von der "Versuchs"-Endlagerung zur "Versuchs"-Stilllegung

Atommüll-Endlager-Asse II

von Ursula Kleber

Vor nunmehr 25 Jahren wurde die Einlagerung von Atommüll in das ehemalige Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel beendet - und schon seit geraumer Zeit ist klar, dass alle damals von Kritikern und Gegnern der Einlagerung vorgebrachten Bedenken zur Stabilität des Bergwerks berechtigt waren.

125.000 Gebinde sogenannter schwachaktiver Abfälle und 1.300 Gebinde mittelaktiven Atommülls wurden von 1967 bis 1978 in den riesigen Abbaukammern eingelagert. (siehe auch aaa Otkober 2002) Als 1978 infolge des Atomgesetzes ein öffentliches Planfeststellungsverfahren für eine weitere Nutzung als Endlager erforderlich geworden wäre, wurde die Einlagerung eingestellt. Einige Jahre fanden in der Asse noch Versuche zur Wechselwirkung von Radioaktivität, Hitze und Salz statt. Aber seit Anfang der 90er Jahre steht die baldige "wartungsfreie Schließung" auf dem Programm. Da der Berg durch den Bergbau so ausgehöhlt wurde, dass die Stablität nicht gewahrt ist, bringt jeden Tag ein Güterzug Abraumsalz zum Bergwerk, das in die verbliebenen Hohlräume geblasen wird.

Wie groß diese vebliebenen Hohlräume waren, lässt sich daraus ersehen, dass es bis Ende diesen Jahres dauern wird, bis alle Abbaukammern wieder gefüllt sind: 8 Jahre jeden Werktag 18 Waggons mit 1200 t Salz zurück ins Salzbergwerk! Danach sollen noch die vielen Verbindungsstollen und Schächte verfüllt werden, und 2011 sollen schließlich die Schächte, die zur Oberfläche führen, verfüllt und verschlossen werden. Die übertägigen Anlagen werden dann abgebaut, nichts soll darauf hinweisen, was sich an Gefahrenpotential in 400 - 700 Metern Tiefe unter der Erde befindet. Und dort wird allerhand geschehen....

Jeden Tag 12 m3 Laugenzufluß Seit Anfang 1988 fließt an zwei Bereichen Salzlauge in das Bergwerk. Trotz zahlreicher Untersuchungen über die Herkunft dieser Lauge können die Betreiber (GSF) nicht sagen, wo sie genau herkommt. Solange das Bergwerk offen ist, wird sie über Drainagen abgefangen - aber nach der Schließung wird sie weiterlaufen und kann nicht mehr aufgefangen und unschädlich gemacht werden. Die tägliche Menge wurde 2001 mit 11 m3/Tag angegeben, im April diesen Jahres mit 12,5 m3/Tag. Und die Rechenmodelle dazu, was diese Lauge nach der Schließung anrichten wird, ergaben, dass die Stabilität des Endlagers definitiv gefährdet ist und allein durch Auffüllen von Hohlräumen mit Steinsalz nicht erhalten werden kann. Denn die Asse ist kein reiner Salzhut: das Steinsalz ist von Bereichen aus Carnallitit-Gestein durchzogen, einem Kalium-/Magnsium-Mineral, das zu Bergbauzeiten dort auch abgebaut wurde und entsprechend von Stollen und Abbaukammern durchzogen ist. Und dieser Carnallitit wird von der zutretenden Steinsalzlauge aufgelöst: 1 m³ Steinsalzlauge kann 3 m3 Carnallititgestein zerstören.

Die offiziellen Berechnungen gehen davon aus, dass das Bergwerk in 300 Jahren mit Steinsalzlauge gefüllt sein wird und der Carnallitit sich entsprechend zersetzen wird - mit massivem Einfluss auf die umgebenden Gesteinsschichten und der Gefahr von Einbrüchen, die sich bis zur Oberfläche auswirken. Was natürlich heißt, dass sich die Radionuklide im Berg mit den Flüssigkeiten zusammen auf den Weg nach draußen machen.

Die Situation ist also die (wie sie auf den halbjährlichen Informationsveranstaltungen der gsf dargestellt wird, zuletzt im vergangenen April, und sich auch auf deren Homepage - www.gsf.de - und in ihren Broschüren findet): Es gibt einen Salzlaugenzutritt, der die Sicherheit des Endlagers von Asse II (Sicherheit definiert als sicheren Einschluss der Radionuklide im Berg, ohne Gefahr der Kontamination der Biosphäre) nicht erst langfristig, sondern schon in durchaus überschaubaren Zeiträumen bedroht.

Trotzdem geht die GSF davon aus, bis Juni 2004 den Nachweis der Langzeitsicherheit erbringen zu können. Dafür werden zur Zeit Konzepte mit einem "Schutzfluid" durchgerechnet. Kern ist die zusätzliche Flutung aller verbleibenden Hohlräume mit Magnesiumchlorid-Lösung, die verhindern soll, dass die einsickernde Steinsalzlauge den Carnallitit zersetzt. Praktisch heißt das: von 2004 bis 2011 rollen zusätzlich zu den Waggons mit Steinsalz noch Kesselwaggons mit Magnsiumchlorid-Lauge an, und insgesamt 1,5 Millionen Kubikmeter dieser Flüssigkeit werden ins Endlager gepumpt.

Wen interessiert das Geschwätz von gestern? Dieses "Schutzfluid-Konzept", zu dem die GSF keine Alternative nennen kann, ist noch nie irgendwo eingesetzt worden. Bei der Propagierung von Salzstöcken zur langfristig sicheren Lagerung von Atommüll ging man bisher ja davon aus, dass es darin trocken sei und bleibe... Im Kontext der Schließung von Asse II wurde diese alte Prämisse zur Atommüll-Endlagerung geändert: "Ziel ist es nicht mehr, das Grubengebäude für alle Zeiten trocken zu halten - was ohnehin nicht möglich wäre -, sondern Maßnahmen zu entwickeln, welche die Langzeitsicherheit des Bergwerks auch trotz eines Salzlösungszuflusses gewährleisten.." (Zitat aus der GSF-Broschüre "Asse - Ein Bergwerk wird geschlossen" vom Mai 2003)@

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