Wer sind die Autonomen -
Mythos mit vielen Gesichtern


von aaa-Redaktion

Vermutlich handelte es sich auch früher schon um einen Mythos, wenn von “den“ Autonomen die Rede war. Der geschichtliche Hintergrund und dessen Bedeutung für das Selbstverständnis autonomer Politik sind immer mehr verblaßt und weit weg für viele, die sich heute Autonome nennen. Vielleicht trägt das dazu bei, daß der Grad der Beliebigkeit und zufälligen Übereinstimmung, der Unsicherheit und Unklarheit zugenommen hat.

Wo zu wenig inhaltliche Auseinandersetzung und Selbstdarstellung stattfindet, da sind sie schwer faßbar, “die“ Autonomen. („Das sollen sie ja auch!“ werden jetzt einige selbstzufrieden sagen. Aber es soll hier nicht unser Thema sein, wie gut autonome Strukturen tatsächlich vor staatlicher Repression schützen.) Vor allem die dahinterstehenden Ideen sind kaum zu greifen. Viel griffiger und sichtbarer ist das Außenbild, das Politik und Presse der Öffentlichkeit vorgeben: Gewalttätige Chaoten und Steinewerfer, der unkontrollierte schwarze Block, rebellische Jugendliche, die ihren Frust ausleben, kurz: Straftäter, die es zu verfolgen gilt.

Dieses Bild dient dazu, Angst und Panik zu erzeugen. Ziel ist es, Menschen einzuschüchtern und sie daran zu hindern, die Gewaltverhältnisse, in denen sie leben, zu hinterfragen und sich dagegen zu wehren. Und gleichzeitig sorgt es dafür, uns widerständige Menschen auseinanderzudividieren und damit Kraft wegzunehmen. Diese Spalterei gelingt um so besser, je mehr “ihre“ Gewaltdebatte - in bestimmten Situationen immer wieder von außen aufgezwungen - angenommen und aufgegriffen wird.

Uns ist es wichtig, diesen Ball nicht anzunehmen, der uns von der Gegenseite immer wieder zugeworfen wird. Trotzdem sind vielleicht die Castor-events und die Ereignisse in Genua ein guter Anlaß, unsere eigenen Vorstellungen, Ideen und unser Handeln darzustellen und kritisch zu hinterfragen, unter uns zu streiten und daraus zu lernen: uns zu bewegen und davon auch was nach außen zu bringen.

In diesem Sinne haben wir uns einmal umgeschaut nach “den“ Autonomen und eine ganze Vielfalt gefunden. Ja, es gibt sie noch, “die“ Autonomen, wenn auch mit ganz verschiedenen Gesichtern, Mützen und Ideen, die hinter den Masken verborgen sind.

Wir wollen ein wenig Licht bringen in die unterschiedlichen Begriffe und Vorstellungen, sie auch für andere sichtbar und streitbar machen und nach Widersprüchen und Gemeinsamkeiten suchen. Auf diesem Hintergrund wird sich dann von alleine – auch wenn es nicht der zentrale Punkt ist, - eine Debatte um Militanz und Gewalt ergeben. Es wäre schön, wenn die folgenden Texte Anstoß dafür sind, darauf einzusteigen; was heißen soll: sich selbstkritisch mit diesem Thema auseinanderzusetzen. So, wie wir das wollen und selbst bestimmen, mit unseren eigenen Definitionen und Begrifflichkeiten, bevor es uns wieder von außen aufgezwungen wird.@

 

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