Krieg in Jugoslawien

Die NATO führt einen Angriffskrieg gegen Jugoslawien!

Sie greift damit direkt in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Landes ein. Damit übernimmt sie - unter eindeutiger Führung der USA - die Rolle einer Schutz- und Überwachungsmacht für Europa; das Tor ist geöffnet für militärische Interventionspolitik. Die USA und ihre NATO wollen sich bei der Durchsetzung ihrer Interessen von niemandem einschränken lassen. Sie haben den UN-Sicherheitsrat praktisch für irrelevant erklärt, indem sie gezeigt haben, daß sie Vereinbarungen treffen oder brechen, je nachdem, wie es ihrer jeweiligen machtpolitischen Interessenslage entspricht. Es geht hierbei um den Anspruch auf globale Vorherrschaft im Rahmen einer neuen Weltordnung, um Interessen und Einflußzonen. Und es geht auch um die Vormachtstellung der USA in Europa, der die Integration Rußlands in Mitteleuropa und ein Europa, das auf die strategische Bevormundung durch die USA nicht mehr angewiesen ist, im Wege stehen.

Rechtzeitig zum 50 jährigen Jubiläum der NATO-Gründung gibt uns die NATO einen Vorgeschmack, wozu sie fähig ist und auch, wohin ihr neues strategisches Konzept führen wird, das im April in Washington verabschiedet werden soll:

  • Beibehaltung der Nuklearen Erstschlagoption,
  • Selbstmandatierung (militärische Operationen der NATO sollen im "Krisenfall" auch ohne Legitimation des UNO-Sicherheitsrates möglich sein) und
  • die Änderung des Art. 5 der Nato-Charta dahingehend, daß nicht mehr die territorialen Grenzen der Mitgliedsländer verteidigt werden sollen, sondern deren weltweite "Sicherheitsinteressen" und "lebenswichtige Interessen".

Die NATO führt den Krieg mit der Behauptung, Menschenrechte zu schützen. Was damit aber hauptsächlich gemeint ist, ist eine Verteidigung der westlichen Werte - wie das der amerikanische Präsident Clinton auch offen ausspricht: das Recht auf Privatbesitz an Produktionsmitteln, an Grund und Boden und an Kapital, das Recht auf "Freie Marktwirtschaft", auf freien Zugang zu Märkten und Rohstoffen und das Recht auf ungehinderte globale Operationen der amerikanischen und westeuropäischen Konzerne und Banken.

Die BRD hat seit Beginn der Auflösung der Sozialistischen Föderativen Bundesrepublik Jugoslawien aktiv auf Zerschlagung dieses Staates hingearbeitet.

Sie hat immer eigene Ziele verfolgt, war  nie neutrale Partei, die "humanitäre Ziele" verfolgt. So hat sie z.B. als erster europäischer Staat Slowenien und Kroatien diplomatisch anerkannt und damit den Nationalismus und Rassismus als neues Ordnungsprinzip des Balkans offensiv unterstützt. 85 Jahre nachdem wilhelminische Soldaten Serbien angriffen (1914), 58 Jahre nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien (1941) und zum ersten Mal seit Zerschlagung des Nationalsozialismus (1945) beteiligt sich die BRD nun wieder an einen Angriffskrieg. Nach dem Motto "teile und herrsche" und mit den alten Begehrlichkeiten: "der Wirtschaftsraum im Osten".

Diese Kriegsbeteiligung kommt nicht aus heiterem Himmel, sie wurde seit Anfang der 90er Jahre politisch und militärisch vorbereitet. Auslandseinsätze der Bundeswehr wie in Kambodscha oder in Somalia haben dazu gedient, das militärische Gewicht systematisch auszubauen und die deutsche Bevölkerung wieder daran zu gewöhnen, militärische Gewalt als Mittel der Politik zu akzeptieren.
Es ist eine Lüge und Kriegspropaganda, wenn der deutsche Kanzler Gerhard Schröder behauptet, es handele sich bei diesem Krieg um eine "humanitäre Aktion". Diese Lüge entlarvt sich u.a. durch die rassistische Abschiebepolitik der BRD gegen Flüchtlinge und Deserteure, auch aus dem Kosovo in den letzten Jahren, oder auch an der Doppelmoral angesichts des Krieges gegen die Kurdlnnen im NATO-Mitgliedsland Türkei.

Doch in diesem Krieg gibt es für uns keine "richtige" Seite:

Die NATO nutzt den rassistischen und nationalistischen Konflikt im Kosovo und schürt ihn, um darüber den Krieg in der Öffentlichkeit zu legitimieren.

Doch unabhängig von der Bewertung der NATO-Politik verurteilen wir die seit Jahren andauernde rassistische und nationalistische Politik der serbischen Regierung gegen die kosovo-albanische Bevölkerung. Diese Ideologie der serbischen Regierung, den Kosovo als "ur-serbische, heilige Erde" zu deklarieren, der die "Wiege der Nation" darstellt, in dem die "Wurzeln des Serbentums" liegen, hat zur systematischen Unterdrückung und Vertreibung der kosovo-albanischen Bevölkerung geführt. Wir verurteilen aber auch die gegen die serbische Minderheit im Kosovo gerichtete Gewalt und die großalbanisch-nationalistischen Ziele der UCK.

Wir solidarisieren uns mit allen Menschen und oppositionellen Gruppen in Jugoslawien, die sich der nationalistischen, rassistischen und militaristischen Politik entgegenstellen. Die Militäraktionen der NATO haben fast alles, was sie erreicht haben, untergraben und gefährden ihr Überleben. Der Krieg hat die Macht des Milosevic-Regimes gefestigt, es ist im Augenblick politisch stärker als je zuvor.

Wir setzen uns ein:

  • für die sofortige Beendigung des Krieges,
  • für den Rückzug der Bundeswehr aus allen Regionen des Balkans,
  • für die Auflösung der NATO,
  • für die uneingeschränkte Aufnahme aller Flüchtlinge,
  • und fordern alle Soldaten auf, sich dem Krieg zu verweigern.

Wir rufen dazu auf, gegen den Krieg alle nur möglichen Aktivitäten zu entwickeln, z.B. auch zu Aktionen gegen beteiligte Militärbasen oder auch gegen die Kriegstreiberlnnen SPD-GRÜNE und weitere.

Erklärung des
Bremer Anti-Atom-Forum (BAAF)
am 2O.O4.I999

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Fast prophetisch mutet elf Monate später eine IMI-Erklärung zu Flugzeugen über Albanien an

Kosovo, ein Kriegseinsatz mit der Bundeswehr?

von der Informationsstelle Militarisierung

Beschluß des IMI-Aktiventreffens vom 17.06.1998: Wir meinen, es ist notwendig, zu der derzeitigen Entwicklung im und um den Kosovo Stellung zu beziehen.

Die Situation: - Im Kosovo findet seit Jahren - und das ist auch den Regierenden der westlichen Industriestaaten bekannt - durch die Behörden des jugoslawischen Staates eine sehr starke Ungleichbehandlung der Bevölkerungsgruppen statt. Kosovo-Albaner/innen werden seit Jahren stark in ihren Rechten eingeschränkt.

In dieser Reihe ist auch die Aufhebung des Autonomiestatus des Kosovo und direkte Unterstellung unter die Zentralregierung zu sehen. Vor allem zwischen serbischen Polizeieinheiten und der neu entstandenen Guerillaarmee der Kosovo-Albaner/innen `UCK' gab es in jüngster Zeit militärische Auseinandersetzungen, dabei sollen nach UNO-Angaben ca. 300 Menschen umgebracht worden sein. Die `UCK' eskaliert die Situation durch militärische Aktionen bewußt. Auch seit jüngster Zeit wurden und werden verstärkt Kosovo-Albaner/innen aus ihren Dörfern vor allem durch serbische Polizeieinheiten vertrieben. Die Regierung Jugoslawiens hat nun militärische Spezialeinheiten in den Kosovo geschickt.

Am Montag, 15. Juni 1998, fand über Albanien und Mazedonien das NATO-Manöver "DETERMINED FALCON" (,Entschlossener Falke") statt . (An diesem Manöver waren 84 Militärflugzeuge aus 13 NATO-Staaten beteiligt: Belgien (2), Dänemark (2), Frankreich (6), Deutschland (8), Griechenland (2), Italien (4), Niederlande (5), Norwegen (2), Portugal (2), Spanien (8), Türkei (4), Großbritannien (5), USA (27), 2 NATO-Militärflugzeuge wurden von multinationalen Besatzungen geflogen. Die Flugzeuge waren fast alle in Italien stationiert (Piacenza, Aviano, Ancona, Villafranca, Ghedi, etc.) die multinationalen Flugzeuge kamen aus Geilenkirchen (D).) - Die Bundeswehr war mit 8 Tornados an diesem Manöver beteiligt, eine Abstimmung im Bundestag  fand dazu - trotz der unleugbaren Eskalationsgefahr - nicht statt. Bei diesem Drohmanöver waren die Militärflugzeuge voll bewaffnet.
Die Staaten, über denen die Manöver stattfanden, Albanien und Mazedonien, sind Mitgliedsländer des NATO-Programms "Partnerschaft für den Frieden". - Am Dienstag 16. Juni sagte nun der jugoslawische Ministerpräsident Slobodan Milosevic gegenüber dem russischen Präsidenten Boris Jelzin ein Ende der militärisch-polizeilichen Übergriffe auf die kosovo-albanische Bevölkerung zu.

Wir stellen zu dieser Entwicklung fest:

  1. Das Androhen militärischer Interventionen stärkt im Kosovo die Kräfte wie die `UCK' " die eine militärische Bearbeitung des Konfliktes wollen. Zugleich werden die politischen Kräfte, die auf Verhandlungen und gewaltfreie Bearbeitungen des Konfliktes setzen wie etwa Ibrahim Rugova, geschwächt. Auch werden Positionen gestärkt, die eine Unabhängigkeit des Kosovo fordern und Positionen geschwächt, die einen Autonomiestatus wollen. Die Chancen für eine Verhandlungslösung nehmen durch die Militärmanöver weiter ab.
  2. Notwendig wären politische und wirtschaftliche Positivsanktionen, also wirtschaftliche Hilfe, wenn z.B. politische Lösungen gefunden werden. Die politische und soziale Situation in Serbien / Montenegro und insbesondere im Kosovo ist sehr problematisch. Dort ist die Stimmung in der Mehrheit der Bevölkerung nicht für einen Krieg, politisch wäre eine Autonomieregelung durchsetzbar.
  3. Die Position der US-Regierung, daß eine Militäraktion auch ohne UNO-Mandat möglich wäre, ist ein Skandal. Das bedeutet eine weitere Stärkung militärischer Strukturen (NATO) gegenüber der weiteren Schwächung weitestgehend ziviler Strukturen (UNO). (Die Argumentation, daß Staaten in die inneren Konflikte anderer Staaten militärisch eingreifen sollen, wenn dort schwere Menschenrechtsverletzungen stattfinden, muß man/frau sich in ihrer ganzen Konsequenz klarmachen: Wäre dann ein militärischer Angriff auf Großbritannien nach dem `Bloody Sunday', bei dem britische Sicherheitskräfte unbewaffnete Katholiken erschossen oder auf Südafrika während der Apartheid, "erlaubt"? Nein, hier fände ein Dammbruch statt. Friedliche Einflußnahmen, wie etwa der Boykott von Waren aus dem südafrikanischen Apartheidsregime durch viele Menschen - auch hierzulande -  sind da bessere Ansatzpunkte gewesen.)
  4. Offiziell ist die NATO nach wie vor ein "kollektives Verteidigungssystem". Diese darf nur dann militärisch agieren, wenn ein anderes NATO-Mitglied angegriffen wurde. Das ist im Zusammenhang mit dem Konflikt im Kosovo nicht der Fall. Die NATO ist inzwischen immer mehr ein politisch-militärisches Absicherungs- und Interventionsbündnis. 
  5. Die Rolle, die die Diskussion um einen Militäreinsatz in der Bundesrepublik spielt, ist fatal. Volker Rühe hält ein UN-Mandat für unnötig. Rühe (CDU) meint wohl, mit seinen Kriegstreiberparolen Wahlkampfpunkte sammeln zu können. Der SPD-Verantwortliche für diesen Bereich, Rudolf Scharping, und - in seiner typischen Schwammigkeit in der Außenpolitik - der SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder stimmen dem zu. Der zuständige Außenminister Klaus Kinkel spricht sich zwar für ein UNO-Mandat aus, will aber am liebsten eine militärische Aktion. Kinkel meinte dazu in einem Interview, das im "Heute Journal" am 16.06. 1998 ausgestrahlt wurde: "Mir wärs recht, wenn Milosevic nicht reagiert in Moskau und wenn wir nicht vorankommen, wenn wir eingreifen könnten im Kosovo, äh, da bin ich sehr dafür und äh, bei allem dabei, allerdings es muß rechtlich abgesichert sein". Das heißt also, die Bundesregierung setzt eindeutig auf militärische Aktionen, politische Lösungen werden nicht aktiv von der Bundesregierung unterstützt.
  6. Warum engagiert sich die Bundesregierung so sehr in diesem Konflikt, anders als in Guinea-Bissau und Äthiopien/Eritrea oder Kurdistan? Der Beauftragte für die Rückführung der Bosnienflüchtlinge, Dietmar Schlee, spricht Klartext: "Wir sind an einer Lösung des Kosovo-Konfliktes aber aus deutscher Sicht elementar interessiert, weil Kosovo-Albaner über Albanien direkt nach Deutschland kommen." Die Angst vor und die Abschottung gegen Flüchtlinge ist der Hauptmotivationsgrund, für die Aktivitäten der Bundesregierung. "Als der Vorschlag kam, die Flugverbindungen nach Jugoslawien zu unterbrechen, hagelte es Einsprüche. (...) Auch Innenminister Manfred Kanther wollte auf die Belgrad-Connection nicht verzichten: Nur auf dem Luftweg könne er Kosovo-Albaner aus Deutschland abschieben." (Spiegel 25/98) Und Kinkel meinte, Deutschland müsse "alles tun, damit die Flüchtlinge in der Region bleiben und nicht nach Deutschland kommen". Inzwischen diskutiert auch die NATO offiziell darüber, wie Flüchtlinge abgehalten werden könnten.
  7. Wir als Informationsstelle Militarisierung sind der Meinung, daß Militäreinsätze keine Lösung sind. Es ist notwendig, sich den Kriegsvorbereitungen in der Bundesrepublik zu widersetzen. (Die NATO plant weitere Manöver, z.B. "Central Enterprise".) Möglichkeiten wären dazu die Befehlszentralen und Stützpunkte der kriegsteilnehmenden Staaten in der Bundesrepublik. Konkret: Die Befehlszentrale für die US-Truppen in Europa, das EUCOM, befindet sich in Stuttgart-Vaihingen. Das Hauptquartier der NATO-Luftstreitkräfte (AIRCENT) ist in Ramstein. Die Koordinationsstelle für die Auslandseinsätze der Bundeswehr, das Kommando Luftbewegliche Kräfte (KLK) befindet sich in Regensburg. Die bundesdeutschen Truppenteile, die bei einem Einsatz beteiligt wären, sind Krisenreaktionskräfte der Luftwaffe. Die Flugzeuge des multinationalen Korps, die beim NATO-Manöver beteiligt waren, kamen aus Geilenkirchen.

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Dieser Krieg kommt nicht aus heiterem Himmel, er wurde über Jahre von der politischen und militärischen Führung vorbereitet

NATO und Bundeswehr im Angriffskrieg

Offiziell ist die NATO ein "Verteidigungsbündnis". Seit 24. März führt die NATO aber einen Angriffskrieg gegen Jugoslawien. Ist dies nun eine plötzliche Kehrtwendung der NATO, oder ist das die logische Fortsetzung einer länger geplanten Entwicklung?

Stragegieentwicklung zum Kriegsführungsbündnis

Immer wieder war die letzten Jahre von der "neuen NATO" die Rede. Doch die neue NATO wurde bisher "nur" in den Armeestrukturen umgesetzt oder stand auf dem Papier. Die Armeen wurden aufgeteilt in zwei Kategorien, in schnelle Eingreiftruppen (Rapid Reaction Corps oder im Deutschen Krisenreaktionskräfte [KRK]), und Truppen, die offiziell zur Landesverteidigung vorgesehen sind (Main Defense Forces oder im Deutschen Hauptverteidigungskräfte [HVK]).

Das letzte Grundlagenstrategiepapier der NATO wurde 1991 verabschiedet. Genau einen Monat nach dem Beginn des ersten Angriffskriegs der NATO wird sich die NATO am 24.April 1999 in Washington selbst feiern, die NATO wird 50. Rechtzeitig zum Geburtstag wurden drei neue Mitglieder aufgenommen: Polen, Tschechien und Ungarn. Doch zentraler als die Aufnahme der neuen Mitglieder ist die Verabschiedung einer neuen NATO-Strategie. (vgl. GWR Februar 1999)

Im nichtöffentlichen Strategiepapier der NATO wird die Entwicklung von 1991 weiter fortgesetzt: Weitere Verstärkung der Krisenreaktionskräfte und der weitere Aufbau von Kampfeinheiten.

Beispiele für solche Kampfeinheiten sind die US-amerikanischen Marines oder das deutsche Kommando Spezialkräfte (KSK). Diese Einheiten stehen für die NATO des kommenden Jahrtausends: Ein Kampf- und Kriegsführungsbündnis. Dissens zwischen den NATO-Staaten ist bislang lediglich, mit welcher regionalen Zielsetzung die Interventionsfähigkeit der NATO ausgebaut werden soll. Konkret: Frankreich will eine Stärkung des europäischen Pfeilers (Vgl. GWR März 1999), die USA wollen die NATO zu einem weltweiten Interventionsbündnis ausbauen, die neue deutsche Regierung will die Interventionsfähigkeit ebenfalls ausbauen will aber Deutschland "lediglich" für Interventionen in Europa zuständig sehen. Umstritten ist auch, ob es eine feste Definition von "Interessenssphären" geben soll oder ob das von Fall zu fall entschieden werden soll. Unumstritten ist aber der Ausbau der Interventionsfähigkeit.  Die NATO wird damit endgültig zum Kriegsführungsbündnis. Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien ist also eine konsequente Umsetzung der geplanten neuen NATO-Strategie.

Die Frage, warum wird dieser  Angriffskrieg geführt, kann also auch damit beantwortet werden, daß die neue NATO-Strategie jetzt schon mal getestet werden soll. Die NATO muß dringend zu ihrem 50. Geburtstag wieder für die Opposition in diesem Land Thema werden. Die NATO ist nach offiziellem Sprachgebrauch ein "Bündnis von Staaten mit gemeinsamen Werten". Diese gemeinsame Werte sind gemeinsame militärische Absicherung des Wohlstandes (gegen den Süden) und die Durchsetzung militärischer, geostrategischer Interessen mit allen verfügbaren Mitteln. Laßt uns die NATO auf allen Ebenen politisch angreifen!

Die Bundeswehr im Angriffskrieg

Die Bundeswehr ist jetzt im Krieg. Bundeswehr-Tornados beteiligen sich an einem Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien. Diese Kriegsbeteiligung kommt nicht aus dem heiteren Himmel, sie wurde über Jahre von der politischen und militärischen Führung vorbereitet.

Salamitaktik, die Salami ist gegessen...

Seit dem Ende des kalten Krieges wurde mit einer Salamitaktik die Einsatzoptionen der Bundeswehr Stück um Stück ausgebaut. Auslandseinsätze "ohne militärischen Sinn" (so Bundeswehroffiziere) wie Kambodscha oder Somalia waren dazu da, um die deutsche Bevölkerung in kleinen Dosierungen an eine Bundeswehr zu gewöhnen, die weltweit eingesetzt wird. Mit dem Begriff "humanitärer" Hilfe wurde der Bevölkerung eingebleut, Militär sei dazu da, Menschen weltweit in Krisen und Konflikten zu helfen. Ziel der Salamitaktik der Bundeswehrführung war aber immer eine Bundeswehr, die in Kampf- und Kriegseinsätze geschickt werden kann, ohne daß daheim eine Bevölkerung dagegen aufsteht. Der ehemalige Militärminister Volker Rühe und sein damaliger Generalinspekteur Klaus Naumann haben diese Veränderung der alten Bundeswehr, die offiziell zur Landesverteidigung da war hin zur neuen Bundeswehr mit Kampf- und Kriegseinsatzoptionen Schritt für Schritt umgesetzt.

Den letzten Schritt zum Kriegseinsatz selbst blieb aber der schwarz-gelben Bundeswehrführung versagt, diesen letzten Schritt setzte die neue rot-grüne Bundesregierung um. Durch den (falschen) Eindruck, hier seien Menschen an der Regierung, die früher einmal für die Positionen der Friedensbewegung standen, bekam die Zustimmung für konkrete Kriegseinsätze eine höhere Legitimation. Kriegsminister Rudolf Scharping durfte nun das letzte Stück der Salami abbeißen und in den Krieg ziehen. Wichtig ist neben der schrittweisen Veränderung der Bundeswehr selbst auch die orwellsche Sprachveränderung. Es ist in den klassischen Medien bei den Kriegstruppen immer von "Friedenstruppen" die Rede. "Krieg ist Frieden", meinte schon George Orwell.

Angriffskrieg - gegen alle
selbstaufgestellten Regeln wie
Grundgesetz, Völkerrecht und Strafrecht

25.03. - einen Tag nach dem Kriegsbeginn durch die NATO - hatte ich im Rahmen der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 - 1944" in Saarbrücken eine Podiumsdiskussion mit einem Oberstleutnant der Bundeswehr zum Thema "Bundeswehr und Tradition". Im Vorgespräch meinte Oberstleutnant Diefenbach: "Jetzt haben wir eine hohe Zustimmung für die Militäreinsätze in der Bevölkerung - nur die rechtlichen Voraussetzungen fehlen noch". Diefenbach traf damit den Nagel auf den Kopf. Die Bundeswehr beteiligt sich an einem Angriffskrieg, der nach dem Grundgesetz und dem Strafgesetzbuch verboten ist. Im Grundgesetz heißt es: "Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen." (Art. 26, 1 GG). Im Strafgesetzbuch wird das dann konkretisiert: "Wer einen Angriffskrieg, an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll, vorbereitet und dadurch die Gefahr eines Krieges für die Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft." (§ 80 StGB)

Der Angriffskrieg der NATO verstößt also eindeutig gegen das Grundgesetz und das Strafgesetzbuch. Würde dieser Staat ein Staat sein, in dem gleiches Recht für alle gilt (was ja gar nicht geht), müßte die Bundesregierung mit Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Rudolf Scharping festgenommen und verurteilt werden. Wir alle wissen, daß das nicht der Fall sein wird. Das hängt damit zusammen, daß der Staat für sich das Gewaltmonopol proklamiert und damit natürlich auch die Definitionsgewalt dessen, was rechts- und grundgesetzwidrig sei. Sie halten sich - wieder mal - offensichtlich nicht an die Regeln, für die sie selbst immer vorgeben zu handeln. Formaljuristisch sitzen damit ungesühnte Verbrecher an der Regierung, ein Aufgabengebiet für diejenigen, die noch an das Grundgesetz und dessen Umsetzung glauben.

Die Bundeswehr
im Krieg - konkret (Einheiten etc.)

Frage ist nun, mit welchen Einheiten die Bundeswehr sich am Angriffskrieg der NATO beteiligt. Dies sind bisher: 5.500 Soldaten, davon sind 3.000 im Aufmarschgebiet der NATO, in Mazedonien stationiert. Die Speerspitze für die NATO-Luftangriffe sind acht ECR-Tornados vom Jagdbombergeschwader 32 in Lechfeld bei Landsberg (Oberbayern), sie sind in Piacenza (Italien) zusammen mit sechs Aufklärungstornados vom Geschwader 51 in Jagel (Schleswig-Holstein) stationiert. Die ECR-Tornados werden von zwei Soldaten geflogen und sind mit sogenannten HARM-Raketen (Highspeed Anti Radiation Missile) bestückt. Die ECR-Tornados praktizieren die "Vorneverteidigung": "Gegnerische Radaranlagen anpeilen, deren Leitstrahl blitzschnell zurückverfolgen und die Anlage des Gegners zerstören." Insgesamt sind in Piacenza 350 Bundeswehrsoldaten, darunter Techniker, Nachschubexperten, Sanitäter und Küchenpersonal.

Für den noch ausstehenden Bodeneinsatz der Bundeswehr sind 800 Soldaten vorgesehen, die mit rund 30 schweren Kampfpanzern vom Typ "Leopard" und etwa 20 Schützenpanzern "Marder" eingreifen sollen. Davon sind 260 Soldaten der 10. Panzerdivision aus Sigmaringen (Baden-Württemberg), diese sind bereits in Mazedonien. Insgesamt stellt die 10. Panzerdivision aus Standorten in Baden-Württemberg und Bayern 1.500 Soldaten ab, von denen sich schon gut 1.000 in Mazedonien aufhalten. 300 Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 571 aus Schneeberg im Erzgebirge sind ebenfalls für den Kosovo-Einsatz fest eingeplant, sie sind ebenfalls im Aufmarschgebiet in Mazedonien. "Die Einheit ist für den Einsatz in extrem schwierigen Gelände und unter Winterbedingungen ausgebildet." Eine Logistikeinheit für "Instandsetzung und Transport" kommt aus Delmenhorst in Niedersachsenm, auch diese Kompanie mit 131 Soldaten ist bereits vor zwei Wochen nach Mazedonien verlegt worden.

Vorbereitet für den Kriegseinsatz wurden die Soldaten im Ausbildungszentrum für Auslandseinsätze der Bundeswehr, dem unterfränkischen Hammelburg. Dort wurden seit 1993 mehr als 30.000 Soldaten auf ihren Kriegseinsatz vorbereitet. "Bis zu 600 Soldaten durchlaufen pro Woche ein Spezialtraining, wozu eine verstärkte Schießausbildung, das Erkennen von Minenfeldern und eine Schulung bei drohender Geiselnahme gehören." 

Für Aktionen!

Die Kriegsmaschinerie läuft, Bundeswehrsoldaten sind höchstwahrscheinlich zu Mördern geworden. Kurt Tucholsky hatte mit seinem Text "der bewachte Kriegsschauplatz" absolut recht. Nun treffen seine Aussagen auch auf Bundeswehrsoldaten zu.

Wichtig erscheint mir neben Protestaktionen in den Städten, sich auch direkt mit den kriegsführenden Bundeswehreinheiten auseinanderzusetzen. Die Stationierungsorte der Kriegseinheiten bieten sich an als Orte für direkte gewaltfreie Aktionen oder für Protestaktionen (s.o.).

Mai 1999, Deutschland im Angriffskrieg, Widerstand und Protest ist notwendig. Halten wir es mit Erich Kästner: "Es gibt nichts Gutes außer man (und frau!) tut es!"

Tobias Pflüger
Vorstandsmitglied der Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V.

Kontaktadresse:
IMI
Burgholzweg 116/2
72070 Tübingen
Telefon und Fax: 07071-49154 und 49159
IMI@gaia.de
http://www.umb.de/ph/imi/index.htm
privat:
topf@iname.com
http://www.topf.notrix.de

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Alle Tage

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.

Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.

Er wird verliehen
für die Flucht vor den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.

Ingeborg Bachmann, 1926-1973

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Wie man aus dem eigenen Versagen eine Tugend macht

Auschwitz im Kosovo

In Deutschland «auschwitzt» es mal wieder. Ein grüner Aussenminister und  ein roter Verteidigungsminister rekrutieren mit grösster Emphase deftiges  Vokabular, um den Einsatz deutscher Kampfflugzeuge im Kosovo zu  rechtfertigen vor einer Öffentlichkeit, die sich - zumindest teilweise -  leicht verwundert ob der Selbstverständlichkeit, mit der bombardiert wird.  Der Aussenminister erklärt: «Ich habe nicht nur gelernt: Nie wieder Krieg.  Sondern auch: Nie wieder Auschwitz.» Er spricht von «Milosevics SS». Der  Verteidigungsminister redet von «Selektionen»; und die Regierung, der  beide Minister angehören, berichtet von serbischen «Konzentrationslagern».

Nicht von ungefähr meinte Frank Schirrmacher in der «FAZ»: «Dieser Krieg  wird in Deutschland, anders als in anderen Ländern, fast ausschliesslich  mit Auschwitz begründet. Und vielleicht stimmt es ja, und die deutschen  Tornados im Himmel über Jugoslawien bombardieren in Wahrheit nicht die  Serben, sondern die deutsche Wehrmacht von 1941.» (FAZ, 17.4.99) Das  suggeriert Instrumentalisierung des Holocaust, und prompt ruft denn  Schirrmacher jüngst Vergangenes wieder in Erinnerung: «"Auschwitz eignet  sich nicht zur Instrumentalisierung", hatte Martin Walser vor genau sechs  Monaten in der Paulskirche gesagt. Er ist für diesen Satz wie kaum je ein  Schriftsteller in der Bundesrepublik attackiert worden. Jetzt, kein halbes  Jahr später, dient Auschwitz zur Begründung eines Krieges.»

Die grassierende Instrumentalisierung der Shoa zu fremdbestimmten Zwecken  stellt ohne Zweifel eines der gravierenden Probleme der Holocaust- Rezeption in Ländern wie Deutschland, Israel und den Vereinigten Staaten  dar. Ob freilich Martin Walser der angemessene Kronzeuge für die Anmahnung  der daran zu übenden Kritik sei, mag durchaus bezweifelt werden. Denn sein  Zugang zum Problem mündete letztlich in eine - angesichts der Monstrosität  des zu Gedenkenden - aberwitzig anmutende, öffentliche Bekundung  narzisstischer Kränkung, in eine Ideologie des Wegschauens von der  «Dauerpräsentation unserer Schande». Da er dabei die Kritik der  Instrumentalisierung zur Abrechnung mit gewissen deutschen Intellektuellen  und den Medien benutzte, erwies sich seine eigene Kritik als eine weitere  Instrumentalisierung dieses immer schon medienwirksamen «Themas».

Eher zu denken geben müsste der offene Brief jüdischer Überlebender des  Holocaust und von Mitgliedern der Vereinigung der Verfolgten des Nazi- Regimes, in welchem sie Fischer und Scharping vorwerfen, sie würden den  Kosovo-Krieg in ungerechtfertigter Weise mit der Forderung «Nie wieder  Auschwitz» begründen. Das bedeute eine «Verharmlosung des in der  bisherigen Menschheitsgeschichte einmaligen Verbrechens» (Tagesspiegel,  24.4.99).

Nun lässt sich freilich die Instrumentalisierung des Holocaust nie ganz  vermeiden. Da Vergangenes stets von gegenwärtigen Bedürfnissen,  Sichtweisen und Interessen vereinnahmt wird, ist auch dieses (wie immer  singuläre) welthistorische Ereignis nicht davon ausgenommen. Und dennoch  lassen sich auch hierin Unterscheidungen treffen: Die Singularität des  Holocaust kann dahingehend enthistorisiert werden, dass man sie zur Abwehr  jeden Vergleichs benutzt, mithin die Monstrosität aktueller  Gewaltverbrechen relativierend entsorgt.

Die Einzigartigkeit des Holocaust kann aber auch zum Massstab einer  zivilisatorisch stets fortwährenden Tendenz zur immer monströser werdenden  Unterdrückung und Gewalt erhoben werden, womit gerade das einzigartig  Geschehene zur permanenten Warnung vor der immer lauernden Drohung des  Rückfalls in die Barbarei «instrumentalisiert» wird. Der Unterschied liegt  darin, dass die zweite Möglichkeit (zumindest vom Ansatz her) der Opfer  «im Stande ihres Opferseins» gedenkt, also das Andenken der historischen  Opfer dadurch ehrt, dass sie die Logik ihrer einstigen Situation zum Hebel  der Verhinderung jetziger potentieller Opfer «vereinnahmt». Während  Joschka Fischer sich genau darauf beruft, ist davon bei Walser, der den  Holocaust angeblich nicht instrumentalisiert haben möchte, nichts  übriggeblieben.

Und dennoch instrumentalisieren auch Fischer und seine Kollegen den  Holocaust, wenn sie ihn zur Begründung des jetzigen Krieges heranziehen,  aber in einem ganz anderen Sinn als der von Schirrmacher bzw. den  Überlebenden angesprochene. Mario Vargas Llosa schreibt in der «FAZ» vom  20.4.99: «Der Nato ist nicht ihre Intervention in Jugoslawien vorzuwerfen,  sondern dass sie mit zehnjähriger Verspätung eingriff ( ... ). Das gab der  Diktatur in Belgrad grünes Licht, um mit ihrem Vorhaben ethnischer  Säuberungen im Kosovo zu beginnen.» Es lässt sich nicht eindeutig  bestimmen, ob bzw. dass die Nato hätte vor zehn Jahren in Jugoslawien  eingreifen können oder sollen. Ganz gewiss ist hingegen, dass dem Westen  (darunter auch Deutschland) das Auseinanderbrechen des Staatenbundes  Jugoslawien, allgemeiner: die kleinstaatliche Fragmentierung und ethnische  Parzellierung des Balkans, des ehemaligen Ostblocks überhaupt, vor allem  aber der Sowjetunion, nicht schnell genug vonstatten gehen konnten.  Manifestierte sich darin doch der endgültige Sieg im Kalten Krieg, die  wirkliche Zerschlagung der siebzig Jahre währenden «Bedrohung aus dem  Osten».

Ob man dabei nicht wusste, was die erneute (ethnische) Zersplitterung des  Balkans nach sich ziehen würde - historisch gesehen: nach sich ziehen  musste -, soll hier nicht weiter erörtert werden. Der Westen,  selbstgefälliger Herr am «Ende der Geschichte», war - selbst wenn er daran  kein bewusstes Interesse hatte - jedenfalls objektiv verstrickt in die  Schaffung von Voraussetzungen für das alsbald in der Tat eintretende  Gemetzel. Mario Vargas Llosa meint: «Hätten die westlichen Länder in  diesem Moment (vor zehn Jahren, M.Z.) jene Demokraten unterstützt, die  sich in Jugoslawien gegen den strammen Apparatschik wehrten, dann wären  Europa die zweihunderttausend Toten in Bosnien und das Leid, das seitdem  auf dem Balkan herrscht, auch das der Serben, erspart geblieben.»  Offensichtlich geht er davon aus, dass sich «die westlichen Länder» zu  jener Zeit wirklich nicht darum scherten, was für Auswirkungen die  Befriedigung ihrer Interessen auf dem Balkan hatten.

Sie scherten sich darum ungefähr so, wie sie sich um die möglichen Folgen  der von ihnen zuvor massiv betriebenen Aufrüstung Saddam Husseins geschert  hatten. Als dann aber die mitverschuldeten Folgen manifest wurden, als  sich herausstellte, dass da etwas «Unplanmässiges» vorgefallen und  Handlungsbedarf entstanden war, da wurde der Westen flugs «moralisch». Und  was kann schon moralischer sein als das Postulat: «Nie wieder Auschwitz»? Das ist ideologisch im übelsten Sinne des Wortes: die Rationalisierung  eigener Mitschuld am Verbrechen durch «moralische» Verklärung, die  Vertugendung eigenen Versagens. Ob sich Auschwitz für solche Zwecke  eignet, darüber werden Aussenminister Fischer und seine Kollegen früher  oder später Rechenschaft ablegen müssen.

Moshe Zuckermann

aus : Die Weltwoche, 29. April 1999

Moshe  Zuckermann ist Historiker in Tel Aviv.
Sein letztes Buch, «Zweierlei Holocaust», erschien im Wallstein-Verlag, 1998

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Der schleichende Übergang zu Bodentruppen... oder die NATO auf dem Weg nach Vietnam

Bodenkrieg

Sie schlittern weiter, die NATO-Oberen. "Keine Bodentruppen", ein Dementi, das keiner mehr glaubt. Der Bodenkrieg schleicht in drei Bereichen heran:

Der Bodenkrieg aus der Luft.

Seit dem 22. April sind die Apache-Hubschrauber des US-Heeres in Albanien stationiert. Die Süddeutsche Zeitung kommentierte die Stationierung mit dem Begriff "Bodenkrieg aus der Luft". In der militärischen Funktion sind die Apache-.Hubschrauber der deutsch-französischen Kampfhubschrauber-Entwicklung Tiger ähnlich: "Gut geeignet für Flächenbombardements aus niedriger Höhe", ausgerüstet mit Waffen mit spezieller Durchschlagskraft, u.a. auch mit Munition mit abgereichertem Uran. (Zur Uran-Munition: Der Metallkern dieser Uran-Panzergranaten besteht aus abgereicherten Uran, das besonders hart und außerdem brennbar ist. Beim Einschlag wird Radioaktivität freigesetzt, die sich als strahlende Wolke verbreitet Eingesetzt werden diese Urangranaten neben den Apache-Hubschraubern auch von US-Kampfflugzeugen vom Typ A-10.) Die Apache-Hubschrauber werden von 2.000 Heeres-Soldaten  aus dem mittelfränkischen Illesheim begleitet.

Die Elitekampfeinheiten

Von den Kernstaaten der NATO sind eine ganze Reihe von Sonderkommandos im Einsatz um Jugoslawien herum. Stützpunkte sind in den Aufmarschgebieten der NATO, in Bosnien-Herzegowina und in Mazedonien. Die USA, Großbritannien und Frankreich haben dort etwa tausend Kommandotrupps stationiert. "Zu deren wichtigsten Aufgaben gehört es, mit Erkundigungen auf feindlichem  Gebiet Luftangriffe oder auch die Ankunft von Bodentruppen vorzubereiten. Die  Vorauskommandos am Boden ergänzen die Informationen über Angriffsziele, die bei bemannten und unbemannten Aufklärungsflügen oder durch Spionagesatelliten  gesammelt wurden", so das ZDF. Von britischer Seite ist der "Special Air Service" (SAS) vor Ort, von französischer das "Commandement des opérations spéciales" (COS) und die US-Marine-Truppe namens Seal (Sea Air Land). Welche Aufgaben sie haben kann nur spekuliert werden, ich rechne aber damit, daß erste Einsätze hinter den feindlichen Linien schon stattgefunden haben. Auch Deutschland hat seit 1996 eine solche Spezialtruppe, das Kommando Spezialkräfte (KSK) aus Calw, sie ist allerdings noch nicht im Kriegsumfeld. Doch was nicht ist wird wohl demnächst.

Die Chamäleon-Einheiten oder von "humanitären" Truppen zu Kämpfern

Robert Burns von AP schrieb es in der Frankfurter Rundschau ganz deutlich: "Auch wenn ein Teil der derzeit auf dem Balkan stationierten NATO-Soldaten vornehmlich mit humanitären Hilfsleistungen beschäftigt ist oder sich auf einen Einsatz in einem späteren Friedenskontingent vorbereitet, könnten diese Einheiten doch die Vorhut einer Invasionsstreitmacht bilden. Vorausgesetzt, die NATO-Führung beschließt, daß sie ihre Ziele nur noch mit dem Einsatz von Bodentruppen erreichen kann." 12.000 Soldaten der NATO sind derzeit in Mazedonien stationiert. Dazu kommen die ca. 2.000 bis 8.000 in Albanien und die SFOR-Truppen in Bosnien-Hercegovina stationierten Truppen, alles enbenfalls Chamäleon-Einheiten, sie sind ebenfalls "umwandelbar". 

Bodentruppen was ist das?

Aber was versteckt sich hinter dem Begriff "Bodentruppen" genau? Ich will es eigentlich nicht schreiben. Denn leider war bisher die Erfahrung, daß wir mit unseren Prognosen leider immer recht behielten. Hinter dem Begriff Bodentruppen verbirgt sich der Einsatz von 200.000 bis 300.000 NATO-Soldaten. Lothar Rühl, früherer Staatssekretär im "Verteidigungs"ministerium und heute Professor an der Universität Köln hat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) geschrieben, daß der derzeitige NATO-Oberbefehlshaber Wesley Clark 200.000  bis 300.000 bei einer Landoperation für ganz Serbien bräuchte. Rühl ist das zu viel des Guten, deshalb fordert er "den Luftkrieg wirken zu lassen", "dann wird die NATO den Krieg gewinnen", "auch ohne daß sie eine ganze Armee gegen Jugoslawien einsetzt, wohl aber mit dem Einsatz von Bodentruppen zum gegebenen Zeitpunkt, mit oder ohne Waffenstillstand zuvor."

Bodentruppen bedeutet direkter Krieg in Jugoslawien, Totalzerstörung des Landes, Kampf und Krieg auf Jahre und auch Tote auf NATO-Seite. So werden Bundeswehr-Soldaten von höchstwahrscheinlichen Mördern (durch den Abwurf von Bomben auf Jugoslawien) wohl auch zu Füllmaterial für Zinksärge.

Kämpfen wir dafür, daß es nicht zu einem Bodenkrieg kommt. Die Zustimmung an der Heimatfront bröckelt. Laßt uns weiter daran arbeiten, mit Argumenten und Aktionen, daß dieser Krieg beendet wird!

Tobias Pflüger

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Die NATO wendet durch gezielte Bombardierung Methoden und Techniken der ökologischen Kriegsführung an.

Stummer Giftgaskrieg in Jugoslawien

Der Kosovo-Krieg ist, wie der Verlauf in den ersten fünf Wochen zeigt, wie vorher bereits der Vietnam- und der Golfkrieg auch ein Krieg gegen die Umwelt geworden. Dahinter steht die Logik der Nato-Militärs, dass die Umwelt des Gegners - also unausweichlich auch die der Zivilbevölkerung -zerstört oder schwer geschädigt werden darf, wenn dieser vernichtend geschlagen werden soll.

Fast unglaublich scheint es da, dass die Nato tatsächlich die erste Organisation im internationalen Politikmanagement war, die versuchte, einen Handlungsrahmen zur Bewältigung der "weltumspannenden ökologischen Krise" zu entwickeln. Bereits 1969, anlässlich seines 20jährigen Bestehens, beschloss das Bündnis, "dass die Nato bei der Schaffung einer menschenwürdigen Umwelt" einen "bedeutsamen Beitrag" leisten werde. Einen Monat nach Beginn des Kosovo-Krieges ist allerdings offensichtlich, dass die Nato den Naturhaushalt Jugoslawiens zur Erreichung ihrer Kriegsziele missbraucht. 1975, nach Beendigung des Vietnamkrieges, in dessen Verlauf die US-Streitkräfte die "ökologische Kriegsführung" zum ersten Mal in der Kriegsgeschichte zum integralen Bestandteil einer Militärstrategie gemacht hatten, verabschiedeten die Vereinten Nationen zwei Völkerrechtsgesetze, die diese Art der Kriegsführung und die Umweltzerstörung durch Kriegshandlungen verbieten. Der bewusste Verstoss gegen Kriegsrechtsnormen wird darin zum "Kriegsverbrechen" erklärt. Die Frage ist damit, ob sich die Alliierten im Rahmen ihrer Operation "Allied Force" humanitärer und ökologischer Verbrechen schuldig machen.

,Öko-Krieg" und "Umweltkrieg" charakterisieren unterschiedliche ökologische, militärische und kriegsrechtliche Realitäten. Um "ökologische Kriegsführung" handelt es sich, wenn kriegführende Parteien die Natur zu "militärischen oder sonstigen feindseligen Zwecken als Mittel der Zerstörung, Schädigung oder Verletzung eines anderen Vertragsstaates nutzen" (Artikel 1 des Umweltkriegsverbots-Vertrags). Beispiele sind etwa die gezielte Zerstörung von Staudämmen oder die Entlaubung von Bäumen wie im Vietnam-Krieg. Von einem "Umweltkrieg" spricht man, wenn nicht nur die Umwelt-Medien wie Wasser, Boden oder Vegetation, sondern auch die Zivilbevölkerung, ihre Volkswirtschaft und ihre Kulturgüter angegriffen werden. Im ersten Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen von 1977 wird der sachliche und kriegsrechtliche Zusammenhang zwischen Öko-Krieg und Umweltkrieg hergestellt.

Eine vorläufige Bilanz des Balkankrieges ergibt, dass Methoden und Techniken der ökologischen Kriegsführung bislang nur von der Nato angewendet werden. Direkte Schäden hat die Nato durch Bomben- und Raketenangriffe auf Anlagen verursacht, die gefährliche Stoffe enthalten: Erdölraffinerien, Pipelines, Tanklager, Verladestationen, Werke der chemischen und pharmazeutischen Industrie, Ammoniak-, Düngemittel- und Pflanzenschutzfabriken, Sprengstoffabriken und Munitionsdepots. Umweltschäden können aber auch durch den Einsatz bestimmter Waffen, etwa des US-Kampfflugzeugs vom Typ A-10 und des Kampfhubschraubers vom Typ Apache entstehen, die ihre Ziele mit Munition beschiessen, die abgereichertes Uran enthält (DU-Munition). Trifft ein DU-Geschoss das Ziel, wird ein grosser Teil der kinetischen Energie als Hitze abgeleitet. Daraus ergibt sich Rauch, der eine hohe Konzentration von Uranteilchen enthält, die giftig sind. Nach der Explosion binden sich die Uranpartikel in der Luft mit Staub und können später in die Nahrungskette und ins Trinkwasser gelangen. Russ-, Staub- und Dampfwolken mit ihrem Gemisch aus Stickoxiden, Schwefel-und Salpetersäuren, krebserzeugenden Kohlenwasserstoffen, giftigen Uranpartikeln und ultragiftigen Dioxinen schlagen sich im Umfeld der Angriffsziele im Naturhaushalt der Region nieder.

Zur Zeit kann zwar niemand wissen, ob sich nun - dies wären realistische Werte - 200 oder 500 Milligramm je Quadratmeter von diesem hochgiftigen Gemisch in Wohngebieten, Erntegürteln, Wäldern, Flüssen und Seen ablagern; Messungen werden in der derzeitigen Situation nicht gemacht. Klar ist jedoch, dass die Nato inzwischen auf jugoslawischem Territorium einen "stummen Giftgaskrieg" führt. Er wurde nicht durch den Einsatz von Giftgaswaffen ausgelöst, sondern durch die Bombardierung von Anlagen, von denen den Kriegsplanern bekannt war, dass sie gefährliche Stoffe enthielten. Der Einfluss der giftigen Gase kann bereits nach wenigen Tagen die Gesundheit der Zivilbevölkerung in der Umgebung der zerstörten Anlagen gefährden. Vor allem in Städten wie Belgrad, Pancevo, Novi Sad, Subotica oder Krusevac wurden Tausende von Menschen den Giftwolken ausgesetzt. Es ist zu befürchten, dass viele von ihnen chronisch erkranken.

Ein zweiter kriegsökologischer Zyklus entwickelt sich durch die Zerstörung ziviler Infrastruktursysteme. In sämtlichen grösseren oder strategisch wichtigen Städten wurden systematisch Ver- und Entsorgungseinrichtungen, Kommunikations- und Verkehrssysteme und wichtige Brücken zerstört, aber auch Krankenhäuser, Schulen, Universitäten und Wohngebiete beschädigt. Die Wasser- und Stromversorgung für mehr als eine Million Menschen ist erheblich gestört. Verschärft werden die Probleme durch enorme Schäden in der Agrarproduktion. Wegen des Mangels an Saatgut, Düngemitteln und Treibstoff dürfte in Jugoslawien weitaus weniger Getreide, Mais und Gemüse angebaut werden als in den Vorjahren. Die Wirtschaftsleistung Jugoslawiens war bereits 1998, also vor dem Krieg, auf nur die Hälfte des Wertes von 1989 geschrumpft. Nach Berechnungen österreichischer Ökonomen ist das heutige Pro-Kopf-Einkommen auf den Stand von 1900 (!) zurückgefallen. Sie sagen ein weiteres Absinken der Wirtschaftsleistung in Serbien um 25 Prozent voraus, wobei die jüngste Zerstörung von Produktionsstätten und Infrastruktur noch gar nicht berücksichtigt ist. Deshalb erwarten die Ökonomen, dass es nach Ende des Krieges eine weitere Auswanderungswelle geben wird - diesmal aus Serbien.

Der Balkankrieg bestätigt die Lehre aus dem Golfkrieg, dass Kriege, die mit den Waffenarsenalen geführt werden, die in der Zeit des Kalten Krieges aufgebaut wurden, den Charakter von Umweltkriegen annehmen müssen. Spätestens hier erweist sich die Absurdität der Rechtfertigungskonstrukte vom "gerechten" und vom "humanitären" Krieg. Kriege, die wegen ihrer Konzeption notwendigerweise die universellen Grundsätze der humanitären und ökologischen Vernunft pervertieren, bleiben Verbrechen gegen den Weltfrieden und die Menschlichkeit.

Knut Krusewitz

Der Autor ist "Umwelt- und Friedensforscher" an der Technischen Universität Berlin.
Sein Beitrag erschien in der Frankfurter Rundschau am 29.4.99

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Kommunique: Umweltschutzorganisationen mit peinlichen Positionen

Position zu Umweltschutz und Krieg

Mit einer eindeutigen Position tritt die Gruppe Landfriedensbruch den von verschiedenen Umweltorganisationen geäußerten Stellungnahmen entgegen: "Wer einen Krieg nur ablehnt, weil dabei auch die Umwelt zerstört wird, zeigt, daß er mit ökologischen Scheuklappen arbeitet!" heißt es in der Gruppe, die sich selbst als Finger in den Wunden der etablierten Umweltbewegung bezeichnet. Kritisiert wird das lange Schweigen der meisten Umweltorganisationen sowie die Stellungnahmen der letzten Wochen, in denen dann die Umweltzerstörung im Vordergrund stand. "Kein Wort zur Frage der Herrschaftsverhältnisse, der Menschenrechte und der Grausamkeit des Kriegs als Mittel der Hegemonialpolitik!" heißt es in der Erklärung der Gruppe Landfriedensbruch. "So würden die Umweltverbände ihrer dunklen Vergangenheit ein neues Kapitel hinzufügen. Schon nach dem ersten Weltkrieg wurden Generäle Ehrenmitglieder, weil der Krieg die deutsche Natur nicht zerstörte. Auch die Nazis waren immer FreundInnen der etablierten Umweltverbände".

Die Gruppe Landfriedensbruch fordert einen durchgreifenden Bruch mit den Traditionen des Umweltschutzes, der sich immer von oben organisierte und dem der Staat als wichtigste Umsetzungsebene erschien. "Das Zögern der konsequenten Verdammung des Krieges zeigt, daß viele UmweltschützerInnen die Selbstbestimmung der Menschen nicht wichtig finden!", kritisiert die Gruppe und fordert, daß es notwendig sei, einen emanzipatorischen Umweltschutz zu entwickeln, der künftig die Selbstbestimmung der Menschen und den Schutz der Natur sowie der für ein selbstbestimmtes Leben notwendigen Lebensgrundlagen der Menschen immer auch zum Ziel des Umweltschutzes macht. "Umweltschutz muß zum Bestandteil eines Ringes für eine Gesellschaft von unten werden!" heißt es in der Gruppe Landfriedensbruch. Dazu gehört die klare Opposition zu jeder Form von Herrschaft, d.h. auch seiner schlimmsten Form, dem Krieg.

Gruppe Landfriedensbruch
c/o Ökoladen
Madamenweg 168
38 118 Braunschweig

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Auszug aus einer Rede, die am Tschernobyl-Jahrestag vor dem Zwischenlager Gorleben gehalten wurd

Stichwort "Friedenspolitik"

Vor 13 Jahren geschah Tschernobyl. Vor 34 Tagen begannen die Nato-Bombardierungen auf Serbien. Auf den ersten Blick mag ein Zusammenhang abwegig erscheinen. Aber er könnte direkter nicht sein.

Mit der Bombardierung von Belgrad, wo sich zwei Atomforschungsreaktoren und ein Atommüllzwischenlager im unmittelbaren Zielgebiet befinden, ist das Restrisiko einer großflächigen radioaktiven Verseuchung mit vielen Opfern noch einmal gestiegen. Selbst nach offiziellen NATO-Angaben beträgt die Abweichungstoleranz der eingesetzten Marschflugkörper 5 Prozent.

Hinzu kommt der geplante Einsatz von sogenannter Uranmunition durch NATO-Truppen.  US-amerikanische Apache-Hubschrauber und A-10 Bomber können 4.000 Urangeschosse pro Minute abfeuern. Die US-Streitkräfte verarbeiten für die Projektile abgereichertes Uran, ein Abfallprodukt der "zivilen" Atomindustrie. 560.000 t davon lagerten bislang ungenutzt in den USA.  Nach einem Treffer verwandelt sich das abgereicherte Uran-238 in Uranoxidpulver. Jedes Projektil enthält allein 272 g des giftigen Schwermetalls.  "Wenn derartiger Uran-Staub  eingeatmet wird oder über Wunden in die Blutbahn gelangt, wirkt die ansonsten schwache Alpha-Strahlung direkt auf die Zellen." 780.000 Schuß der Uran-Munition sollen die US-Streitkräfte im Irak-Krieg abgegeben haben.

Bis heute leugnen Regierungsstellen, daß das Golfkriegssyndrom mit 4.000 Todesfällen in den US-Streitkräften und 160 Toten bei den Briten durch die Uran-Munition verursacht sein könnte. Bei Zivilisten und 84.000 Golfkriegsveteranen  im Irak wurden die gleichen Symptome festgestellt: Mißbildungen bei Neugeborenen, Schädigungen des Immunsystems, Krebs,Funktionsstörungen von Nieren und Leber. Greenpeace meldete, daß in Schottland rund um den Schießplatz Dundrennan, wo die Briten ihre Uran-Munition erproben, die höchste Rate von Leukämie unter Kindern festgestellt wurde. Entsorgungsfirmen sollen sich geweigert haben, Gebiete in Kuwait von den Uran-Resten zu säubern.

Wohin sollen denn bitteschön die Kosovo-Flüchtlinge zurückkehren, wenn ihr Land großflächig verstrahlt wird? Dieser Fall beweist eindringlich: Sowenig wie es eine ´zivile Nutzung der Atomkraft´ gibt, kann es einen ´humanitären Krieg´ geben! Die Bombardierung von Düngemittelfabriken, Raffinerien und anderen chemischen Anlagen im ehemaligen Jugoslawien hat in den vergangenen Wochen zu Tod und Flucht von vielen Zivilisten geführt. Die damit einhergehende langfristige Verseuchung der Umwelt wird in Zukunft eine hohe Zahl an Opfern, sowohl unter der kosovarischen wie unter der serbischen Zivilbevölkerung, fordern.

Ganz abgesehen von diesen unmittelbaren Folgen und dem  nuklearen Risiko, gibt es einen Grund, warum wir als Atomkraftgegner gegen diesen Krieg opponieren müssen. Die Logik ´, die hinter diesem Militärschlag steht, entspringt dem gleichen atomaren Denken, daß uns die zivile Nutzung der Atomkraft wie die militärische Atomabschreckungsstrategie des Kalten Krieges beschert hat. Niemals wurde nach den Mitteln gefragt, mit denen man am besten den Zweck (Energeierzeugung oder Frieden) erreichen kann. Es ging immer nur darum, die Wahl der Mittel zu rechtfertigen. Dazu brauchte es einen Feind. Bei der zivilen Nutzung der Atomenergie wurden wir als Gegner zum unappetitlichen Pack hochstilisiert. Für die militärische Strategie mußte ein Reich des Bösen für beide Seiten die Begründung für Atomwaffen herhalten. Und jetzt: Jetzt wird der Diktator Milosevic und die Serben zum Feind hochstilisiert. Kriegsgegner werden als "5. Kolonne Belgrads" tituliert, der grünen Staatssekretärin Gila Altmann wird wegen einer Unterschrift unter einen Anti-Kriegsaufruf vorgeworfen, "sie falle Soldaten in den Rücken". Dolchstoßlegende.

Während ein Riesenaufstand über einen aus Serbien ausgewiesenen CNN-Reporter gemacht wird, beschießen Nato-Bomber den Sitz des serbischen Fernsehens. Wo leben wir eigentlich? Wir wollen und können nicht Partei ergreifen in diesem Krieg, aber die Spirale der Gewalt muß durchbrochen werden. Denn eins steht fest: Die Bomben bringen keinen Frieden und stoppen die Vertreibung der Kosovaren nicht.

Und wir müssen uns diesem Automatismus widersetzen, daß jeder, der gegen diesen Krieg Partei ergreift, als Serbenfreund tituliert wird. Solche billigen Argumentationen haben dazu geführt, daß das 20. Jh. in die Geschichte als Jahrhundert der totalitären Herrschaft eingeht.

Über die eigentliche Situation im Kosovo wissen wir nur folgendes ganz sicher: - Vor den NATO-Bomben waren zehntausende Kosovaren auf der Flucht. Seit Beginn der Bombardierung sind es Hunderttausende. Was ist denn die Alternative zum Bomben?, lautet das Standardargument der Kriegstreiber.

Wir wissen mittlerweile genauso sicher, daß politische Verhandlungslösungen von der amerikanischen Delegation bewußt unmöglich gemacht wurden. Im Vertragsentwurf von Rambouillet wurde die Stationierung von NATO-Trupppen im Kosovo gefordert. Truppen, denen laut Vertragstext ungehinderte Bewegungsfreiheit in der ganzen Bundesrepublik Jugoslawien garantiert werden sollte. Das kann kein souveräner Statt unterschreiben. Zu einer Ablehnung bedarf es nicht eines Diktators a la Milosevic. Die gleiche Staaten, die seit 34 Tagen bombardieren, konnten sich vorher nicht mal auf ein Wirtschaftsembargo gegen Serbien einigen.

Und deutsche Gerichte haben noch bis zum Beginn des Bombardements kosovarische Asylbewerber in ihr Heimatland aabgeschoben mit der Begründung, im Kosovo gäbe es keine systematische Verfolgung. Die Gerichte stützen sich auf Berichte aus dem von Joschka Fischer geführten Außenministerium. Das passt alles hinten und vorne nicht zusammen. Das stinkt zum Himmel.

Fest steht, daß sich Sozialdemokraten und Grüne als weitaus willfährigere Helfershelfer der Miltärinteressen erwiesen haben als es die Konservativen je waren. Fest steht auch, daß der schleichende Einsatz von Bodentruppen auch von der Bundeswehr längst im Gange ist.  Fest steht, daß mit diesem Militärschlag die gesamte Friedensordnung nach dem 2. Weltkrieg mit einem Schlag beseitigt ist.

Wir schließen uns der Logik des Krieges unter dem perversen Deckmäntelchen der angeblichen Humanität nicht an. Wir treten für einen sofortigen Stopp der Kampfhandlungen und die Rückkehr zu politischen Lösungen ein.

Matthias Edler

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Aktion verweigert und /oder desertiert!

Auch ich rufe auf

Auch ich rufe alle Soldaten aller Kriegsparteien dazu auf: Verweigert und/oder desertiert! Diese Aktion ist an die Soldaten aller Kriegsparteien gerichtet.  Außerdem ist sie der Versuch, durch massenhaftes Aufrufen zum Verweigern  und Desertieren eine beginnende Repression gegen Menschen der Antikriegsbewegung, die zum Verweigern und Desertieren aufgerufen haben,  unmöglich zu machen.

Ich rufe die Kämpfer der kosovo-albanischen UCK, die Soldaten der jugoslawischen Armee, der serbischen Sonderpolizei und der serbischen Paramilitärs dazu auf,

  • verweigert den Kriegsdienst und/oder desertiert!

Ich rufe die Soldaten der Bundeswehr dazu auf,

  • verweigert die Befehle, die dem Grundgesetz widersprechen, wie Befehle zur Teilnahme an diesem Angriffskrieg. Es besteht nach dem Soldatengesetz das Recht, diese Befehle zu verweigern.
  • verweigert den Kriegsdienst nach Artikel 4. Abs. 3 Grundgesetz
  • oder verweigert total, da der Zivildienst auch in militärische Planungen eingebunden ist
  • oder desertiert!

Ich rufe die Soldaten der anderen am Angriffskrieg gegen Jugoslawien beteiligten NATO-Soldaten aus den USA, Großbritannien, Belgien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlande, Norwegen, Portugals, Spaniens und der Türkei dazu auf,

  • verweigert den Kriegsdienst und/oder desertiert!

Ich fordere, daß Kriegsdienstverweigerung bzw. Desertation als Asylgrund anerkannt wird und allen Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern aller Kriegsseiten hier uneingeschränktes Asyl gewährt wird!

Ich unterschreibe diesen Appell:

Name, Adresse, Unterschrift

Rückmeldung per Post:

Tobias Pflüger
Burgholzweg 116/2
72070 Tübingen

Antworten auch an:

topf@iname.com
http://www.topf.notrix.de

Anhang 1.: Der Aufruf zur Desertion (Fahnenflucht) ist in der Bundesrepublik Deutschland strafbar. Wer diesen Aufruf unterzeichnet, muß also damit rechnen, ein Verfahren nach Paragraph 111 Strafgesetzbuch (Aufruf zu einer Straftat) zu bekommen. Gegen einzelne Mitglieder der bundesdeutschen Antikriegsbewegung wird schon in dieser Sache ermittelt.

Anhang 2.: Wir wissen, daß die Möglichkeiten zur gesetzeskonformen Kriegsdienstverweigerung in den kriegführenden Staaten sehr unterschiedlich sind. In Jugoslawien besteht derzeit für jeden Mann die Gefahr der Zwangsrekrutierung. Die UCK (zwangs)-rekrutiert in den Flüchtlingslagern in Albanien und Mazedonien. In den NATO-Staaten werden beispielsweise in der Türkei Kriegsdienstverweigerer verfolgt.

Anhang 3.: Wir wissen, daß die Möglichkeiten zur gesetzeskonformen Kriegsdienstverweigerung in den kriegführenden Staaten sehr unterschiedlich sind. In Deutschland gibt es die legale Möglichkeit, den direkten Kriegsdienst bei der Bundeswehr zu verweigern. Eine Verweigerung der Wehrpflicht (Totalerweigerung) ist nicht legal und wird (mehrfach) bestraft. Nach Paragraph 10 Absatz 4 des Soldatengesetzes dürfen nur Befehle "unter Beachtung des Völkerrechts" überhaupt erteilt werden, nach Paragraph 11 Absatz 2 Soldatengesetz müssen Befehle nicht befolgt werden, "wenn dadurch eine Straftat begangen würde."

Zusatzinformation:

Die NATO führt einen Angriffskrieg gegen Jugoslawien. Durch diesen Angriffskrieg werden täglich auch zivile (sogenannte "strategische") Ziele, ja fast die gesamte wirtschaftliche Infrastruktur in ganz Jugoslawien zerbombt. Täglich werden dabei Menschen umgebracht. Der NATO-Angriffskrieg muß sofort gestoppt werden! Dieser Krieg verstößt zudem noch gegen Völkerrecht und Grundgesetz (Artikel 26.1. GG: Verbot eines Angriffskrieges).

Die jugoslawische Armee, serbische Sonderpolizei und Paramilitärs führen eine intensive Vertreibung von Kosovo-Albanern aus dem Kosovo durch. Menschen werden vertrieben, weil sie einer anderen ethnischen Gruppe angehören. Dörfer werden zerstört und niedergebrannt. Täglich werden dabei Menschen umgebracht. Die Vertreibung durch serbisch/ jugoslawisches Militärs muß sofort beendet werden, die Menschen müssen wieder in ihre Heimat zurückkehren können.

Die kosovo-albanische Untergrundarmee UCK führt im Kosovo einen Krieg, bei dem auch sie keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nimmt. Unter Flüchtlingen führt die UCK Zwangsrekrutierungen durch. Die UCK heizt den Konflikt weiter an.

Jugoslawische Polizei und Justiz gehen verschärft gegen Opposition und unabhängige Medien in Jugoslawien vor. Alle Männer zwischen 18 und 60 droht die Zwangsrekrutierung. Die Zensurmaßnahmen und Zwangsrekrutierungen müssen sofort aufhören!

Alle Kriegsparteien informieren uns nicht richtig. Von allen Kriegsparteien bekommen wir Kriegspropaganda zu hören. "Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit."

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Ende