmigt, für den Reaktor in Brunsbüttel ist die Prüfung noch nicht abgeschlossen.

Die Genehmigung für Krümmel umfasst die Lagerung von Brennelementen in höchstens zwölf Castorbehältern für maximal fünf Jahre. Binnen dieser Frist soll in Krümmel ein werkseigenes Zwischenlager errichtet worden sein. Dieses soll alle abgebrannten Brennstäbe des AKW Krümmel für 40 Jahre aufnehmen oder solange, bis ein Atommüll-Endlager eingerichtet worden ist. Ab Mitte 2005 dürfen die AKW-Betreiber keinen Müll mehr in die Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien) schaffen. Bis dahin müssen die standortnahen Zwischenlager also betriebsbereit sein.

Die Kraftwerksbetreiber haben insgesamt fünf Interimslager sowie zwölf Standortzwischenlager beantragt. Davon sind bereits vier Interimslager genehmigt worden. Neben Krümmel sind dies Neckarwestheim, Philippsburg und Biblis. Diese drei sind auch in Betrieb. Von den beantragten Standortzwischenlagern sind drei genehmigt worden, in Lingen, Grohnde und Grafenrheinfeld. Davon ist Lingen bereits in Betrieb. Die Genehmigungsverfahren für die übrigen neun Zwischenlager sind nach den Worten von Wolfram König weit fortgeschritten.

Gegen die Errichtung der Zwischenlager hat es bundesweit rund 250.000 Einwendungen gegeben. Nach Ansicht von AtomgegnerInnen sprechen viele Gründe gegen den Bau solcher Hallen: Die Erhöhung des radioaktiven Potentials an den Standorten, mangelhafte Konstruktion der Hallen, keine Raumluftüberwachung und keine Filter gegen Radioaktivität, Gefahren durch Hochwasser, Flugzeugabstürze oder Anschläge. König betonte, er könne den Ausgang der noch offenen Genehmigungsverfahren für die Zwischenlager nicht vorhersagen. Doch sehe er keine Gründe, die gegen die Genehmigung sprächen.

Die AtomgegnerInnen versuchen, den Bau der Zwischenlager auf zwei Ebenen zu verhindern. So haben die Gemeinden um die Atomkraftwerke Neckarwestheim und Esenshamm ihr Einverständnis zu den Bauvorhaben verweigert und Veränderungssperren für die Bebauungspläne erlassen. Die Kommunen planen für die Zeit nach Stillegung und Abriß der AKW dort Anlagen zur alternativen Energiegewinnung. Die Bürgerinitiativen an den betroffenen Standorten haben sich bereits mehrmals bei Konferenzen getroffen. Sie wollen gemeinsam Musterklagen gegen die Zwischenlager führen und die finanzielle Last auf möglichst viele Schultern verteilen.@

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