Trittin belehrt den Ministerpräsidenten Wulff

Falsch verstanden!

Im Urteil über den Standort Gorleben sind sie sich einig, nur bei den momentanen Konsequenzen nicht: Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hält am Erkundungsstopp für das atomare Endlager im Salzstock fest. Mit den Energieversorgern sei das Moratorium, also die Unterbrechung der Arbeiten, bis zu Klärung sicherheitstechnischer Fragen beschlossen worden. Dabei bleibe es.

Mit seiner Stellungnahme stellte sich Trittin gegen Forderungen von Christian Wulff (CDU) nach einer Wiederaufnahme der untertägigen Erkundung. Der niedersächsische Ministerpräsident hatte seine Haltung damit begründet, es gebe bisher keine Erkenntnisse, dass Gorleben als Endlager nicht geeignet sei. "Herr Wulff stellt die Dinge auf den Kopf. Wenn die bisher gewonnenen geologischen Erkenntnisse die Eignung des Salzstocks verneint hätten, dann gäbe es in Gorleben kein Moratorium, sondern längst einen endgültigen Baustopp", rückte Trittin den Zusammenhang zurecht.

Weitere Investitionen in die Erkundung machen nach den Worten von Trittin allerdings nur dann Sinn, wenn Gorleben "aus einem ergebnisoffenen und transparenten Auswahlverfahren" als einer der grundsätzlich geeigneten Standorte hervorgehe.

Trittin will vor dem Hintergrund der laufenden internationalen Endlager-Diskussion die Eignungs-Kriterien für ein Atommüll-Endlager weiterentwickeln und die Endlagerung radioaktiver Abfälle insgesamt überarbeiten. "Der Stand von Wissenschaft und Technik und die Risikobewertung sind nicht mehr dieselben wie 1979, als Gorleben zum Erkundungsstandort erklärt wurde", sagte der Minister.

Die Geologen kämen in Gorleben in einer Tiefe von fast 1000 Metern bislang zu dem Schluss, dass das Salzgebirge eine Barriere gegen Strahlungen des Atommülls bilden kann. "Aber bei der direkten Endlagerung bestrahlter Brennelemente müssen zusätzliche Anforderungen erfüllt werden, um langfristig die kritische Ansammlung spaltbarer Stoffe auszuschließen", betonte Trittin.

"Wulff ist auf dem Holzweg, wenn er meint, dass eine weitere Erkundung die offenen konzeptionellen Fragen klären".

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